Renaissancekunst
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EINLEITUNG |
Renaissancekunst, Malerei, Bildhauerei,
Architektur und Kunsthandwerk, die in der Zeit der Renaissance (französisch:
Wiedergeburt, als Übersetzung des italienischen rinascità) in Italien
und anderen europäischen Ländern entstanden. Giorgio Vasari sprach in seinen Lebensbeschreibungen
(1550) von einer „Wiedergeburt der Künste”, die die gotische Kunst des
Mittelalters überwunden und mit Giotto ihren Anfang genommen habe. Im
19. Jahrhundert bezeichnete der Kunsthistoriker Jacob Burckhardt in seinem
Werk Die Kunst der Renaissance in Italien (1860) die Zeit zwischen 1350
und 1600 als die Epoche der Renaissance. Diese Epochengrenzen sind jedoch
umstritten. Renaissance wird seitdem allgemein verstanden als das neue
Zeitalter, das unter der geistigen Führung Italiens auf dem Gebiet der Kunst
und Wissenschaften die Befreiung des menschlichen Individuums von
mittelalterlicher Gebundenheit an Religion und Kirche brachte.
Der Stil der Renaissance
zeichnet sich aus durch eine Wiederbelebung der Formensprache der Kunst der
griechischen und römischen Antike, die beschrieben, gesammelt und kritisch
betrachtet wurde, und gleichzeitig durch ein intensives Naturstudium. Damit
einher ging die Säkularisierung der Kunst, die jedoch keineswegs das Ende der
sakralen Kunst bedeutete: Die Kirche blieb noch vor den Fürstenhöfen und
reichen Händlerfamilien aus Florenz, Mailand, Venedig und Rom die bedeutendste
Auftraggeberin der Renaissancekünstler.
Die Kunst der Renaissance war
von der Suche nach Neuerungen geprägt, die u. a. in den wissenschaftlichen
Experimenten und Forschungen ihren Ausdruck fand, wie sie viele ihrer Künstler
unternahmen. Die dabei entdeckten Gesetzmäßigkeiten wurden in zahlreichen
theoretischen Werken niedergelegt. Eine der bedeutendsten Entdeckungen war die
der Zentralperspektive, mit deren Hilfe ein illusionistischer dreidimensionaler
Bildraum geschaffen wird, indem man das Bild erstmals als Fenster zur sich
vergrößernden natürlichen Welt verstand.
Die Malerei beschäftigte sich mit
Ansichten von Städten (Ansicht einer Idealstadt, unbekannter Meister
16. Jahrhundert, Galleria Nazionale, Urbino), großen architektonischen
Räumen (Die Schule von Athen von Raffael, Fresko, 1508, Stanza della
Segnatura, Vatikan) und Darstellungen von Landschaften innerhalb traditioneller
Sujets (Kreuzabnahme von Fra Angelico, um 1440, San Marco, Florenz). Die
Porträtmalerei (Battista Sforza von Piero della Francesca, 1461-1466,
Uffizien, Florenz) etablierte sich um die Mitte des 15. Jahrhunderts als
eigenständiges Genre innerhalb der Malerei. Bedeutung erlangte auch die
Historienmalerei, die gleichberechtigt neben mythologische und biblische Themen
trat.
Da die Renaissance eine Zeit
intensiver Entdeckungen auf geographischem, technischem und
naturwissenschaftlichem Gebiet war, widmeten sich zahlreiche Künstler auch
diesen Bereichen. Ohne Beispiel sind etwa die Arbeiten Leonardo da Vincis auf
den Gebieten der Architektur, der Naturwissenschaften und der Wehrtechnik. Die
Ölmalerei konnte, aus den Niederlanden kommend, bis ins 16. Jahrhundert
die Temperamalerei völlig verdrängen.
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ITALIENISCHE RENAISSANCE |
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2.1 |
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Plastik der Frührenaissance |
Die Entwicklung der italienischen
Renaissancekunst im frühen 15. Jahrhundert vollzog sich zunächst auf dem
Gebiet der Plastik. Filippo Brunelleschi, der als Goldschmied begann,
beteiligte sich 1402 am Wettbewerb um die zweite Bronzetür des Baptisteriums in
Florenz. Er entdeckte die Zentralperspektive und war der erste bedeutende
Baumeister der Renaissance, der den Bau der Kuppel des Florentiner Domes
leitete (1436 abgeschlossen).
