Griechische Kunst und Architektur
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EINLEITUNG |
Griechische Kunst und Architektur, Kunst und Architektur
des griechischen Kernlandes und der griechischen Kolonien von etwa 1100
v. Chr. bis ins 1. Jahrhundert v. Chr., deren Wurzeln bis in die
ägäische Kultur zurückreichen. In der Zeit des Hellenismus Ende des
4. Jahrhunderts v. Chr. vermischte sie sich mit östlichen, nach
Eingliederung der Peloponnes als senatorische Provinz ins Römische Reich gegen
Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. mit römischen Stileinflüssen, als
zahlreiche Römer in den teilweise zerstörten griechischen Städten eine rege
Bautätigkeit entfalteten. Im Zuge der Christianisierung fiel ihre weitere
Entwicklung Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. mit der byzantinischen
Kunst und Architektur zusammen. Die griechische Kunst wirkte nicht nur
stilbildend auf die römische Kunst, sondern darüber hinaus auf Kunst und
Kunsthandwerk der gesamten westlichen Welt. Siehe Kunst und Architektur
der Renaissance; Klassizismus; Empirestil; Neoklassizismus.
Von der griechischen Architektur
und Großplastik sind relativ wenige Beispiele unbeschädigt erhalten geblieben,
ebenso wenig größere Gemälde. Dagegen förderten archäologische Grabungen eine
große Zahl von keramischen Gegenständen, Münzen, Schmuck und Kleinplastiken in
gutem Erhaltungszustand zutage. Zusätzlich zu diesen Funden geben schriftliche
Quellen aus der Antike Aufschluss über das griechische Kunstschaffen, wie sie
besonders in Form der Berichte des römischen Schriftstellers Plinius des
Älteren und des griechischen Historikers und Geographen Pausanias vorliegen,
die von zahlreichen Werken berichten, die heute nicht mehr erhalten sind.
Andere Kunstwerke, besonders griechische Großplastiken, wurden in Form
römischer Kopien überliefert, die heute in den großen archäologischen Museen
eine deutliche Vorstellung von deren Aussehen vermitteln.
Die wichtigsten Baumaterialien
waren Kalkstein, später auch Marmor, für Dachkonstruktionen und
Raumabtrennungen wurden meist Holz und Ziegel verwendet. Die Bildhauer
bearbeiteten Marmor und Kalkstein, modellierten in Ton oder gossen ihre Werke
in Bronze. Große Kultbildnisse wurden aus gehämmerten Bronzeplatten zusammengesetzt;
meist bestanden sie aus einem Holzkörper, der mit Gold und Elfenbein ummantelt
war. Stein- und Tonskulpturen waren ganz oder teilweise farbig bemalt. Für
Wandgemälde oder Vasenmalereien verwendete man wasserlösliche Farben.
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2 |
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DIE PROTOGEOMETRISCHE UND GEOMETRISCHE ZEIT
(UM 1100 BIS 650 V. CHR.) |
Die Zerschlagung der mykenischen
Kultur durch einwandernde dorische Stämme (dorische Wanderung) im
12. Jahrhundert v. Chr. hatte an der Wende von der Bronze- zur
Eisenzeit zu einer Art kulturellem Vakuum in Griechenland geführt. Die ersten
Zeugnisse der frühen griechischen Kunst waren Keramiken und Kleinplastiken aus
Bronze, in denen zum Teil mykenische Stileinflüsse überlebten. Das
vorherrschende lineare Dekorationssystem der Keramikgefäße mit geometrischen
Ornamentformen, wie Mäanderbändern oder Kreisen, die die klare Gliederung der
Gefäße unterstrichen, gab der Periode ihre Bezeichnung. Erst seit etwa Ende des
9. Jahrhunderts v. Chr. lassen sich verstärkt figürliche Darstellungen
nachweisen, wie ornamental abstrahierte Tierfriese oder Bestattungsszenen. Ein
herausragendes Beispiel der geometrischen Keramik ist mit einer solchen
Zeremonie bemalte Dipylonvase in der Form eines Kratérs (Metropolitan
Museum of Art, New York), ein großes, sich nach oben weitendes Gefäß, das
Opfergaben aufnehmen sollte. Es wurde in der Nähe des Dipylons (Doppeltores) in
Athen gefunden, durch das die heilige Straße nach Eleusis führte.
Die Kolonisierung des östlichen
Mittelmeerraumes durch die Griechen und der Handel mit den Phöniziern (siehe
Phönizien) und anderen Völkern des Vorderen Orients beeinflusste ab dem
7. Jahrhundert v. Chr. auch den Stil der Vasenmalerei, in die
orientalisierende Motiv- und Ornamentformen einzufließen begannen. Im Zuge
dieser Entwicklung wurden die abstrakt-geometrischen Formen zunehmend durch
organische Ornamente, wie Lotus-, Palmen-, Löwen- oder Sphinxmotive, verdrängt.
