Literaturepochen: Barock
Didaktische Hinweise
Die deutsche Literatur des Barock steht im Zeichen der Gegensätze: Leben und Tod, „Carpe diem“ und „Memento mori“. Angesichts des Dreißigjährigen Kriegs ist die Todesangst allgegenwärtig, gleichzeitig entsteht daraus ein Hunger nach Leben und Genuss. Durch die Beschäftigung mit den gesellschaftlichen, historischen und kulturellen Gegebenheiten der Zeit sollen die Schülerinnen und Schüler die Literatur des Barock verstehen und epochentypische Merkmale einordnen können. Um diese Zeit schülernah zu vermitteln, ist die Produktion als Kultursendung aus dem Jahr 1668 gestaltet – ein Moderator führt durch die Sendung und berichtet „live“ aus dem Barock, die einzelnen Beiträge der Sendung beschäftigen sich mit verschiedenen Aspekten der Literaturepoche. Passende Arbeitsblätter zum Film und Bildergalerien zu barocken Motiven, literarischen Werken, Malerei und Architektur runden die Produktion ab.
Adressaten
Allgemeinbildende Schulen (Klasse 8–13)
Bezug zu Lehrplänen und Bildungsstandards
Die Produktion ist für den Einsatz im Fach Deutsch geeignet.
Die Schülerinnen und Schüler
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setzen sich mit einer literarischen Epoche und deren Merkmalen auseinander;
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lernen den historischen Hintergrund der Literaturepoche Barock kennen;
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begegnen dem Lebensgefühl des Barock und setzen es in Beziehung zu ihrer eigenen Lebenswelt;
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erhalten einen Einblick in den Barock als Stilepoche in Musik, Malerei, Bildhauerei, Architektur und Mode;
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analysieren Gedichte unter verschiedenen Aspekten;
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lernen das Sonett und seine Merkmale als spezielle Gedichtform kennen;
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beschäftigen sich mit Emblemen und Figurengedichten als weitere Lyrikformen des Barock;
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setzen sich mit barocken Dramen und deren jeweiliger Thematik auseinander;
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lernen das Werk „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen als Beispiel für einen barocken Roman kennen;
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begegnen der Sprache des Barock und versuchen diese zu lesen;
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identifizieren Hauptmotive, epochentypische Themen und Gestaltungsmittel und arbeiten diese an ausgewählten (literarischen) Texten heraus;
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vergleichen Lyrik aus anderen Epochen mit der des Barock;
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erkennen die geschichtliche Bedingtheit eines Werks und der Literatur im Allgemeinen;
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entnehmen Informationen aus verschiedenen Quellen (Text, Bild, Film);
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recherchieren Begrifflichkeiten und Themen im Zusammenhang mit der Literaturepoche;
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erklären und strukturieren Sachverhalte, geben Informationen weiter und präsentieren Ergebnisse vor der Klasse;
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verfassen verschiedene Texte unter Anwendung der erforderlichen Textsorte (Bildbeschreibung, Dramen-, Erzähltext-, Lyrikanalyse);
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stellen Zusammenhänge zwischen der Literatur des Barock und ihrer Zeit her.
Einsatzmöglichkeiten und Inhalt
Der Film kann den Schülerinnen und Schülern in seiner gesamten Länge, aber auch in Sequenzen gezeigt werden. Diese Themenkapitel können sukzessive oder auch unabhängig voneinander erarbeitet werden, je nach Vertiefung bzw. Schwerpunktsetzung. Um jedoch einen Gesamtüberblick über die Literaturepoche Barock zu gewinnen, empfiehlt es sich, den Film zunächst in seiner ganzen Länge zu zeigen und dann vertiefend auf einzelne Sequenzen einzugehen.