Lorenzo Ghiberti wurde durch seine Reliefdarstellungen
auf den Bronzetüren des Florentiner Baptisteriums bekannt. Michelangelo prägte
für das zweite Türenpaar mit Szenen aus dem Alten Testament die noch heute
gebräuchliche Bezeichnung Paradiestüren.
Donato di Niccolò di Betto
Bardi, genannt Donatello, gehörte nicht nur wegen seiner realistischen
Bronzefiguren zu den einflussreichsten Künstlern der Renaissance. Mit seinem
plastischen Stil, der schulbildend wirkte, beeinflusste er besonders die
Malerei. Zu seinen wichtigsten Werken zählt die Bronzestatue des David
(um 1430 bis 1435, Bargello, Florenz), ein Bildnis des biblischen Helden, zu
dessen Füßen der Kopf des besiegten Goliath liegt. Die beinahe lebensgroße
Skulptur war die erste Akt- und Freiplastik seit der Antike. Weitere bedeutende
Werke von Donatello sind sein nach antikem Vorbild gestaltetes Reiterdenkmal
des Gattamelata in Padua (1447-1453) und die Sängertribüne aus Marmor (Cantoria,
um 1443-1448, Museo dell’Opera del Duomo, Florenz) für den Dom, die mit Putten
geschmückt ist, einem in der Kunst der Frührenaissance häufig wiederkehrenden
Dekorationsmotiv.
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2.2 |
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Malerei der Frührenaissance |
Masaccio gilt mit seinem
naturalistischen Malstil und der Anwendung der Perspektive als Begründer der
Malerei der Frührenaissance. Sein Freskenzyklus (um 1427) in der
Brancacci-Kapelle von Santa Maria del Carmine in Florenz, auf dem Szenen aus
dem Leben des heiligen Petrus zu sehen sind, belegt besonders eindrucksvoll
seinen neuartigen Darstellungsstil. In der berühmtesten Szene, Der Zinsgroschen,
verlieh Masaccio den Darstellungen Jesu Christi und der Apostel eine zuvor
nicht gekannte Plastizität und Individualität. An diesen Fresken orientierten
sich spätere Künstler wie Michelangelo, der Masaccios Figuren kopierte. Mit
seinem Dreifaltigkeitsfresko (um 1425, Santa Maria Novella, Florenz)
erzeugte Masaccio durch die Anwendung der Zentralperspektive erstmals den
räumlichen Eindruck einer Kapelle auf einer Wandfläche.
Auch Paolo Uccello, ein
Meister der plastischen Malerei, war fasziniert vom gestalterischen Potential
der Perspektive. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die drei Tafelgemälde Schlacht
von San Romano (Uffizien, Florenz; National Gallery, London; Louvre,
Paris), die er um 1456 für den Palast der Medici in Florenz anfertigte und auf
denen die Figuren perspektivisch verkürzt erscheinen. Sein Grabgemälde des
Condottiere Giovanni Acuto (Sir John Hawkwood, 1436, Dom,
Florenz) erweckt den Eindruck eines dreidimensionalen bronzenen
Reiterstandbildes.
Ein weiterer Meister dieser
Zeit war der Dominikanermönch Fra Angelico, der anmutige Personendarstellung
mit transparenten Farben verband. Er schuf nur religiöse Werke und führte
zwischen 1436 und 1445 zahlreiche Fresken im Kloster San Marco von Florenz aus.
Pisanello, der für kleinere Fürstenhöfe wie den der Gonzaga in Mantua und der
Este in Ferrara arbeitete, stammte aus Verona. Einen Namen machte er sich neben
seinen die Wirklichkeit scharf erfassenden Zeichnungen mit seinen zahlreichen
Bildnismedaillen aus Bronze, die bei seinen adeligen Auftraggebern sehr begehrt
waren.
Als Begründer der Renaissancemalerei
in Venedig, das in Konkurrenz zu Florenz stand, gilt Jacopo Bellini. Von seinen
Werken, von denen sich teilweise Zeichnungen erhalten haben, sind die meisten
zerstört. Auch seine beiden Söhne Gentile und Giovanni Bellini waren bedeutende
Maler.