Andere charakteristische Formen des
geometrischen Kunstschaffens sind Kleinplastiken aus Bronze oder Ton, die häufig
Pferde darstellen, wie man sie beispielsweise in den Schatzhäusern der
Heiligtümer von Olympia fand.
Die frühesten Bauwerke wurden aus
Lehmziegeln, Holz und Bruchsteinen errichtet. Es handelte sich in der Regel um
einfachste Gebäude mit elliptischen oder ovalen Grundrissen, die später
rechteckig wurden.
In die geometrische Zeit
fallen auch die Anfänge des Tempelbaues. Der Grundriss des Antentempels,
der einfachsten Tempelform der spätgeometrischen Zeit, glich dem der Häuser,
wie sich aus Fundamenten, die man etwa auf Samos, in Sparta, in Olympia und auf
Kreta entdeckte, nachweisen lässt. Die Seitenwände der rechteckigen, kleinen
Tempelgebäude waren bis über die Vorderseite hinaus vorgezogen (Anten)
und formten so eine Art offene Vorhalle, deren Dach von zwei Säulen gestützt
wurde. Erst in der Spätphase der geometrischen Periode begannen die
Tempelbauten an Monumentalität zu gewinnen.
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3 |
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DIE ARCHAISCHE ZEIT (UM 650 BIS CA. 475 V.
CHR.) |
Die Archaik, in deren Verlauf
sich die griechische Kultur durch weit reichende Handelsbeziehungen im
Mittelmeerraum und Vorderen Orient weiter ausbreitete, spiegelt in ihrer
Bezeichnung (abgeleitet von dem griechischen Wort arché: Beginn, Anfang)
ihre Einordnung als eine Art Vorstufe zur Klassik. Sie ist gekennzeichnet durch
die Herausbildung neuer Typen und eines verbindlichen Formenkanons in
Architektur, Skulptur und Keramik, wobei insbesondere monumentalere Bauwerke
und Skulpturen entstanden. Auch die Großmalerei begann sich zu entwickeln. Ägyptische
und orientalische Einflüsse machten sich auch in der Vasenmalerei mit neuen
Formen und Motiven bemerkbar.
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3.1 |
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Plastik |
Angeregt durch die monumentalen
Steinskulpturen in Ägypten und Mesopotamien, die in der Regel in funktionalem Zusammenhang
mit der Architektur standen und einen frontalen Charakter aufwiesen, setzte
auch in Griechenland eine Entwicklung zur Großplastik ein. Sie führte zur
Verwendung neuer Materialien wie Marmor oder Kalkstein, die Ton und Bronze
abzulösen begannen. Den Anfang dieser Entwicklung zur Großplastik markiert eine
weibliche Statuette aus Auxerre (um 660 bis 580 v. Chr., Louvre, Paris)
von etwa 75 Zentimeter Höhe.
In der Monumentalplastik begannen
sich zwei Figurentypen herauszubilden: der stehende Jüngling und das stehende
Mädchen. Beide sind überlebensgroß und zeugen von genauer Kenntnis der
menschlichen Anatomie. Sie sind durch das so genannte „archaische Lächeln”
charakterisiert, das ein Mittel gewesen sein mag, den Figuren einen
individuellen Ausdruck zu verleihen. Im Gegensatz zu den ägyptischen Vorbildern
waren sie frei stehend gestaltet und von allen Seiten vollständig
ausgearbeitet. Die Jünglingsstatue (Kouros, griechisch: Jüngling) war
nackt und stand mit an den Körper gezogenen Armen und geballten Fäusten
aufrecht im Raum, die beiden Beine sicher auf dem Boden, das linke Bein leicht
vorgesetzt. Bekannte Beispiele für diesen Typ sind der Strangford-Apollo
aus Limnos (Britisches Museum, London) oder der so genannte Kroisos von
Anavyssos (Archäologisches Nationalmuseum, Athen). Das stehende weibliche
Pendant (Kore, griechisch: Mädchen) wurde im Gegensatz zum Kouros immer
bekleidet als Gewandstatue dargestellt. Korenstatuen mit Spuren einstiger
Bemalung fand man in großer Anzahl als Weihgaben auf der Akropolis in Athen,
darüber hinaus begegnet man ihnen dort als Karyatiden der so genannten Korenhalle
am Erechtheion.