Der Film unterteilt sich in sieben Sequenzen, die zum einen allgemein auf den historischen Hintergrund und das daraus resultierende Weltbild des Barock, zum anderen auf die Literatur der Epoche in den drei Gattungen Epik, Drama und Lyrik eingehen, wobei letztere einen Schwerpunkt einnimmt. Die Schülerinnen und Schüler erhalten dabei einen umfassenden Einblick in diese Epoche.
Die dazugehörigen Arbeitsmaterialien sind so konzipiert, dass ein flexibler Einsatz im Unterricht möglich ist. Sie bauen nicht zwingend aufeinander auf und können auch einzeln eingesetzt werden. Inhaltlich nehmen die Aufgaben Bezug auf die im Film bzw. in den Sequenzen angesprochenen Themen, wobei stets auch darüber hinausgegangen wird, um eine vertiefte Beschäftigung zu ermöglichen. Damit ein Unterricht gewährleistet wird, der alle Schülerinnen und Schüler auf ihrem Niveau anspricht, sind die Arbeitsblätter für zwei verschiedene Niveaustufen konzipiert. Dazu sind die Arbeitsblätter so aufgebaut, dass sich die Aufgaben, die für die Mittelstufe bzw. als grundlegende Erarbeitung gedacht sind, zu Beginn befinden. Aufgaben, die für die Oberstufe zu empfehlen sind oder eine intensivere Auseinandersetzung mit der Thematik anstreben, sind als „Vertiefungsaufgaben“ gekennzeichnet. Die Arbeitsblätter sehen sowohl Einzel- als auch Partner- und Gruppenarbeit vor und beinhalten neben klassischen Ansätzen auch handlungsorientierte und kreativ-aktive Aufgabenstellungen.
Neben den Arbeitsblättern stehen vier Bildergalerien zur Verfügung, die im Zusammenhang mit Motiven des Barock, ausgewählten Werken aus dem Film und barocker Malerei und Architektur eingesetzt werden können.
Empfohlenes Vorgehen
Hier ist in Form von verschiedenen Unterrichtsbausteinen ein möglicher Aufbau einer Unterrichtseinheit ausgearbeitet, die alle Filmsequenzen und Arbeitsblätter berücksichtigt. Die Einheit ist bei dieser Vorgehensweise für 10–16 Unterrichtsstunden ausgelegt. Je nach gewünschter Intensität mit der Auseinandersetzung der Literaturepoche Barock können einzelne Bausteine auch weggelassen werden. Die Bausteine 3, 4 und 5 können in beliebiger Reihenfolge zum Einsatz kommen. Da die Lyrik der größte dieser drei Bausteine ist, wurde sie hier an den Anfang gesetzt. Die Beschäftigung mit der Stilepoche Barock und ihren unterschiedlichen Facetten in Baustein 6 eignet sich als Einschub zwischen der Auseinandersetzung mit den einzelnen literarischen Gattungen und stellt eine gute Abwechslung dar. Empfehlenswert ist also ein Einsatz zwischen Baustein 3 und 4 oder 4 und 5. Wie viele Unterrichtsstunden man mit einem Baustein füllen möchte, hängt wiederum von verschiedenen Faktoren ab, wie etwa dem Vorwissen, dem Interesse oder der Zusammensetzung der Lerngruppe, oder davon, wie intensiv der jeweilige Aspekt der Literaturepoche im Unterricht behandelt werden soll.
Baustein 1: Einstieg und Hinführung
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Material: gesamter Film „BarockZeit“, ggf. Arbeitsblatt 11 „Epochenüberblick Barock“
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inhaltliche Schwerpunkte: nach Filmsichtung Klassengespräch mit möglichen Impulsfragen: Was war dir bereits bekannt? Welche Information aus dem Film hat dich überrascht? Was hast du nicht verstanden? Zu welchem Thema möchtest du mehr wissen? Alternative: Anstatt eines Klassengesprächs kann auch hier schon Arbeitsblatt 11 zum Einsatz kommen.