Der Maler Piero della
Francesca, der theoretische Werke über Perspektive und Mathematik verfasste,
stellte die Verbindung zwischen Wissenschaft und Kunst her. Sein monumentalstes
Werk ist der Freskenzyklus Legende des heiligen Kreuzes (um 1453 bis
1454) im Chor von San Francesco in Arezzo. Er entdeckte den Luftton in der
Malerei und schuf dadurch eine neue Einheit des Bildraumes. Im Alter gab er die
Malerei auf und widmete sich nur noch seiner theoretischen Arbeit.
Die Kunst des Humanisten,
Gelehrten und Universalkünstlers Leon Battista Albertis bildet in vielfacher
Hinsicht eine Art Summe der künstlerischen Bestrebungen der Frührenaissance.
Nachdem seine Familie aus Florenz verbannt worden war, erhielt er seine
Ausbildung in Norditalien. Zu seinen herausragenden architektonischen Werken
gehören die Fassade von Santa Maria Novella in Florenz (fertig gestellt 1470)
und zwei Kirchen in Mantua, darunter Sant’Andrea (fertig gestellt 1494) mit
seiner bis in den Barock wirkenden Längsausrichtung. Bedeutender als seine
meisterhaften baulichen Entwürfe, von denen nur wenige zur Ausführung
gelangten, waren jedoch seine theoretischen Schriften über Malerei, Bildhauerei
und Baukunst der Antike und Renaissance, durch die die neuen Ideen über Italien
hinaus Verbreitung fanden. Sein dreibändiges Werk Della Pittura (1436)
über die Malerei widmete er Brunelleschi, Ghiberti, Donatello, Lucca della
Robbia und Masaccio.
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2.3 |
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Die zweite Künstlergeneration |
In den folgenden Jahrzehnten
wurden die für die Renaissancekunst typischen Neuerungen wie perspektivische
und Landschaftsdarstellung, neue Figurenauffassung und minuziös geplante Bildkompositionen
weiterentwickelt und verfeinert. In Florenz beschäftigten sich Künstler wie
Antonio Pollaiuolo und Andrea del Verrocchio anhand von Studien am lebenden
Modell mit der komplizierten Anatomie des Menschen. Sie fanden ihren
Niederschlag in Bildern wie Pollaiuolos Martyrium des heiligen Sebastian
(1475, National Gallery, London). Darüber hinaus schuf dieser die
Bronzegrabmäler für Papst Sixtus IV. (1484-1493) und Innozenz VIII.
(1493-1497) in der Gruft der Peterskirche in Rom. Die Studien Pollaiuolos und
Verrocchios wurden später von Leonardo da Vinci aufgegriffen, dem berühmtesten
Schüler Verrocchios, dessen wissenschaftliche Forschungen neben seinen
künstlerischen Werken zu den bedeutendsten Errungenschaften der Renaissance
gehören.
Die führenden Maler der
zweiten Generation in Norditalien waren Andrea Mantegna aus Padua und Giovanni
Bellini aus Venedig. Mantegna, der vorübergehend in Verona und Rom arbeitete,
verbrachte die meiste Zeit seiner Laufbahn im Dienst der in Mantua herrschenden
Familie Gonzaga. Zu seinen Meisterleistungen gehören die Fresken der Camera
degli Sposi (1465-1474) im Palazzo Ducale, bei denen er durch Anwendung der
Trompe-l’œil-Technik die Illusion eines weiten Raumes erweckte.
Mantegnas strenger Stil
beeinflusste durch seine kraftvollen Entwürfe, reiche Formgebung und kühne
Perspektive besonders die Kunst seines Schwagers Giovanni Bellini, der fast
ausschließlich in Venedig tätig war und seinerseits auf eine Reihe bedeutender
Schüler einwirkte, darunter Sebastiano del Piombo, Giorgione und Tizian. Das
leuchtende Kolorit wurde zu einem der charakteristischen Merkmale der
venezianischen Malerei, im Gegensatz zum Prinzip der Zeichnung (disegno),
das in der florentinischen Malerei dominierte. Zu den herausragenden Werken
Bellinis gehört das Altarbild von San Giobbe (1488, Accademia, Venedig).