Auch die Reliefplastik erhielt
durch die Weiterentwicklung im Tempelbau wichtige Impulse und brachte später
neben Architekturplastik, wie Friesen oder Metopen, auch selbständige, von der
Architektur losgelöste Formen hervor, wie Grab- oder Votivstelen.
Beachtenswerte Beispiele für Architekturplastik der mittelarchaischen Periode
um 580 bis 535 v. Chr. sind die Friese des Apollon-Heiligtums in Delphi
(Archäologisches Museum, Delphi), die eine Schlacht des Trojanischen Krieges
darstellen. Auch das Ziergiebelfragment des alten Athenatempels auf der
Akropolis in Athen, das den Kampf zwischen Göttern und Titanen zeigt
(Akropolismuseum, Athen), ist charakteristisch für die archaische Zeit. Zu den
Zeugen der spätarchaischen Periode (um 535 bis 475 v. Chr.) zählen die
Skulpturen vom Giebel des Tempels der Aphaia von Ägina (Glyptothek, München).
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3.2 |
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Architektur |
Etwa ins 7. Jahrhundert
v. Chr. fallen die Anfänge einer monumentalen Tempelarchitektur in Stein.
Dafür benutzte man in den griechischen Kolonien in Italien und Sizilien meist
Kalkstein, auf den griechischen Inseln war Marmor der bevorzugte Baustoff. Auf
dem griechischen Festland und in Kleinasien wurde häufig ein Kern aus Kalkstein
mit einem Marmormantel umgeben. Der archaische Tempel war schmal und lang
gestreckt und meistens nach Osten orientiert. Im Inneren, der Cella, war
das Kultbild des Gottes aufgestellt. Da die kultischen Handlungen jedoch
außerhalb des Tempels im Freien stattfanden, wurde der Ausgestaltung des
Innenraumes zunächst kaum Bedeutung beigemessen. Neben dem Antentempel begannen
sich kompliziertere Bauformen herauszubilden, wie Doppelantentempel oder
Perípteros, ein Ringhallentempel mit geschlossenem Säulenkranz.
Ebenfalls in der archaischen
Zeit bildeten sich mit der dorischen und ionischen Ordnung zwei der drei
klassischen Säulenordnungen der griechischen Antike heraus: Während die dorische
Ordnung den Kontrast zwischen der Vertikalen und Horizontalen betont, indem
sie beispielsweise auf eine Säulenbasis verzichtet, versucht die ionische
Ordnung mit einer Säulenbasis und weicheren Formen dazwischen zu
vermitteln. Dies wurde z. B. dadurch erreicht, dass man dem Architrav
mittels treppenartiger Unterteilung durch Faszien seine optische Schwere nahm.
Dorische Tempel haben sich bis heute u. a. in Korinth (Apollontempel),
Syrakus, Paestum, Selinunt, Pompeji, Tarent oder Kerkira (heute Korfu)
erhalten. Besonders bemerkenswert ist der Poseidontempel in Paestum (450
v. Chr.).
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3.3 |
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Vasenmalerei |
Um 675 v. Chr. setzte
sich in Korinth, das ausgedehnte Handelsbeziehungen zu den griechischen
Kolonien in Italien und zum Orient unterhielt, der schwarzfigurige
Vasenstil durch, bei dem man die tongrundigen Gefäße mit schwarzen
Figurensilhouetten bemalte, deren Binnenzeichnungen erst nach dem Brand
eingeritzt wurden. Bevorzugte Motive waren Tiere oder Fabelwesen, die,
unterbrochen von Füllornamenten, in Schmuckbändern angeordnet waren.
Gegen Mitte des 6. Jahrhunderts
v. Chr. begann Athen die führende Rolle in der Vasenproduktion zu
übernehmen. Die große Beliebtheit attischer Vasen lässt sich durch Keramikfunde
auf den ägäischen Inseln, in Nordafrika, in Vorderasien, in Italien, auf
Sizilien, in Frankreich, Spanien und auf der Krim belegen. Beim so genannten rotfigurigen
attischen Vasenstil wurden die Gefäße unter Umkehrung der Farbwerte schwarz
gefirnisst, wobei Figuren und Ornamente ausgespart, also tongrundig blieben,
die Binnenzeichnung wurde mit einem Pinsel aufgetragen. Der bis dahin
vorherrschende Tierfriesstil wurde dabei zunehmend durch einen erzählenden Stil
abgelöst, der indirekt auch einen Eindruck von der zeitgleichen Großmalerei
vermittelt.