Baustein 2: Historisch-gesellschaftliche Hintergründe als Grundlage der Literaturepoche
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inhaltliche Schwerpunkte: Dreißigjähriger Krieg, Absolutismus, Ständeordnung, Krieg als Thema in der Literatur, Hauptmotive des Barock, Gegensätzlichkeit/Antithetik
Baustein 3: Lyrik
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Material: Filmsequenz „Buch von der Deutschen Poeterey“, Filmsequenz „Sonett und Figurengedicht“, Filmsequenz „Motive in der Lyrik“, Arbeitsblatt 6 „Dichten nach Regeln?“, Arbeitsblatt 7 „Das Sonett“, Arbeitsblatt 8 „Modernes Sonett“, Arbeitsblatt 9 „Text und Bild in literarischer Verbindung“, Arbeitsblatt 10 „Motive im Vergleich“
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inhaltliche Schwerpunkte: Begriffsklärung Poetik, Opitz‘ Regelpoetik als Ausdruck seiner Zeit, Auseinandersetzung mit dem Sonett „Ebenbild unseres Lebens – Auf das gewöhnliche Königs-Spiel“ von Andreas Gryphius, Kennenlernen eines modernen Sonetts „Auf der Terrasse des Café Josty“ von Paul Boldt, Erarbeitung einer vergleichenden Gedichtanalyse (Schwerpunkt Ausdruck der gegensätzlichen Lebensgefühle im Barock), Emblem und Figurengedicht als spezielle literarische Formen des Barock
Baustein 4: Epik
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Material: Filmsequenz „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“, Arbeitsblatt 1 „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“
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inhaltliche Schwerpunkte: Titelblatt, Titelkupfer und Inhalt des Schelmenromans „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ von Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen
Baustein 5: Drama
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inhaltliche Schwerpunkte: Theater- und Opernhäuser, Theatrum mundi, Komödie „Absurda Comica oder Herr Peter Squentz“ von Andreas Gryphius, Märtyrerdrama „Catharina von Georgien“ von Andreas Gryphius
Baustein 6: Stilepoche Barock
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Material: Filmsequenz „Architektur“, Arbeitsblatt 4 „Stilepoche Barock“
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inhaltliche Schwerpunkte: Architektur, Malerei, Bildhauerei, Musik und Mode im Barock
Baustein 7: Abschluss
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Material: gesamter Film „BarockZeit“, bisherige Ergebnisse aus den Bausteinen 2 bis 6, Arbeitsblatt 11 „Epochenüberblick Barock“
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inhaltliche Schwerpunkte: Erarbeiten eines Überblicks
Film
BarockZeit (Film 23 min)
Der Film ist als Kultursendung „BarockZeit“ konzipiert, die mitten in die Literaturepoche Barock in das Jahr 1668 verortet werden kann. Ein Moderator führt durch die Sendung und berichtet sozusagen „live“ aus dieser Zeit. Seine Moderationen und die Beiträge der Kultursendung vermitteln den Schülerinnen und Schülern die historisch-kulturellen Hintergründe, die Literatur und epochentypischen Merkmale. Die Sensation am Anfang der Sendung ist die Neuerscheinung des Romans „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“. Nach einem kurzen Einblick, wie der Dreißigjährige Krieg und die folgenden Entwicklungen das Lebensgefühl der Menschen beeinflussen, wird am Beispiel der Architektur die Stilepoche Barock veranschaulicht. Anschließend werden das barocke Theater und die u. a. dort gezeigten Märtyrerdramen ins Zentrum gerückt. In einem „Live-Interview“ mit einem Literaturkritiker wird Martin Opitz‘ „Buch von der Deutschen Poeterey“ diskutiert. Im weiteren Verlauf der Sendung liegt der Schwerpunkt auf der Barocklyrik, indem das Sonett und seine äußere Form, die zentralen Motive „Memento mori“, „Vanitas“ und „Carpe diem“ und das Figurengedicht an Beispielen thematisiert werden. Die Verabschiedung des Moderators gibt schließlich einen kurzen Ausblick, inwiefern die Barocklyrik für die zukünftigen Literaturepochen relevant sein wird.
