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Kurzübersichten Sprache und Literatur

  • Lutherbibel (1522)

Luthers Sprachgenie(...) schuf eine Rhetorik des Herzens, einen deutschen "gemeinen Stil", der die erhabensten Glaubenswahrheiten in eine Sprache fasste, die dem "gemeinen Mann" unmittelbar zugänglich war und ihn ergriff. Denn für ihn ist das Evangelium eine "gute Botschaft / gute Mehre / gute Newezeitung / gut Geschrey / dauon man singet / saget vnd frölich ist". Luther und seine Mitarbeiter scheuten deshalb keine Mühe, um sich mit den Schätzen der Volkssprache vertraut zu machen. Der "Sendbrief vom Dolmetschen" (1530) berichtet, dass man manchmal wochenlang nach dem treffenden Wort gesucht habe.

  • William Shakespeare 1564-1616 (in Stratford-upon-Avon, nahe Bristol, England)

Der weltweite, anhaltende Erfolg Shakespeares als Bühnenautor beruht auf verschiedenen Eigenschaften:
- auf der thematischen Vielfalt und Aktualität seiner Stücke. Shakespeare vermochte den Stoffen unterschiedlichste Erfahrungen und Erlebnisse, Gefühle und Fantasien abzugewinnen
- der geschickten Dramaturgie, der subtilen Charakterzeichnung. und einen fast unbegrenzten Facettenreichtum von Personen und Haltungen
- auf seiner souveränen Handhabung der englischen Sprache, deren stilistische Möglichkeiten er wohl als erster so vielfältig nützt. Shakespeares Sprachmeisterschaft hat vor allem zwei Merkmale:
ein beeindruckend großer Wortschatz (der auf mindestens 20 000 Wörter geschätzt wird), und die vielen von ihm geprägten Wortneubildungen, (2000 oder gar 3000).

Tragödien:
In seinen Tragödien werden aus besonderen "Fällen" zeitlos gültige, uns alle bewegende Fragen entwickelt. Vor allem die verschiedenen Erscheinungsformen des Bösen werden in bedrückender Intensität vorgeführt.

Das Grundmuster der zehn Tragödien ist aus dem Mittelalter entlehnt: der Aufstieg und Fall der Mächtigen, bestimmt durch die Fortuna. "Romeo and Juliet" gestaltet das Motiv der reinen, der Fortuna unterworfenen Liebe. In den Römerdramen, z.B. "Julius Caesar", nutzt Shakespeare antike Stoffe, um sonst nicht erlaubte Themen und Figuren zu dramatisieren: das Scheitern des Revolutionärs (Brutus), oder Landesverrat.
Die "großen Tragödien" (Hamlet, Othello, King Lear, Richard III, Macbeth) bringen überzeitliche Gestalten und Geschehen auf die Bühne und gehören zu den unbestrittenen Meisterwerken Shakespeares. Sie dramatisieren das Wirken des Bösen in der Welt und siedeln den Konflikt im einzelnen Menschen selbst an, anhand von Themen wie dem des politischen Verbrechens aus Ehrgeiz und Verblendung, der unüberlegten Machtabgabe und des Generationenkonflikts, der privaten Rache, des Intrigenspiels und der Täuschung der Liebenden.
Hervorstechende stilistische Merkmale der großen Tragödien sind: unterschiedlichste sprachliche Mittel der Dialogführung, vielfältig eingesetzte Monologe, eine Bildlichkeit, durch welche Szenen und Akte strukturiert werden, und schließlich die bis in seelische Tiefendimensionen reichende Zeichnung der Hauptfiguren. Diese werden häufig an den Rand des Wahnsinns getrieben, berühren den Zuschauer aber auch dann noch zutiefst menschlich, wenn sie zum böse und verwerflich handeln.

Komödien:
Mit seinen Komödien knüpft Shakespeare an mittelalterliche Traditionen des Volksschauspiels, an antike Muster der Situationskomik (Plautus) sowie an die erfolgreichen höfischen Komödien an.
Zu den Komödien der mittleren Schaffenszeit gehören "A midsommer night's dreame" (deutsch "Ein Sommernachtstraum"), "Much ado about nothing" (deutsch "Viel Lärm um nichts"), "As you like it" (deutsch "Wie es euch gefällt") und "Twelfth night" (deutsch "Was ihr wollt"). Sie beschäftigen sich mit den ernsten und heiteren Seiten der Liebe (in den Nebenhandlungen vielfach bis ins Derbe oder Verstiegene), die mit ernsten Themen verknüpft und zur Darstellung menschlicher Vervollkommnung durch Selbsterkenntnis und Herzensbildung geführt werden. Zu den so genannten Problemkomödien gehören "The merchant of Venice" (deutsch "Der Kaufmann von Venedig"), "All's well that ends well" (deutsch "Ende gut, alles gut") und "Measure for measure" (deutsch "Maß für Maß"), in denen Aspekte wie Gnade und Gerechtigkeit dazu kommen.

 
erneuert: 08.01.2005 12:44 Sprache - Gesellschaft - KWK - Informatik - SVA - Home - © Studio BR - mailto BR