Seit dieser Zeit lassen sich
erstmals mit Hilfe von Inschriften die Künstler, die die Vasen gestalteten,
ermitteln. Ungefähr 30 Vasenmaler zeichneten Gefäße namentlich, etwa 100
lassen sich anhand ihres Stiles identifizieren. Den unbekannten Malern gab man
Hilfsnamen, entweder nach den heutigen Aufbewahrungsorten ihrer Arbeiten
(z. B. der Berlin-Maler), einem dominanten Bildmotiv (der Schwein-Maler)
oder dem Namen eines Töpfers, für den der betreffende Maler arbeitete (der Amasis-Maler).
Zu den Meisterstücken jener Zeit zählt die so genannte François-Vase,
die 560 v. Chr. von Ergotimos hergestellt und von Klitias bemalt wurde
(Museo Archeologico, Florenz), die Dionysosschale des Exekias
(Glyptothek, München) und Werke von zwei der bedeutendsten Maler des
schwarzfigurigen Stiles, Lydos und dem Amasis-Maler (u. a. Metropolitan
Museum of Art, New York).
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4 |
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DIE KLASSISCHE ZEIT (UM 475 BIS ETWA 330 V.
CHR.) |
Die Wende zur klassischen
Kunst stand unter den Nachwirkungen einschneidender historischer Ereignisse,
wie dem Ende der Tyrannenherrschaft in Athen und dem erfolgreichen Kampf der
Griechen gegen die Perser. In der Zeit des Perikles erreichte Athen seine
größte Machtentfaltung, die einherging mit einer einzigartigen kulturellen Hochblüte,
so dass die Kunst der klassischen Periode im Wesentlichen gleichzusetzen ist
mit der Entwicklung der attischen Kunst mit Zentrum in Athen.
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4.1 |
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Die Frühklassik |
Die frühklassische Periode, die
etwa in die Zeit zwischen 475 und 450 v. Chr. fällt, war gekennzeichnet
durch die Bemühungen des Athener Staates, die durch die Perserkriege
verursachten Verwüstungen zu beseitigen, um sein Wiedererstarken in
militärischer und wirtschaftlicher Hinsicht auch im kulturellen Bereich zu
demonstrieren.
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4.1.1 |
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Architektur |
In der frühklassischen Zeit
erreichte der dorische Baustil seine Hochblüte, indem er sich in Formen und
Proportionen zunehmend verfeinerte. Ein herausragendes Beispiel ist der
Zeustempel in Olympia aus der Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr., bei
dem ein strenges Proportionsschema in großartiger Weise verwirklicht wurde.
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4.1.2 |
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Plastik |
In der frühklassischen Phase wurde
der starre Formalismus der archaischen Periode durch komplexere Kompositionen
überwunden. Die Skulpturen haben das „archaische Lächeln” verloren und zeigen
jetzt eine große Ernsthaftigkeit. Sie sind großflächiger und ruhiger gearbeitet
und verzichten auf die zahlreichen Details, die für die archaische Periode
typisch waren. Sie sind weiterhin in Schrittstellung dargestellt, wobei jedoch
erstmals zwischen Stand- und Spielbein unterschieden wird (siehe Kontrapost).
Die Haare sind jetzt kurz, die Augenlider breiter. Wichtige Plastiken dieser Zeit,
die in der Kunstgeschichte als strenger Stil bezeichnet wird, sind die
Giebelstatuen des Zeustempels in Olympia (Archäologisches Museum, Olympia), der
Wagenlenker (Archäologisches Museum, Delphi), oder der Kritiosknabe,
der nach seinem Schöpfer, einem attischen Bildhauer, benannt wurde, und der Blonde
Kopf (beide Akropolismuseum, Athen).
Die Bildhauer jener Zeit
stellten ihr Modell im Augenblick vor oder nach einer bedeutenden Handlung dar,
im Zustand spannungsvoller Ruhe. Auf dem Ostgiebel des Zeustempels in Olympia
beispielsweise sind die Vorbereitungen für das Wagenrennen zwischen Oinomaos
und Pelops zu sehen, das von Zeus überwacht wird. Der Westgiebel dagegen ist
von der Dramatik der Kampfhandlung zwischen Lapithen und Kentauren beherrscht.
Die zwölf Metopen (Zwischenfelder zwischen den Triglyphen) dieses
Tempels zeigen die unter größter Anstrengung verrichteten zwölf Arbeiten des
Zeussohnes Herakles, der von der Göttin Athena unterstützt wird.
Viele Werke der Frühklassik
gingen bereits im Altertum verloren, manche sind jedoch als römische Kopien
erhalten, wie die Tyrannenmörder (Nationalmuseum, Neapel) von Kritios
und seinem Mitarbeiter Nesiotes sowie diverse Werke Polyklets, u. a. der
berühmte Dorýphoros (griechisch: Speerträger; Nationalmuseum, Neapel),
der Diadoúmenos, der sich die Siegerbinde um den Kopf legt
(Archäologisches Nationalmuseum, Athen), und die Amazone (Metropolitan
Museum of Art, New York).