Folgendes Arbeitsblatt steht begleitend zum gesamten Film zur Verfügung:
Die auf dem Arbeitsblatt aufgelisteten Begriffe und Bilder können unterschiedlich eingesetzt werden. Die Arbeitsanweisung sieht vor, dass die abgedruckten Kärtchen am Ende der Unterrichtseinheit zum Einsatz kommen. Möglich ist aber auch, nach der Präsentation des gesamten Films zu Beginn der Unterrichtseinheit ausgewählte Begriffe und Bilder als Klassenaktivität z. B. auf einem Plakat anzuordnen, dieses im Klassenzimmer aufzuhängen und es dann im Laufe der Auseinandersetzung mit der Literaturepoche Barock immer wieder zu ergänzen und so eine große Übersicht begleitend zur Unterrichtseinheit entstehen zu lassen.
Filmsequenzen
„Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ (Filmsequenz 1:10 min)
In dieser Sequenz stellt der Moderator den Roman in einem kurzen Inhaltsabriss vor. Animationen begleiten und veranschaulichen die Handlung.
Das Arbeitsblatt bietet die Möglichkeit, sich vertiefter mit dem wohl berühmtesten deutschen Roman des Barock auseinanderzusetzen. Die Analyse des Titelblatts konfrontiert die Schülerinnen und Schüler mit der Sprache des Barock, die dem frühen Neuhochdeutsch zugeordnet werden kann. Das Titelblatt liefert Anhaltspunkte über den Inhalt des Romans. In einem anschließenden Klassengespräch können Spekulationen über den genaueren Inhalt geäußert werden. Aufgabe 2 geht darauf ein, dass der Autor ein Pseudonym verwendet, indem er ein Anagramm seines Namens bildet. Die Analyse des Titelkupfers in Aufgabe 3 liefert den Schülerinnen und Schülern weitere Hinweise auf den Inhalt des Romans. Bevor die Bildinterpretation in 3c) schriftlich festgehalten wird, sollte eine Kontrolle in Form eines Lösungsblattes zur Verfügung stehen. Aufgabe 4 liefert eine kurze Inhaltszusammenfassung des Romans, zu der die Jugendlichen recherchieren. Höhere Klassenstufen oder schnellere Schülerinnen und Schüler können sich in den Vertiefungsaufgaben 5 und 6 noch mit Zitaten über den Roman auseinandersetzen.
Weltbild und Lebensgefühl (Filmsequenz 4:00 min)
Die Literaturepoche Barock ist geprägt vom Dreißigjährigen Krieg und seinen verheerenden Folgen. Missernten, Hungersnöte und Seuchen bestimmen den Alltag der einfachen Bevölkerung. Damit verbunden sind die zentralen Schlagworte „Memento mori“ und „Vanitas“. Im Gegensatz dazu steht der Prunk und Luxus des Adels und der Fürsten, die nach dem Vorbild Ludwigs XIV. absolutistische Macht für sich beanspruchen. In ihrem Lebensstil zeigt sich das „Carpe diem“, die Lebensgier, die sich aus der Allgegenwart des Todes entwickelt. Die Sequenz zeigt u. a. nachgestellte Szenen mit Laienschauspielern zum Dreißigjährigen Krieg und Eindrücke eines Barockballs.
Die Schülerinnen und Schüler verschaffen sich anhand dreier Texte einen Überblick über den Dreißigjährigen Krieg und strukturieren die wichtigsten Informationen in einer Mindmap. Diese Aufgabe liefert Hintergrundwissen für die Auseinandersetzung mit einem der beiden literarischen Barocktexte aus Aufgabe 2 (Andreas Gryphius: „Tränen des Vaterlandes“ und ein Auszug aus Hans Jakob Christoffel von Grimmelshausen: „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“). Diese bieten die Möglichkeit herauszuarbeiten, wie sich der Dreißigjährige Krieg in der Literatur wiederfindet. Methodisch kann dies in arbeitsteiliger Gruppenarbeit erfolgen.