Typisch für seinen späten Stil sind leuchtende Farben, weiche Konturen und
Figuren, die wie stumme Schauspieler wirken, umgeben von einem atmosphärischen
Raum.
Ein weiterer führender Vertreter
der zweiten Generation der italienischen Frührenaissance war Sandro Botticelli,
der für die Fürstenfamilie der Medici in Florenz und den Vatikan in Rom
arbeitete. Zu den bekanntesten seiner dekorativ-lyrischen Werke zählen Die
Geburt der Venus (1482) und Primavera (Der Frühling, um
1478), beide in den Florentiner Uffizien.
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2.4 |
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Künstler der Hochrenaissance |
Den Beginn der italienischen
Hochrenaissance markierte die Rückkehr Leonardo da Vincis aus Mailand nach
Florenz im Jahr 1500. Dort traf er mit dem jungen Michelangelo zusammen, der
gerade an seiner Statue des David arbeitete (1501-1504, Accademia,
Florenz). Diese Skulptur setzte bildnerische Maßstäbe und wurde bald zum
Wahrzeichen der Stadt Florenz. Michelangelo stellte David darin kurz vor seinem
Zusammentreffen mit Goliath dar, wie er in Gelassenheit vor dem Betrachter
steht. Dieser Ausdruck erinnert an die Apostel Leonardo da Vincis in seinem Abendmahl
(1495-1497, Santa Maria delle Grazie, Mailand), auf dem der Künstler den Augenblick
der Ankündigung des Verrats darstellte. In der Hochrenaissance beschränkten
sich die Künstler auf das Wesentliche, nebensächliche Details fielen weg, damit
die Aufmerksamkeit des Betrachters auf das Hauptmotiv gelenkt wurde. Der
künstlerische Aspekt trat damit gleichberechtigt neben den Inhalt.
Später begann sich das Zentrum
der Kunst nach Rom an den Hof von Papst Julius II. zu verlagern, wo die
führenden Künstler der Hochrenaissance die ehrgeizigen Projekte des Papstes
realisierten. Der herausragende Architekt dieser Zeit war Donato Bramante, der
aus Umbrien stammte und seine Laufbahn als Maler im Stil Piero della Francescas
begann. In Rom schuf er Bauwerke wie den Tempietto (1502), einen
klassischen Rundtempel in Miniaturform im Hof von San Pietro in Montorio, und
eine Reihe von Privatpalästen. Als Krönung seines Werkes gilt der Entwurf eines
Zentralbaus (um 1506) für die geplante Neuerrichtung des Petersdomes. Er
beeinflusste Baumeister wie Baldassarre Peruzzi aus Siena, der für die Familie
Chigi die Villa Farnesina (1509-1511) in Rom errichtete, die schönste Villa des
frühen 16. Jahrhunderts.
Auch den ebenfalls aus Umbrien
stammenden Raffael zog es 1508 nach Rom, wo er bis zu seinem Tod 1520
arbeitete. Der Schüler von Perugino studierte in Florenz, als auch Michelangelo
und Leonardo dort tätig waren, und war maßgeblich an der Formulierung der
künstlerischen Sprache der Hochrenaissance beteiligt. Raffael avancierte zum
führenden Maler der Stadt und unterhielt eine große Werkstatt mit zahlreichen
Gehilfen. Er schuf u. a. die Fresken in den Stanzen (1508-1517) des
Vatikan. Die beiden herausragenden Szenen, die inhaltlich aufeinander Bezug
nehmen, finden sich in der Stanza della Segnatura: Die Disputà, eine
umfassende Darstellung des Sakraments der Eucharistie, steht stellvertretend
für die christliche Theologie. Die andere Seite des Raumes zeigt die Schule
von Athen, die die klassische Philosophie thematisiert. Sie verrät eine
meisterhafte Beherrschung der Zentralperspektive, wobei der Fluchtpunkt hinter
Platon und Aristoteles in der Mitte des Bildes liegt. Viele Figuren sind
Darstellungen zeitgenössischer Künstler. Als Anregung könnten die Fresken der
Sixtinischen Kapelle gewirkt haben, an denen Michelangelo etwa zur gleichen
Zeit arbeitete.