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4.1.3 |
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Malerei |
Von den Anfängen der griechischen
Großmalerei aus frühklassischer Zeit gibt es nur ungenaue Vorstellungen, die
sich auf Quellenmaterial antiker Schriftsteller stützen. Dies gilt auch für die
Arbeiten Polygnots, des größten Malers seiner Zeit. Seine Wandbilder in der
Versammlungshalle von Delphi, die den Sieg über Troja und die Totenwelt
darstellten, wurden von Pausanias beschrieben. 1968 wurde in Paestum ein
griechisches Grab mit Freskenmalereien aus der Zeit um 470 v. Chr. (Museo
Archeologico, Paestum) gefunden, die einen Eindruck von den Fertigkeiten der
frühklassischen Wandmaler vermitteln. Die Gesichter der Figuren, die an einem
Bankett teilnehmen, sind im Profil dargestellt, und erstmals finden sich
Landschaftsdarstellungen.
In der Vasenmalerei, die
zunächst noch von der Umrisszeichnung lebt, setzten sich monumentalere
Kompositionen durch. Die Formen werden komplexer, und die Darstellungen
beginnen erstmals räumliche Tiefe anzunehmen. Herausragende Vertreter dieser
Phase sind der Pistoxenos-Maler, der Niobiden-Maler oder der Penthesileia-Maler.
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4.2 |
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Die Hochklassik |
Die Hochklassik, deren Beginn um
die Mitte des 5. Jahrhunderts v. Chr. anzusetzen ist, fällt in die
Regierungszeit des Perikles, der führende Künstler aus ganz Griechenland nach
Athen zog. In dieser Epoche erlebten Literatur und bildende Kunst eine nie da
gewesene und später nie wieder erreichte Blüte (siehe griechische
Literatur).
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4.2.1 |
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Architektur |
Die Baukunst der Hochklassik
war gekennzeichnet durch die Bemühung, gegensätzliche Elemente harmonisch zu
vereinigen, der Kanon der dorischen Ordnung wurde mit ionischen Elementen
durchsetzt.
In den westlichen Kolonien
wurde der riesige Apollontempel von Selinus (Selinunt) auf Sizilien nach
hundertjähriger Bauzeit fertig gestellt. In Athen und Attika ließ Perikles
zahlreiche Tempel wiederherstellen, die von den Persern niedergebrannt worden
waren. Die Aufsicht über die aufwendigen Bauprojekte auf der Akropolis übertrug
er dem Bildhauer Phidias. Unter dessen Leitung wurde dort u. a. der
Parthenon, der Tempel für die Stadtgöttin Athena, von den Architekten Iktinos
und Kallikrates errichtet. Er entstand an der Stelle des alten Athenatempels (Hekatompedon),
der um 570 v. Chr. gebaut, um 530 v. Chr. erweitert und 480
v. Chr. während der Perserkriege zerstört wurde. 447 v. Chr. begann
man mit der Errichtung des neuen Gebäudes aus Marmor von den Steinbrüchen am
Pentelikongebirge nordöstlich von Athen.
Das Bauwerk ist als dorischer
Ringhallentempel (Perípteros) konzipiert und von einer ungewöhnlich
großen Säulenhalle umgeben, die an der Vorder- und Rückseite von jeweils acht,
an den Längsseiten 17 Marmorsäulen von etwa zehn Meter Höhe getragen und
von einer marmornen Kassettendecke abgeschlossen wird. Das Innere des
Heiligtums, die Cella, war in zwei Bereiche gegliedert, die jeweils
durch eine Vorhalle zugänglich waren. Die Decke des größeren Raumes im Osten,
der die berühmte Goldelfenbeinstatue der Athena von der Hand des Phidias
enthielt, wurde an drei Seiten von einer zweistöckigen dorischen Säulenreihe
getragen, die des kleineren Raumes im Westen, in dem später der Bundesschatz
aufbewahrt wurde, von vier langen ionischen Säulen.
Die aufwendige Bauplastik des
Parthenon wurde wohl von Phidias entworfen, lag jedoch in der Ausführung
hauptsächlich in den Händen seiner Schüler. Von den insgesamt 92 Metopen
zeigten diejenigen auf der Ostseite Szenen der Gigantomachie (Kampf der
Giganten gegen die Götter des Olymp), an der Westseite die Amazonenschlacht, an
der Nordseite den Kampf um Troja und an der Südseite die Schlacht zwischen
Lapithen und Kentauren. Im östlichen Giebel war die Geburt der Athena
dargestellt, die von den olympischen Göttern umgeben ist, im Westgiebel ihr
siegreicher Kampf mit dem Meeresgott Poseidon um Attika. Ein Teil der
Skulpturen befindet sich heute unter der Bezeichnung Elgin Marbles im
Britischen Museum in London.