Schließlich sollen sich die Schülerinnen und Schüler in Aufgabe 3 auf interaktive Weise mit verschiedenen Aspekten zum Thema Absolutismus auseinandersetzen. Jede Schülerin bzw. jeder Schüler erhält ein Infokärtchen der Datei „Material zum Arbeitsblatt: Elend vs. Fürstenpracht“, das sie bzw. er sich in Ruhe durchliest. Auf ein Zeichen der Lehrkraft machen sich die Schülerinnen und Schüler auf die Suche nach weiteren Informationen, die eine Mitschülerin oder ein Mitschüler geben kann bzw. erteilen selbst Informationen zu ihrem Thema. Dabei sollen die Informationen nicht einfach vorgelesen, sondern gegenseitig erklärt werden. Bei leistungsschwächeren Klassen empfiehlt es sich, die Schülerinnen und Schüler vor dem interaktiven Austausch kurze Notizen machen zu lassen. Hat sich jeder informiert, kann man entweder in einem Klassengespräch abklären, ob die Informationen richtig weitergegeben wurden, oder man lässt einen kurzen Sachtext mit den wichtigsten Informationen zum Absolutismus schreiben.
Auch wenn in Deutschland seit über 70 Jahren kein Krieg mehr herrscht, begegnen den Schülerinnen und Schülern aus den Medien Kriegsbilder und -berichte aus anderen Ländern. Das Sammeln von Stichwörtern zum Thema „Krieg“ in den Kategorien Nomen, Verben und Adjektive soll es den Jugendlichen ermöglichen, sich über moderne Kriegs- und Krisengebiete die Situation des Dreißigjährigen Kriegs vor Augen zu führen. Auch Aufgabe 2 zielt darauf ab, wobei der lange Zeitraum von 30 Jahren Krieg im Fokus steht.
Aus der Erarbeitung dieser beiden Aufgaben ergibt sich die Weiterführung zu den drei großen Motiven des Barock, die in einem Schaubild dargestellt sind und von den Schülern mithilfe des Films näher erklärt werden sollen.
Um einen Bogen zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler zu spannen, sollen sich diese in Kleingruppen überlegen, ob und inwiefern diese Barockmotive auch in unserer Zeit Bedeutung haben.
Die Gegensätzlichkeit der Gefühle des Barock kommt in der abschließenden Aufgabe 5 zum Ausdruck, indem die Schülerinnen und Schüler zu vorgegebenen Begriffen den Gegensatz finden sollen. Dieser sogenannten Antithetik können die Jugendlichen bei der Auseinandersetzung mit literarischen Texten des Barock immer wieder begegnen.
Architektur (Filmsequenz 2:50 min)
Mit Beispielen aus der Architektur wird die verschwenderische Opulenz der Stilepoche Barock anschaulich gemacht. Wie Schloss Nymphenburg in München oder der Dresdner Zwinger entstehen am Ende des 17. Jahrhunderts und Anfang des 18. Jahrhunderts zahlreiche Schlösser nach dem Vorbild von Versailles. Die Anlagen und die Ausstattung verkörpern den absoluten Machtanspruch der Fürsten. Die prunkvoll gestalteten, überwiegend katholischen Kirchen demonstrieren die Macht der Kirche im Sinne der Gegenreformation. Wie in der Anmoderation zur Sequenz deutlich wird, handelt es sich bei den gezeigten architektonischen Beispielen um einen „Blick in die Zukunft“. Die Stilepoche Barock in der Architektur setzt aufgrund der verheerenden Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs im Gebiet des heutigen Deutschlands im Vergleich zur Literaturepoche Barock erst später ein.