Hauptmerkmale des poetischen
Malstils von Giorgione, der trotz seines kurzen Lebens von fundamentalem
Einfluss auf die venezianische Malerei war, sind weiche Konturen, kräftige
Farben und häufig rätselhafte Themen. Sein bekanntestes Bild, Das Gewitter
(um 1505, Accademia, Venedig), mischt profane mit religiösen Themen und hatte
die Funktion eines privaten Andachtsbildes für gebildete Kreise.
Tizian, ein Schüler Bellinis
und früher Anhänger Giorgiones, war der bedeutendste Vertreter der
venezianischen Hochrenaissance. Zu seinen bedeutendsten Frühwerken zählen Himmlische
und irdische Liebe (um 1515, Galleria Borghese, Rom), eine allegorische
Szene, in der die (bekleidet dargestellte) himmlische und die (nackte) irdische
Liebe einander gegenübersitzen, sowie das Altarbild Himmelfahrt Mariä
(1516-1518, Santa Maria dei Frari, Venedig), in dem warme Farbtöne wie Rot und
Goldgelb vorherrschen. Darin schwebt Maria über den Aposteln und bewegt sich
auf Gottvater zu, der am oberen Bildrand erscheint. Seine meisterhafte
Behandlung klassischer mythologischer Themen demonstrieren Bilder wie Bacchus
und Ariadne (1520-1523, National Gallery, London) oder Venusfest
(1518-1519, Prado, Madrid), die beide als Auftragsarbeiten für den Herzog von
Ferrara entstanden.
Darüber hinaus schuf Tizian
zahlreiche Auftragswerke für Kaiser Karl V., der ihn zum spanischen
Hofmaler ernannte, darunter mehrere Bildnisse, wie das Reiterporträt Karl V.
zu Pferd in der Schlacht bei Mühlberg (1548, Prado, Madrid), das für etwa
zwei Jahrhunderte im Bereich der staatlich-repräsentativen Porträtmalerei neue
Maßstäbe setzte. Noch im hohen Alter malte Tizian in einem Stil, der durch
Farbreichtum, monumentale Figuren und idealisierte Landschaften gekennzeichnet
ist. Ein repräsentatives Beispiel für diesen Spätstil ist das Bild Dornenkrönung
Christi (um 1570, Alte Pinakothek, München), in dem sich die Formen in ein
Gewirr aus reinem Licht, Farbe und Pigmenten aufzulösen scheinen.
Correggio war ein weiterer
einflussreicher Maler der Hoch- bzw. Spätrenaissance. Er verbrachte den größten
Teil seines Lebens in Parma, wo er sich 1518 niederließ. Dort schuf er
u. a. Freskenzyklen für den Dom und die Kirche San Giovanni Evangelista
(zerstört). Seine Bilder, die Stileinflüsse Michelangelos, Raffaels, Tizians
und Leonardos spiegeln, zeichnen sich durch großes Geschick in der
perspektivischen Verkürzung und manieristische Zurückweisung der klassischen
Ausgewogenheit aus.
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2.5 |
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Manierismus |
Um 1520 begann sich in
der italienischen Malerei mit dem Manierismus ein Stil durchzusetzen, der durch
überlange, gedrehte Figuren mit stilisierten Bewegungen und unklare räumliche
Beziehung zum Hintergrund gekennzeichnet war. Einer der frühen Vertreter des
Florentiner Manierismus war Pontormo, dessen Malerei auf sorgfältiger Zeichnung
beruhte und blasse, unwirkliche Farben und in die Länge gezogene Formen
aufwies. Eines der bedeutendsten Werke Pontormos ist die Kreuzabnahme
Christi (1526) in der Kirche Santa Felicità in Florenz.
Ein weiterer Florentiner Künstler
war Rosso Fiorentino, der sich stilistisch mit Pontormo vergleichen lässt. Im
Gegensatz zu diesem unternahm er jedoch ausgedehnte Reisen, bevor er seine
Laufbahn als Hofmaler Franz I. in Frankreich beschloss, und trug so
maßgeblich zur Verbreitung des italienischen Manierismus im Ausland bei. Die
Figuren in seiner Kreuzabnahme Christi (1521, Pinacoteca
Comunale, Volterra) sind weniger gedrängt als bei Pontormo, wirken jedoch
komplexer.