Eine weitere architektonische
Großleistung jener Zeit war die Errichtung der Propyläen (griechisch:
vor den Toren), des monumentalen Eingangs zur Akropolis, durch den Baumeister
Mnesikles. Um 437 v. Chr. begonnen, wurden sie, wahrscheinlich wegen des
Ausbruchs des Peloponnesischen Krieges 431 v. Chr., nie vollendet. Sie
bestanden aus fünf Toren, zwei sechssäuligen Hallen, die den beiden Seiten
vorgelagert waren, und seitlichen Flügelbauten.
Ein weiteres Werk im dorischen
Stil ist das Hephaisteion (früher Theseion genannt), westlich der
Agora in Athen gelegen, einer der am besten erhaltenen klassischen Tempel in
Griechenland. Im dorischen Stil gehalten ist auch der Tempel des Apollon
Epikourios (450 v. Chr.) in Bassai in Arkadien, der ebenfalls von
Iktinos errichtet wurde. Hier wurde nicht nur das Hauptgewicht vom Äußeren in
den Innenraum verlagert, sondern auch erstmals korinthische Kapitelle
verwendet.
Als letzter ionischer Tempelbau auf
der Akropolis entstand das Erechtheion gegenüber dem Parthenon, dessen komplexe
Bauform auf die Integration mehrerer älterer Kultmale zurückzuführen ist. Als
Gebälkträger der südlichen Vorhalle (so genannte Korenhalle) fungieren
anstelle von Säulen Karyatiden.
Der ebenfalls im ionischen
Stil erbaute Tempel der Athena Nike an der südwestlichen Ecke der
Akropolis blieb bis ins 17. Jahrhundert erhalten, wurde später von
türkischen Truppen abgerissen, die dort einen Artilleriestand errichteten, und
erst 1835 rekonstruiert.
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4.2.2 |
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Plastik |
Die bedeutendsten Bildhauer der
hochklassischen Periode waren Phidias und Polyklet, der im klassischen „Kanon” grundlegende
Erkenntnisse zur Proportionslehre niederlegte und den Kontrapost als
grundlegendes Gestaltungsprinzip der stehenden männlichen Freiplastik
einführte. Er schuf u. a. die riesigen Goldelfenbeinstatuen des Zeus in
Olympia und der Athena im Parthenontempel, von denen weder die Originale noch
maßstabsgerechte Kopien erhalten sind. Lediglich Darstellungen auf Münzen
vermitteln einen Eindruck vom Aussehen der Zeusstatue, während es sich bei der Statuette
von Varvakeion um eine stark verkleinerte Replik der Athena handeln könnte.
Der Kopf der Athena Lemnia (Museo Civico Archeologico, Bologna) ist eine
römische Kopie einer Skulptur des Phidias, die zusammen mit den Arbeiten seiner
Schüler Alkamenes und Agorakritos eine recht gute Vorstellung von dessen Werken
vermittelt.
Zeitgleich mit dem Parthenon
entstand die Geflügelte Nike des Paionios in Olympia und herausragende
Werke des Bildhauers Myron. Sein Diskóbolos (Diskuswerfer) sowie die
Gruppe Athena und Marsyas (siehe Marsyas), die früher auf der
Akropolis standen, sind ebenfalls nur als Kopien erhalten.
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4.2.3 |
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Malerei |
Die Figuren der Vasenmalerei
der hochklassischen Zeit zeigen Ansätze von Zentralperspektive, die sie leicht räumlich
erscheinen lässt. Sie vermitteln einen recht guten Eindruck von der
gleichzeitigen Großmalerei der Meister Apollodoros und Zeuxis, von der sich
keine Beispiele erhalten haben. So soll Zeuxis Weintrauben so naturnah gemalt
haben, dass Vögel versuchten, sie anzupicken.
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4.3 |
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Die Spätklassik |
Nach dem Verlust seiner
Vormachtstellung im Peloponnesischen Krieg (431-404 v. Chr.) büßte der
Stadtstaat Athen auch seine Vorreiterrolle im kulturellen Bereich ein. Die
Uneinigkeit der griechischen Städte untereinander führte zur Herausbildung
zahlreicher unabhängiger Macht- und Kulturzentren in Griechenland. In den
bildenden Künsten verlagerte sich das Interesse von repräsentativen
Großprojekten auf das Individuum, das auch bevorzugtes Thema der Philosophie
und Dichtkunst jener Zeit war (siehe griechische Literatur).