Die Stilepoche Barock mit seinen verschiedenen Facetten soll in arbeitsteiliger Gruppenarbeit unter die Lupe genommen werden. Impulsfragen zu den fünf ausgewählten Bereichen (Barock allgemein, Architektur, Mode, Malerei, Bildhauerei, Musik) geben den Schülerinnen und Schülern für ihre jeweilige Recherche einen Anhaltspunkt. Die Ergebnisse können anschließend präsentiert oder in einer Ausstellung vorgestellt werden. Denkbar ist auch, anhand der erstellten Plakate oder PowerPoint-Folien mit einer Digitalkamera oder einem Smartphone kleine Informationsfilme drehen zu lassen.
Theater (Filmsequenz 4:10 min)
Die Sequenz greift mit Szenen aus den Barocktheatern in Gotha und Cesky Krumlov die aufwendige barocke Bühnentechnik und ihre Kulissen auf, wodurch der Begriff „Theatrum mundi“ anschaulich erklärt wird. Als Beispiel für eine barocke Tragödie wird das Märtyrerdrama „Catharina von Georgien“ von Andreas Gryphius skizziert und das Motiv „Constantia“ in das barocke Weltbild eingeordnet.
Zunächst soll die Ständeklausel der Barockdramen mithilfe des Films erklärt und eine Definition gefunden werden. Danach gilt es, sich mit zwei barocken Dramen näher zu beschäftigen. Die Komödie „Absurda Comica oder Herr Peter Squentz“ von Andreas Gryphius bietet die Möglichkeit, sich mit der Komik des Stücks und dem Begriff „Theatrum mundi“ näher zu befassen. Als Vertiefungsaufgabe ist die Auseinandersetzung mit dem Märtyrerdrama „Catharina von Georgien“, ebenfalls von Andreas Gryphius, konzipiert. Die Teilaufgaben thematisieren das in barocken Märtyrerdramen wichtige Motiv der „Beständigkeit“.
„Buch von der Deutschen Poeterey“ (Filmsequenz 2:40 min)
Anhand eines Interviews zwischen dem Moderator und einem fiktiven Literaturkritiker wird Martin Opitz‘ „Buch von der Deutschen Poeterey“ vorgestellt. Der Begriff „Regelpoetik“ wird erklärt. Außerdem verdeutlicht die Sequenz, dass das Verständnis von „guter“ Literatur von den Zeitumständen beeinflusst wird und sich immer wieder wandelt.
Eine Definition des Begriffes „Poetik“ ist einem Auszug aus Martin Opitz‘ „Buch von der Deutschen Poeterey“ vorgeschaltet, sodass sich die Schülerinnen und Schüler die Entwicklung der Dichtkunst und somit die Grundlage für Opitz‘ Werk klarmachen können. Anhand des kurzen Textauszugs sollen die Jugendlichen Opitz‘ Vorstellung von guter Dichtung anhand seiner Angaben zu Reimen und Kadenzen eines Sonetts herausarbeiten.
Zwei Filmzitate des Literaturkritikers gehen auf die Vorstellung von guter Dichtung der damaligen Zeit und die Gründe dafür ein, sodass die Schülerinnen und Schüler Opitz‘ Motivation für sein „Regelwerk“ besser verstehen. Abschließend soll auch auf diesem Arbeitsblatt wieder ein Transfer zur Schülerwelt entstehen, indem sich diese überlegen, was heutzutage als „gute Literatur“ gelten kann.
Sonett und Figurengedicht (Filmsequenz 3:40 min)
Das Gedicht „Ebenbild unsere Lebens – Auf das gewöhnliche Königs-Spiel“ von Andreas Gryphius dient als Beispiel, um das Sonett mit Aufbau, Metrum und Reimschema vorzustellen und zentrale Grundbegriffe zu erklären. Animationen veranschaulichen außerdem die Antithese als ein Stilmittel, das die widersprüchlichen Weltbilder des Barock versinnbildlicht. Mit dem Figurengedicht „Die Sanduhr“ von Theodor Kornfeld wird eine weitere Form der Lyrik im Barock vorgestellt.
