Hildebrandslied

Hildebrandslied, das einzige – allerdings nur fragmentarisch erhaltene – germanische Heldenlied des Althochdeutschen. Überliefert ist ein aus 68 Langzeilen in Stabreimform bestehender Corpus in einer althochdeutsch-altsächsischen Version. Thema des Hildebrandsliedes ist die Begegnung des Titelhelden Hildebrand, eines Gefolgsmannes Dietrichs von Bern, und seines Sohnes Hadubrand nach dreißigjähriger Trennung. Hildebrand erkennt den Sohn erst, als ihm dieser seinen Namen nennt. Hadubrand hingegen realisiert nicht, dass er seinem Vater gegenübersteht. Er fühlt sich im Gegenteil verhöhnt, da er fest vom Tod des Vaters überzeugt ist. Die Situation spitzt sich zu und gipfelt schließlich im Zweikampf. Auf dem Höhepunkt der Kampfschilderung bricht das Gedicht ab: Der Rest ist verloren.

Die sprachliche Uneinheitlichkeit des Hildebrandsliedes resultiert aus Dialektüberschichtungen und weist den Text als Lied aus, das zur Zeit der Völkerwanderung im langobardischen Kulturkreis entstanden ist. Verfasser, genaue Entstehungszeit und Herkunftsort des Urlieds jedoch sind unbekannt. Das erhaltene Exemplar in der Landesbibliothek Kassel stammt aus dem 9. Jahrhundert und wurde von zwei Mönchen in eine Sammelhandschrift kopiert.

Zu Beginn des 13. Jahrhunderts entstand eine Ballade, die, mit komischen Elementen durchsetzt, als Jüngeres Hildebrandslied bekannt ist.
Verfasst von:
Stephan Lücke

Dietrich von Bern

Dietrich von Bern (von althochdeutsch diot: Volk, und rich, rîchi, rihhi: Herrscher, mächtig), nordisch Thidrek, alte Form Theoderich, germanische Sagengestalt und u. a. im Nibelungenlied die Idealgestalt des christlich-ritterlichen Helden.

In der germanischen Dietrichdichtung steht Dietrich von Bern (Bern ist hierbei eine Abwandlung des Namens der italienischen Stadt Verona) für den Ostgotenkönig Theoderich den Großen. Zu dieser Heldendichtung zählen märchenhafte Erzählungen, in denen Dietrich u. a. siegreich gegen das Riesengeschlecht von Ecke und Fatold sowie den Zwergenkönig Laurin kämpft. Weitere germanische Heldensagen sowie die nordische Thidrekssaga beschreiben, wie Dietrich sein Reich zurück erobert. Bereits im fragmentarisch erhaltenen Hildebrandslied über Dietrichs Gefolgsmann Hildebrand ist eine dichterische Umänderung der historischen Fakten auszumachen. Der Sage zufolge lebte Dietrich nach seiner Flucht vor dem Skiren Odoaker 30 Jahre am Hof des Hunnenkönigs Attila; tatsächlich war es aber wohl sein Vater Thiudimer (Theodemer, Dietmar). Dietrich von Bern tritt auch als Anführer der Wilden Jagd auf.
Verfasst von:
Barbara Rusch

Alliteration

Alliteration (auch Stabreim), rhetorisches Mittel, bei dem der Anfangsbuchstabe (in der Regel ein Konsonant) bzw. der Anlaut in einer Folge von Wörtern wiederholt wird, um einen Klangeffekt zu erreichen. Die Alliteration ist die älteste Form der Versbindung in der germanischen und der angelsächsischen Dichtung, z. B. im Nibelungenlied oder im Beowulf. Sie wird, mit Modifikationen, noch heute in der Lyrik verwendet. In den Libretti Richard Wagners ist die Alliteration ein häufig gebrauchtes Stilmittel: „Weia! Waga! Woge, du Welle, walle zur Wiege!” (Rheingold, Erste Szene). Oder: „Weibes Wonne und Wert” (Rheingold, Zweite Szene).

Im Zeitungsjournalismus wird der Stabreim gerne in Überschriften verwendet: z. B. „Kicker, Knödel und Klischees” (Süddeutsche Zeitung 29./30. Juni 1996). Auch in Filmtiteln ist die rhetorische Figur der Alliteration anzutreffen: z. B. Eddie krault nur kesse Katzen (Frankreich, 1962).

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