Ab etwa 1520 setzte als
Reaktion auf den monumentalen Klassizismus der Hochrenaissance eine
Gegenbewegung ein, die sich an nordeuropäischer Kunst, insbesondere an der
hochgeschätzten deutschen Druckgraphik, orientierte. Der individualistische
Stil Rossos und Pontormos begann sich zunehmend durchzusetzen. In der Zeit ab
etwa 1530, also im Zug der Nachwirkungen der Plünderung Roms 1527, bis zum Ende
des 16. Jahrhunderts verlief die Entwicklung der italienischen Kunst
weniger einheitlich. Diese als Manierismus oder Spätrenaissance bezeichnete
Phase brachte in allen Bereichen der Kunst herausragende Persönlichkeiten
hervor.
Andrea Palladio aus Vicenza,
der auch in Venedig und Umgebung tätig war, war einer der bedeutendsten
Architekten der Zeit, der jedoch weit über diese hinaus seinen Einfluss
entfaltete. Zu seinen wichtigsten Bauten gehören die Villen, die er in Venetien
errichtete. Von besonderem Reiz ist seine Villa Rotonda (1567-1551), bei
Vicenza ein auf einer Anhöhe errichtetes Gebäude mit Kuppel, dem an allen vier
Seiten ein sechssäuliger Portikus vorgelagert ist. Der Bau war maßgeblich für
die Herausbildung des Palladianismus, der u. a. die Baukunst des
18. Jahrhunderts in England und seinen Kolonien in Nordamerika prägte.
Der Architekt Jacopo Sansovino
war bereits einige Jahrzehnte vor Palladio in Venedig tätig. Er erhielt eine
Ausbildung als Bildhauer in Florenz und machte sich mit der Marmorstatue des Bacchus
(um 1514, Bargello) einen Namen. Sansovinos Libreria Vecchia (Alte
Bibliothek, 1536-1588) an der Piazzetta San Marco in Venedig gehört zu den
bedeutendsten Renaissancegebäuden ihrer Art. Das Pendant dazu bilden die
Uffizien in Florenz (1560-1580), die der Architekt Giorgio Vasari als
Verwaltungsgebäude für die Familie Medici entwarf. Mit seiner Schrift Lebensbeschreibungen
der berühmtesten italienischen Architekten, Maler und Bildhauer (1550,
erweitert 1568, deutsch 1904-1916) verfasste er eines der wichtigsten
Quellenwerke zur italienischen Renaissance.
Benvenuto Cellini, einer der
führenden Bildhauer und Goldschmiede der Spätrenaissance, beschrieb sein abenteuerliches
Leben in seiner zwischen 1538 und 1562 entstandenen Autobiographie, die 1803 in
der Übersetzung Goethes auf Deutsch erschien. Sein berühmtestes Werk ist das
Bronzestandbild Perseus mit dem Haupt der Medusa (1545-1554, Loggia dei
Lanzi, Florenz), dessen nackter, im Kontrapost dargestellter Held das blutige
Haupt der ihm zu Füßen liegenden Medusa in die Höhe hält.
Das Werk Giambolognas, eines
flämischen Bildhauers und Architekten, der sich später in Italien niederließ,
weist ebenfalls typische Merkmale des Manierismus auf. Seine Skulpturengruppe Raub
der Sabinerinnen (1583), die in der Nähe von Cellinis Perseus in der
Loggia dei Lanzi aufgestellt ist, besteht aus drei nackten, ineinander
verschlungenen Figuren, die sich spiralförmig nach oben winden.
Bronzino, ein Schüler Pontormos,
der große Wertschätzung bei den Medici genoss, war der herausragende Porträtist
des Manierismus. In seinem Werk tritt das Naturstudium zugunsten höchster
Künstlichkeit zurück. So drängt in seinem Bild Eleonora von Toledo und ihr
Sohn Giovanni (um 1545, Uffizien, Florenz) die Überfülle des Kostüms der
darauf dargestellten Gattin Cosimos de Medici die anderen Figuren buchstäblich
in den Hintergrund.