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4.3.1 |
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Architektur |
In der Tempelarchitektur dominierte
weiterhin der dorische Baustil, wobei häufig der Vorraum hinter der Tempelcella
weggelassen wurde. Ein Beispiel hierfür ist der Tempel des Asklepios in
Epidauros (um 380 v. Chr.). Die korinthische Säulenordnung, eine
schlankere Modifizierung der ionischen Ordnung mit Akanthusblättern an den
Kapitellen, die sich Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. entwickelte,
wurde in den Innenräumen der kreisförmigen Tholos (360 v. Chr.) in
Epidauros verwendet, die von Polyklet dem Jüngeren entworfen wurde. Daneben
eröffneten sich neue Bauaufgaben, wie Theatergebäude, die früher nur aus Holz
bestanden hatten und nun in Stein ausgeführt wurden, wie das Theater von
Epidauros (350 v. Chr.).
In Vorderasien kam es zu einer
Wiederbelebung des ionischen Stiles. Eines der herausragenden Gebäude war das
Mausoleum von Halikarnassos, das riesige Grabmal des Mausolos, König von Karien
(um 376 bis 353 v. Chr.), das zu den Sieben Weltwundern der Antike gezählt
wurde. Es stand auf einem Sockel, war von ionischen Säulen umgeben, wurde von
einer Pyramide oder Quadriga (vierspänniger Wagen) bekrönt und soll mit
Friesen des Skopas und anderer attischer Bildhauer geschmückt gewesen sein.
Teile des Gebäudes sind im Britischen Museum in London ausgestellt.
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4.3.2 |
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Plastik |
Die spätklassische Bildhauerei
wurde von Lysippos, Praxiteles und Skopas geprägt, die bahnbrechende Leistungen
auf diesem Gebiet erbrachten. Lysippos, ein Meister des Erzgusses, der in
Sikyon eine große Werkstatt leitete, schuf Bronzestatuen junger Athleten, wie
den verlorenen Apoxyomenos (griechisch: der Kratzer, um 330 Chr.,
Kopie in den Vatikanischen Museen, Rom). Er setzte neue Proportionen fest,
indem er die Körper schlanker und straffer, die Köpfe kleiner arbeitete. In
seiner Eigenschaft als Hofbildhauer Alexanders des Großen verschaffte er dem
Herrscherporträt Eingang in das allgemeine Repertoire der Bildhauerkunst.
Der wohl bedeutendste Bildhauer
seiner Zeit war Praxiteles, der Marmorstatuen in einem weichen, eleganten Stil
von eher verhaltenem Temperament schuf. Den Hermes mit dem Dionysosknaben
(um 330 bis 320 v. Chr., Archäologisches Museum, Olympia) hält man für
eines seiner Originalwerke. Seine Aphrodite von Knidos (um 350
v. Chr., als römische Kopie in den Vatikanischen Museen, Rom) ist der
erste weibliche Akt in der griechischen Großplastik.
Sein Zeitgenosse Skopas, der den
Bau des Athenatempels in Tegea leitete, verlieh seinen Skulpturen einen
pathetischeren Ausdruck. Als Kopie eines seiner Werke hat sich u. a. die
Marmorstatuette einer rasenden Mänade (Dresden) erhalten.
Aus Nekropolen in Tanagra
(Ostböotien) sind zahlreiche Terrakottastatuetten überkommen, die als
Grabbeigaben dienten und namengebend für eine ganze Gattung der Kleinplastik
wurden (Tanagra-Figurinen). Sie sind mit Temperafarben bemalt und zeigen
Darstellungen aus dem Alltagsleben.
Die attische Grabstele des 5. und
4. Jahrhunderts v. Chr. bestand aus einer rechteckigen Platte, die
bemalt oder mit Relieffiguren verziert, zuweilen auch mit einem Giebel bekrönt
oder mit Inschriften versehen war. In Ausdrucksstärke und Pathos erlebte sie in
dieser Zeit ihre höchste Blüte.
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4.3.3 |
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Malerei |
Beispiele der griechischen
Großmalerei des 4. Jahrhunderts v. Chr., auch ihrer bedeutendsten
Vertreter Apelles, Pamphilos und Pausanias, sind nicht überliefert. Ihr
Einfluss lässt sich jedoch an den illusionistischen Trompe-l’œil-Landschaften
und Architekturmotiven an den Wänden der römischen Häuser in Pompeji und
Herculaneum aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. ablesen.