Die Schülerinnen und Schüler sollen sich in Aufgabe 1 mithilfe des Films zentrale Grundbegriffe des Sonetts erarbeiten, indem sie an entsprechender Stelle Eintragungen vornehmen. Mit den weiteren Aufgaben erfolgt eine vertiefende Auseinandersetzung mit dem Beispielsonett des Films, die in dem Verfassen einer Gedichtanalyse mündet.
Die schrittweise Gedichtanalyse des modernen Sonetts „Auf der Terrasse des Café Josty“ von Paul Boldt aus dem Jahr 1912 soll zum einen verdeutlichen, dass Sonette auch über die Barockzeit hinweg von Lyrikern verfasst wurden und man somit immer wieder dieser Gedichtform begegnet. Zum anderen bietet dieses Arbeitsblatt die Möglichkeit, in Partnerarbeit ein Gedicht auf seine sprachlichen Mittel und seinen Inhalt hin zu untersuchen. Dabei kann auf die Methode des Lerntempoduetts verwiesen werden: Die Partner erarbeiten gemeinsam die Aufgaben, gehen anschließend mit anderen Partnern zusammen, vergleichen ihre Ergebnisse, ergänzen und korrigieren sie und verfassen abschließend in Einzelarbeit selbst eine Gedichtanalyse. Die Gedichtinterpretation setzt ein gewisses Vorwissen zur Literaturgeschichte, in diesem Fall speziell zum Expressionismus voraus.
Als Alternative oder weitere Ergänzung zum Sonett „Auf der Terrasse des Café Josty“ von Paul Boldt kann auch „Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“ von Robert Gernhardt herangezogen werden. Dabei handelt es sich um ein Sonett aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Gernhardt übt mit derben Kraftausdrücken Kritik am Sonett und nimmt sich als Verfasser eines Sonetts gehörig auf die Schippe. Die Schülerinnen und Schüler dürfte die Auseinandersetzung mit so einem Gedicht durchaus überraschen.
Dieses Arbeitsblatt geht auf die Emblematik ein, die im barocken Zeitalter in der Dichtung (aber auch in weiteren Lebensbereichen) in Mode war. Bereits beim Titelkupfer von „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ (Arbeitsblatt 1) begegnen die Jugendlichen einem Emblem. Auf Arbeitsblatt 9 lernen die Schülerinnen und Schüler das Emblem als Gedichtform kennen und erfassen, wie Text und Bild zusammenhängen und zu analysieren sind. Der handlungsorientierte Ansatz, selbst ein modernes Emblem zu verfassen, bringt das Kennengelernte zur Anwendung.
Das zweite Thema dieses Arbeitsblattes ist das Figurengedicht, eine spezielle Form visueller Lyrik, die wie das Emblem im Barock verbreitet war. Zunächst sollen die Schülerinnen und Schüler nur aufgrund der Optik eines Figurengedichts aus dem Barock Vermutungen zum Inhalt anstellen, um sich die optische Bedeutungsebene bewusst zu machen. Moderne Figurengedichte wie „Die Trichter“ von Christian Morgenstern – auch hier sieht man, dass sich Elemente der Barockliteratur in späteren Jahrhunderten wiederfinden – bieten den Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, das visuelle „Spiel“ mit der Sprache näher kennenzulernen. Ein Recherchehinweis auf weitere moderne Figurengedichte soll als Inspiration für die abschließende handlungsorientiere Aufgabe dienen, selbst ein Figurengedicht zu erstellen.
Motive in der Lyrik (Filmsequenz 2:10 min)
Die Sequenz greift die drei großen Motive „Memento mori“, „Vanitas“ und „Carpe diem“ anhand von Gedichtauszügen auf. Diese werden mithilfe von Animationen visualisiert, um das Konzept hinter den abstrakten Begriffen zu zeigen.