Der bedeutendste Vertreter des
venezianischen Manierismus war Tintoretto, der Tizians reiche Farbpalette mit
der kraftvollen Linienführung Michelangelos kombinierte. Seine Faszination von
optischen Effekten, dramatischen Verkürzungen und ungewöhnlichen Kompositionen
sowie sein virtuoser Umgang mit Lichteffekten treten besonders in den
56 großen Gemälden (1564-1587) zutage, die er für die Scuola di San Rocco
in Venedig ausführte.
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3 |
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DIE RENAISSANCE IN MITTELEUROPA |
Zu Beginn der italienischen
Frührenaissance standen die nördlichen Länder Europas noch unter dem Einfluss
der Spätgotik. Die dort im frühen 15. Jahrhundert entstandenen Werke
erreichten nicht das Format der italienischen Renaissancemalerei. Gleichzeitig
beweist die Miniaturmalerei mit dem Stundenbuch des Herzogs von Berry (Très
Riches Heures, um 1416, Musée Condé, Chantilly) der Brüder Limburg eine
naturalistische Detailfreudigkeit, wie sie damals wiederum in Italien unbekannt
war.
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3.1 |
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Niederländische Renaissance |
Der flämische Maler Jan van
Eyck gilt als Begründer der Renaissancemalerei in Flandern und den
Niederlanden. Sein Stil orientierte sich am Realismus der Brüder Limburg und an
Neuerungen hinsichtlich der Lichtführung, wie sie der Maler Robert Campin
entwickelt hatte. Eines der bedeutendsten Werke der Renaissance ist van Eycks Genter
Altar (vollendet 1432, Saint-Bavon, Gent), ein zweiflügeliger Klappaltar,
bei dem er durch genaue Naturbeobachtung nahezu intuitiv zur Anwendung der
Zentral- und Luftperspektive gelangte.
Bereits um die Mitte des
15. Jahrhunderts galt van Eyck auch in Italien als herausragender Maler
seiner Zeit. Sein Doppelporträt Giovanni Arnolfini mit seiner Frau
(1434, National Gallery, London) ist ein Hochzeitsbild, das als Auftragsarbeit
für einen italienischen Bankier geschaffen wurde. An der Wand hinter dem Paar
hängt ein Spiegel, der beide in Rückenansicht zeigt und den Maler selbst mit
einschließt.
Rogier van der Weyden, der aus
dem flämischen Tournai stammte, bereiste 1450 Italien. Sein Werk, das dort
großes Ansehen genoss, beeinflusste besonders die Malerschule von Ferrara. Sein
bedeutendstes Bild ist die Kreuzabnahme Christi (1439-1443, Prado,
Madrid), das er für eine flämische Gilde in Louvain malte. In der Darstellung
des überwältigenden Leides, wie es in den Gesichtern und den im Schmerz
verzerrten Körper der Figuren zum Ausdruck kommt, erreichte er eine Intensität
des Gefühls, wie sie in Italien bis dahin kaum bekannt war.
Dirk Bouts war einer der
ersten Maler nördlich der Alpen, der die Zentralperspektive konsequent
anwendete. In den Bildern Hugo van der Goes’ spiegeln sich Einflüsse Jan van
Eycks und Rogier van der Weydens. Sein berühmtestes Werk ist der Portinari-Altar
(um 1476, Uffizien, Florenz), der für einen Florentiner Auftraggeber entstand
und erst um 1480 nach Italien gelangte. Der deutsche Maler Hans Memling, der in
den Niederlanden und in Flandern ausgebildet wurde, wo er auch den Großteil
seines Lebens verbrachte, orientierte sich weitgehend an der Malerei seiner
Vorgänger.
Hieronymus Boschs Garten der
Lüste (1510 bis 1515, Prado, Madrid), eine phantastische Darstellung von
irdischen Sünden und himmlischer Erlösung, das eine imaginäre, surreale Welt
zeigt, in der sich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in alptraumartigen
Bildern entfalten, beeinflusste besonders das Werk des Flamen Pieter Bruegels
d. Ä.
Die niederländischen und flämischen
Manieristen wie Bernard van Orley, Lucas van Leyden und Jan van Scorel kannten
die Werke Michelangelos und Raffaels durch Kupferstiche. Darüber hinaus wirkte
das Werk Albrecht Dürers als starkes Bindeglied zwischen der italienischen
Renaissance und den niederländischen Stilrichtungen.