Bereits Mitte des 5. Jahrhunderts
v. Chr. hatte sich die attische Vasenproduktion verstärkt nach
Unteritalien verlagert. Nach 320 v. Chr. wurden von Athen aus nur noch
bemalte Vasen exportiert, die als Preise an die Athleten der Panathenäen
verliehen wurden.
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5 |
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DIE HELLENISTISCHE ZEIT (UM 330 BIS 27 V.
CHR.) |
Nachdem Alexander der Große die
griechischen Stadtstaaten erobert hatte, verbreiteten seine Armeen die
griechische Kultur im gesamten Nahen Osten. Parallel dazu begannen in den
folgenden Jahrhunderten Einflüsse aus dem Osten in den griechischen Kulturraum
vorzudringen. Der Hellenismus, der im eigentlichen Sinne kaum innovativ wirkte,
war gekennzeichnet durch eine neuartige Mischung griechischer und
vorderasiatischer Stilformen mit einer Neigung zum Monumentalen und
Repräsentativen, die vor allem in den reichen Städten Vorderasiens und im
ägyptischen Alexandria zum Ausdruck kam.
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5.1 |
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Architektur |
Während die dorische Ordnung
weiterhin bei kleineren Tempelbauten dominierte, entstanden im kleinasiatischen
Raum monumentale Tempel mit ionischer Säulenordnung. Ein Beispiel hierfür ist
der Apollontempel in Didyma (um 300 v. Chr.), ein riesiger ionischer Dipteros
mit doppelter Ringhalle und offenem Innenhof anstelle der geschlossenen Cella.
Die korinthische Säulenordnung begann sich durchzusetzen, wie etwa am Tempel
des olympischen Zeus in Athen (begonnen 174 v. Chr.), der vom syrischen
König Antiochos IV. in Auftrag gegeben wurde. In Syrakus, Pergamon, Priene
und Magnesia wurden monumentale Altäre errichtet.
Neben den dorischen und
ionischen Sakralbauten stellten sich im Hellenismus neue Aufgaben im Bereich
des Profanbaus, der häufig Repräsentationszwecken diente und zur Errichtung
größerer Ensembles führte. Diese waren häufig nach den Grundsätzen von
Symmetrie und Axialität angelegt. Es entstanden u. a. Gymnasien
(Sporthallen), Bibliotheks-, Theater- und Versammlungsgebäude. Zur Steigerung
ihrer dekorativen Wirkung wurden die verschiedenen Bauordnungen miteinander
vermischt und auch am Außenbau verstärkt korinthische Säulen verwendet, wie
beim Lysikratesdenkmal in Athen (um 334 v. Chr.).
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5.2 |
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Plastik |
Der nach dem Zerfall von
Alexanders Großreich beginnende Aufstieg der hellenistischen Dynastien, wie der
Ptolemäer oder Seleukiden, führte zur Herausbildung verschiedener lokaler
Kunstzentren, in denen man sich an den Traditionen der klassischen Periode
orientierte, deren Stilelemente man in eklektizistischer Manier miteinander
vermischte. Im Sinn des wachsenden Repräsentationsbedürfnisses ist eine
verstärkte Auseinandersetzung der plastischen Figur mit anderen Figuren sowie
dem umgebenden architektonischen Raum festzustellen, während sie in der Klassik
noch ganz dem baulichen Kontext untergeordnet war oder in sich selbst geruht
hatte. Neben gesteigerter Pathetik ist eine Rückwendung zu Motiven aus der
Mythologie charakteristisch. Beispiel hierfür ist der den Zeusaltar von
Pergamon (heute als Pergamonaltar im Pergamonmuseum, Berlin) dominierende
120 Meter lange Fries, auf dem in heftiger Bewegtheit der Kampf zwischen
Giganten und Göttern des Olymp dargestellt ist.
In der Zeit des Hellenismus
entstanden Skulpturen und Skulpturengruppen mit offenen Formen, wie der Schlafende
Satyr oder Barberinische Faun (Glyptothek, München), die Nike von
Samothrake oder die Aphrodite von Melos, die auch unter der
Bezeichnung Venus von Milo bekannt ist (alle Louvre, Paris). Viele
dieser Bildwerke wurden von den Römern kopiert, wie die berühmte Laokoon-Gruppe
eines Künstlers von Rhodos aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.
(Vatikanische Museen, Rom), ein freiplastisches Ensemble, das den Todeskampf
des Laokoon und seiner beiden Söhne darstellt.
Zur Rezeption der griechischen
Kunst siehe Kunst und Architektur der Renaissance; Greek Revival;
Klassizismus
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