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Weltreligionen im Fokus: Judentum
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Judentum
 
Didaktische Hinweise
Das Judentum hat Kultur und Geschichte Europas – vor allem über das Christentum, dessen Grundlage und Voraussetzung es ist – tief geprägt. Es ist daher einerseits eine vertraute Religion, denn nach wie vor kennen die meisten Menschen Inhalte und Geschichten aus der Hebräischen Bibel bzw. dem Alten Testament. Andererseits erscheint das Judentum aber auch als fremde Religion. Nach der Schoah, der fast vollständigen Vernichtung des jüdischen Lebens in Europa während der Zeit des Nationalsozialismus, gibt es dort nur mehr eine kleine Zahl jüdischer Gemeinden. Nur selten gerät man als Bewohner eines europäischen Landes in Kontakt mit praktizierenden Juden. Zu dieser Gemengelage aus Vertrautheit und Fremdheit kommen mitunter tiefsitzende antijüdische oder antisemitische Vorurteile in vielen Bereichen. Vor diesem Hintergrund ist die Beschäftigung mit dem Judentum nicht nur von religionskundlichem Interesse, sondern zugleich Aufgabe der politischen Bildung, um Vorurteilen sowie genereller Unkenntnis zu begegnen und jungen Menschen die faszinierende Vielfalt des Judentums näherzubringen.
Der Film zeigt im ersten Teil wichtige Etappen der jüdischen Geschichte und wendet sich im zweiten Teil dem jüdischen Leben der Gegenwart zu. In seinen Festen knüpft das Judentum stets an die Erfahrungen der Geschichte an. „Sch’mor“ und „Sachor“ heißen die beiden Sabbat-Kerzen: Bewahre, also halte die Feste und Gebote und erinnere dich an alles, was Gott Gutes getan hat. Diese doppelte Aufforderung ist bis heute prägend für das Judentum.
Film und Arbeitsmaterial sind primär für Sekundarstufe I konzipiert, sind aber auch für Sekundarstufe II sowie für Jugend- und Erwachsenenbildung geeignet. Neben einem Einsatz in den Fächern Religion und Ethik ist eine Verwendung in Geschichte und Politischer Bildung (bzw. Sozialkunde) möglich. Darüber hinaus lässt sich die Produktion im Fach Englisch einsetzen, da Film und Sequenzen zusätzlich in englischer Sprache vorliegen und durch entsprechende Arbeitsblätter („Listening Comprehension“, „Stills from the Film“, „Right or Wrong?“) ergänzt werden.
Die Aufgaben auf den Arbeitsblättern decken verschiedene Aufgabenbereiche (Reproduktion, Reorganisation, Transfer, problemlösendes Denken) und unterschiedliche Anforderungsniveaus ab. Eine altersgemäße Differenzierung je nach Lerngruppe kann und sollte von der Lehrkraft vorgenommen werden. Die Arbeitsmaterialien können einzeln oder in sinnvollen Kombinationen verwendet werden. Durch Querverweise sind die Blätter locker miteinander vernetzt.
Die Produktion eignet sich gut als Einstieg in das Thema Judentum. Mit einer Dauer von 25 Minuten kann der Film innerhalb einer Unterrichtsstunde gezeigt werden und eine erste Nachbesprechung erfolgen. Für eine eingehende Beschäftigung mit einzelnen Aspekten ist es sinnvoll, auf die Sequenzen und die entsprechenden Arbeitsblätter zurückzugreifen. Im Film werden viele Informationen genannt, die angesichts der Themenfülle nicht in aller Ausführlichkeit dargelegt werden können. Die Arbeitsblätter bemühen sich daher, das im Film Gezeigte zu vertiefen. Je nach Unterrichtsverlauf können weitere Materialien zur Ergänzung herangezogen werden. Insbesondere das Thema Holocaust bzw. Schoah wird nur knapp angerissen. Für eine weitere Auseinandersetzung sollten ergänzende Medien mit diesem Schwerpunkt, beispielsweise aus dem FWU-Angebot, genutzt werden (vgl. „Weitere Medien“).
 
Adressaten
Allgemeinbildende Schulen (Klasse 6-10), Kinder- und Jugendbildung (12-16 Jahre); Erwachsenenbildung
 
Bezug zu Lehrplänen und Bildungsstandards
Die Schülerinnen und Schüler
  • lernen zentrale Ereignisse der Geschichte des Judentums kennen.
  • gewinnen Einblick in die vielfältigen Ausdrucksformen jüdischen Lebens und Glaubens.
  • untersuchen das jüdische Gottes- und Menschenbild und setzen es in Beziehung zu anderen Religionen.
  • werden für die Erfahrung von Fremdsein, Vertreibung und Verfolgung sensibilisiert.
  • erläutern die ethischen Forderungen des Judentums vor dem Hintergrund des Glaubens an den einen Gott, der sein Volk aus der Knechtschaft befreit hat.
  • setzen sich mit dem Judentum als Wurzel des Christentums auseinander und erkennen die Hebräische Bibel als gemeinsame Grundlage von Juden und Christen.
 