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3.2 |
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Französische Renaissance |
In Frankreich setzten sich die von
Italien ausgehenden Neuerungen in der Kunst erst allmählich durch. Erst im
frühen 16. Jahrhundert tauchten Merkmale der Renaissancekunst in der
Malerei auf, vermittelt durch italienische Künstler wie Leonardo da Vinci und
Benvenuto Cellini, die am Hof von König Franz I. beschäftigt waren. Zu
einem der Brennpunkte der französischen Renaissancekunst entwickelten sich die
Arbeiten am Schloss Fontainebleau.
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3.3 |
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Deutsche Renaissance |
Die Malerei in Deutschland
konnte dank mehrerer Werkstätten von Rang in der Renaissance auf eine
ruhmreiche Tradition zurückgreifen. Die deutsche Kunst orientierte sich noch
lange an den Traditionen der Gotik (siehe gotische Kunst). Der Maler
Konrad Witz schuf mit seinem Bild Petri Fischzug (1444, Musée d’Art et
d’Histoire, Genf) das erste europäische Landschaftsbild (siehe Landschaftsmalerei),
das deutlich den Einfluss der zeitgenössischen flämischen Malerei zeigt. Die
künstlerischen Neuerungen aus Italien wurden jedoch nur zögernd übernommen.
Eine führende Rolle spielten deutsche Künstler auf dem Gebiet des
Kupferstiches, der in dieser Zeit eine Blüte erlebte.
Mit dem Maler, Zeichner und
Kupferstecher Albrecht Dürer, der seinen Einfluss besonders im Bereich der
Graphik (Holzschnitt und Kupferstich) entfaltete, erreichte die deutsche
Renaissancekunst den Anschluss an das italienische Vorbild. Seine
Holzschnittzyklen, drei Fassungen der Großen Passion und das Marienleben,
fanden Verbreitung in ganz Europa. Dürer unternahm ausgedehnte Reisen nach
Italien (1494 und 1505-1507) sowie nach Flandern und in die Niederlande (1520
und 1521). Wie viele seiner italienischen Zeitgenossen war er auch
wissenschaftlich interessiert und als Kunsttheoretiker tätig. So verfasste er
u. a. das Werk Vier Bücher von menschlicher Proportion (nach seinem
Tod veröffentlicht 1528). Berühmtheit über die Grenzen Deutschlands hinaus
erlangte er durch seine Kupferstiche wie Ritter, Tod und Teufel (1513)
und Melancolia I (1514), mehrere Selbstbildnisse und seine Altäre.
Besonders sein Spätwerk Vier
Apostel (um 1526, Alte Pinakothek, München), gemalt auf Doppeltafeln,
zeichnet sich aus durch die Verbindung von italienischer Eleganz und intensiver
Ausdruckskraft.
Während Dürer ganz den neuen
Formen und Ideen Italiens zugewandt war, orientierte sich sein Zeitgenosse
Matthias Grünewald an den künstlerischen Traditionen des Mittelalters. Mit
seinem Isenheimer Altar (um 1512-1515, Musée d’Unterlinden, Colmar,
Frankreich), einem gewaltigen Polyptychon mit bemalten Flügeln und einem geschnitzten
Mittelteil, schuf er eines der bedeutendsten Werke seiner Zeit.
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4 |
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SPANISCHE RENAISSANCE |
In Spanien erreichten die Maler der
Renaissance eigentlich nie Anschluss an die Renaissanceströmungen in Italien
und Mitteleuropa, obwohl sie in ihrer Kunst sehr stark von diesen abhängig
waren. Spanische Herrscher vertrauten bedeutende Auftragswerke häufig
ausländischen Künstlern an. Im 16. Jahrhundert war Tizian der führende
Maler am spanischen Hof, obwohl er dort niemals persönlich anwesend war. Alonso
Berruguete, der bedeutendste spanische Bildhauer und Maler des
16. Jahrhunderts, arbeitete hauptsächlich in Valladolid. Der bedeutendste
Vertreter des Spätmanierismus in Spanien war El Greco, ein Schüler Tintorettos.
Erst 1563 entstand mit dem Palast El Escorial in der Nähe von Madrid die erste
bedeutende spanische Renaissanceanlage.
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