Die drei Grundmotive des Barock werden anhand zweier Gedichte veranschaulicht: „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius und „Carpe diem“ von Martin Opitz. Als Vertiefungsaufgabe kann eine Gliederung für eine vergleichende Gedichtanalyse ausgearbeitet werden.
Bilder
Motive (4 Bilder)
Anhand von Filmbildern können die barocken Motive „Memento mori“, „Vanitas“, „Carpe diem“ und „Constantia“ vertieft werden.
Literatur (2 Bilder)
Zwei Filmbilder zum Schelmenroman „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ und zum Märtyrerdrama „Catharina von Georgien“ stehen als Einstiegsimpuls für die Behandlung dieser zwei Werke zur Verfügung.
Architektur (6 Bilder)
Die Bildergalerie bietet Beispiele für barocke Schlösser und Kirchen. Es bietet sich an, sie bei der Gruppenarbeit auf Arbeitsblatt 4 „Stilepoche Barock“ als Material an die Schülerinnen und Schüler zu verteilen.
Malerei (6 Bilder)
Die sechs ausgewählten Kunstwerke aus verschiedenen Zeitabschnitten der Stilepoche Barock sollen unterschiedliche Genres der Malerei beleuchten. Sie können bei der Gruppenarbeit auf Arbeitsblatt 4 „Stilepoche Barock“ als Material an die Schülerinnen und Schüler verteilt werden.
Produktionsangaben
Literaturepochen:Barock
Produktion
FWU Institut für Film und Bild, 2016
Konzept
Anna Meißner
Bildnachweis
© FWU Institut für Film und Bild
© Wikimedia Commons
gemeinfrei – Wikimedia Commons
© Libor Sváček
© Lutz Ebhardt
© projekt.gutenberg.de
Arbeitsmaterial
Heike Schmid
Pädagogische Referentin im FWU
Anna Meißner
Produktionsangaben zum Film
„BarockZeit“
Produktion
schnittblume.tv
im Auftrag des
FWU Institut für Film und Bild
Buch und Regie
Gabriele Schubert
Kamera und Schnitt
Michael Schubert
Animationen
lightframe fx
Jana Pelenus
Michael Roth
Rainer Uhlemann
Mitwirkende
Gerhard Paul von Greiffenberg – Werner Pohle
Gedichtvortrag – Johannes Hochrein
Bildnachweis
Wikimedia Commons
Libor Sváček
Lutz Ebhardt
projekt.gutenberg.de
Musik
LES MATELOTS
Musikinterpretation und Arrangement: Les Matelots
Jiří Berger: Traversflöte, Piccolo
Michael Spiecker: Violine
Philipp Weihrauch: Violoncello, Violoncello piccolo
August Valentin Rabe: Cembalo
Christoph Sommer: Erzlaute, Barockgitarre
Annelie Matthes und Robert Matthes: Oboe
Claudia Mende: Violine, Viola
Michaela Bieglerová: Fagott
Peter Kuhnsch: Percussion
Sprecher
Annette Wunsch
Sebastian Prittwitz
Fachberatung
Patrick Rotter
Redaktion
Anna Meißner
Dank an
Bernd Schwabe und die Mitglieder des Traditionsvereins Dresdner Barock e.V.
Bernd Artinger, Schloss Burgscheidungen, Teilnehmer des Barockball Burgscheidungen
Marco Karthe, Nadja Pleil, Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/Ekhof Festival
Festung Königstein gGmbH „Die Schweden erobern den Königstein“
Schloss Nymphenburg (Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen)
Nur Bildstellen/Medienzentren:
öV zulässig
© 2016
FWU Institut für Film und Bild
in Wissenschaft und Unterricht
gemeinnützige GmbH
Geiselgasteig
Bavariafilmplatz 3
D-82031 Grünwald
Telefon (089) 6497-1
Telefax (089) 6497-240
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