Inhalt und Einsatzhinweise zur Produktion
 
Film „Judentum – ‚Höre, Israel...‘“ (25 min)
In seinem ersten Teil nimmt der Film die Geschichte des Judentums in den Blick. Dessen Ursprünge gehen auf Abraham zurück, der von Gott aus seiner Heimat herausgerufen wurde und sich in Kanaan, dem heutigen Israel, niederließ. Weil die Ernten ausfielen, musste Abrahams Enkel Jakob nach Ägypten auswandern, wo sein Volk nach einer Zeit des Friedens vom Pharao versklavt wurde. Gott erwählte Mose zu seinem Boten und befreite das Volk Israel aus der ägyptischen Knechtschaft. Nach einer 40 Jahre währenden Wanderung, bei der Mose die Zehn Gebote auf dem Berg Sinai erhielt, erreichten die Hebräer das „gelobte Land“.
Die Zeit der Könige währte nur kurz. Mit ihrem Ende zerfiel das Land in zwei Reiche und stand in der Folgezeit unter der Fremdherrschaft unterschiedlicher Völker, bis schließlich die Römer die Macht übernahmen. Nach zwei gescheiterten Aufständen wurden die Juden in die weltweite Diaspora verbannt. Während der Zeit des Exils waren die Juden immer wieder Verfolgungen ausgesetzt, gipfelnd in der Katastrophe des Holocaust. Erst 1948, mit der Gründung des Staates Israel, konnten die Juden in einen eigenen Nationalstaat zurückkehren.
Der zweite Teil des Films widmet sich dem gegenwärtigen Judentum. Seine wichtigste Schrift ist der „Tanach“, bestehend aus Tora, Prophetenbüchern sowie weiteren Texten. Die Tora enthält eine Vielzahl an Gesetzen, darunter die Zehn Gebote. Dem vierten Gebot zufolge soll man am Sabbat die Arbeit ruhen lassen. Heiligste Stätte des Judentums ist der Tempelberg in Jerusalem, wo sich einst der Tempel befand. Nach dessen Zerstörung wurden die Synagogen zum wichtigsten Ort der Gottesverehrung. Abschließend werden jüdische Feste und Feiertage vorgestellt: Bar Mitzwa bzw. Bat Mitzwa, Rosch ha-Schana, Jom Kippur, Chanukka, Purim und Passah.
 
Sequenz „Ursprünge des Judentums: Geschichte und Geschichten“ (3:00 min)
Das Judentum zählt heute rund 14 Millionen Anhänger. Den biblischen Erzählungen zufolge gehen seine Ursprünge auf den Nomaden Abraham zurück, der vor 4000 Jahren in Chaldäa lebte. Abraham wurde von Gott aufgefordert, seine Heimat zu verlassen und wurde so zum Glaubensvorbild für die drei großen monotheistischen Religionen. Er ließ sich in Kanaan, dem Gebiet des heutigen Israel, nieder. Die Bibel erzählt von Gottes Bund mit Abraham und dem Versprechen, dass seine Nachfahren das Land erben sollen. Abrahams Enkel Jakob musste es jedoch wegen einer drohenden Hungersnot verlassen und zog mit seiner Familie nach Ägypten. Seine Nachkommen lebten dort lange Zeit in Frieden, bis sie vom Pharao versklavt und zu Zwangsarbeit verpflichtet wurden.
  • Arbeitsblatt 1: Geografie und politische Lage
  • Arbeitsblatt 2: Die Erzelterngeschichten
  • Arbeitsblatt 3: Der Monotheismus
 
Sequenz „Exodus“ (3:10 min)
Der „Exodus“, der Auszug der Hebräer aus Ägypten, gilt als eine der bedeutendsten Erzählungen des Judentums. Sie berichtet von Gottes Auftrag an Mose, den Pharao um Freiheit für das Volk Israel zu bitten. Als sich der Herrscher weigert, sendet Gott zehn Plagen über Ägypten, bis der Pharao schließlich nachgibt. Aus Angst vor dessen Wankelmut treibt Mose das Volk zur Eile an, und tatsächlich verfolgt die ägyptische Armee die Hebräer bis zum Roten Meer. Gott rettet sein Volk durch die Teilung des Meeres, sodass die Hebräer das gegenüberliegende Ufer erreichen, während die Armee des Pharaos in den Fluten ertrinkt. Mose führt sein Volk weiter zum Berg Sinai, wo er die Gesetzestafeln mit den Zehn Geboten erhält. 40 Jahre lang ziehen die Hebräer durch die Wildnis, bis sie Kanaan erreichen.
  • Arbeitsblatt 4: Der Exodus und die zehn Plagen
 
Sequenz „Stationen der Geschichte Israels“ (4:00 min)
Nachdem die Hebräer in das „gelobte Land“ gezogen waren, machte König David im Jahr 1000 v. Chr. Jerusalem zur Hauptstadt seines Reichs. Sein Sohn Salomon ließ dort den ersten Tempel errichten. Nach dessen Tod zerfiel das Reich jedoch in zwei Teile: Israel im Norden und Juda im Süden. Schon bald fielen feindliche Armeen in das Land ein und eroberten es, darunter die Babylonier. Viele Israeliten wurden getötet oder ins Babylonische Exil verschleppt. Jahrzehnte später erhielten die Israeliten von den neuen Herrschern die Erlaubnis, nach Juda zurückzukehren und einen neuen Tempel zu errichten. Juda wurde in Judäa umbenannt, seine Bewohner von da an als Juden bezeichnet. Im Jahr 63 v. Chr. übernahm das Römische Reich die Herrschaft über Judäa und setzte Herodes als König ein. Als sich die Juden im Jahr 70 n. Chr. gegen die Besatzung auflehnten, zerstörten die Römer den Tempel. Nach einem zweiten Aufstand im Jahr 132 fiel die römische Reaktion noch härter aus: Unzählige Juden wurden getötet, der Rest ins Exil verbannt. Diese Vertreibung steht am Anfang der „Diaspora“ – der Zerstreuung des jüdischen Volkes in viele verschiedene Länder. Oftmals wurden die Juden in den Ländern, in denen sie sich niedergelassen hatten, verfolgt. Die schlimmsten Gräueltaten ereigneten sich während des Zweiten Weltkrieges: Etwa sechs Millionen Juden wurden in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten ermordet. Nach Kriegsende beschlossen die Vereinten Nationen, den Juden die Gründung eines eigenen Nationalstaates zu erlauben, die im Jahr 1948 erfolgte.
  • Arbeitsblatt 5: Geschichte des Judentums
  • Arbeitsblatt 6: Der Nahostkonflikt
 
Sequenz „Die Tora und die Zehn Gebote“ (3:00 min)
Die hebräische Bibel, der „Tanach“, besteht aus der Tora, den Büchern der Propheten sowie weiteren Schriften. Die Tora ist der wichtigste Teil des Tanach. Sie umfasst die fünf Bücher Mose und enthält viele Gesetze, darunter auch die Zehn Gebote. Dem vierten Gebot zufolge soll man am Sabbat die Arbeit ruhen lassen und diesen Tag Gott widmen. Torarollen werden mit großer Ehrfurcht behandelt.
  • Arbeitsblatt 7: Tora, TaNaCH, Sch'ma Jisrael
  • Arbeitsblatt 8: Der Dekalog – Die Zehn Gebote
 
Sequenz „Orte der Gottesverehrung“ (2:10 min)
Jerusalem gilt Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen als heilige Stadt. Wichtigste Stätte des Judentums ist der Tempelberg, Ort des einstigen Tempels. Heute befindet sich an dieser Stelle der muslimische Felsendom. Vom ehemaligen Tempelbezirk ist nur die westliche Stützmauer erhalten, an der fromme Juden beten und trauern. Nach der Zerstörung des Tempels wurden die Synagogen zum wichtigsten Ort der Gottesverehrung.
  • Arbeitsblatt 9: Orte der Gottesverehrung
 
Sequenz „Jüdische Feste und Feiertage“ (7:50 min)
Der jüdische Kalender kennt viele Feste und Feiertage: An Bar Mitzwa feiern jüdische Jungen die Erlangung ihrer religiösen Mündigkeit. Von nun an werden sie als Erwachsene angesehen und sollen die Gebote befolgen. In einigen jüdischen Gemeinden gibt es eine ähnliche Zeremonie auch für Mädchen, die Bat Mitzwa. Rosch ha-Schana, das jüdische Neujahrsfest, wird im September oder Oktober gefeiert. Zehn Tage später begehen die Juden ihren höchsten Feiertag, Jom Kippur. Die Gläubigen tun Buße für ihre Sünden und beten zu Gott, um im neuen Jahr besser zu handeln. Zwischen November und Dezember wird das acht Tage dauernde Lichterfest Chanukka gefeiert, im März das an Karneval erinnernde Fest Purim. An Passah nehmen Juden eine besondere Speise zu sich. Sie erinnert daran, wie Gott sein Volk aus der ägyptischen Versklavung errettet hat.
  • Arbeitsblatt 10: Jüdische Feste und Feiertage
 
Film und Sequenzen: „Judaism – The Promised Land“ (25 min)
Der Film liegt zusätzlich in einer englischen Fassung vor, die sich insbesondere für den Einsatz im Englischunterricht eignet. Die Sequenzen entsprechen inhaltlich der deutschen Fassung (Beschreibung s. o.). Ergänzend sind drei englische Worksheets im Arbeitsmaterial hinterlegt.
 
Bildergalerien „Geschichte Israels in der Kunst” (10 Bilder) und „Lebendiges Judentum“ (13 Bilder)
Die Bildergalerien illustrieren zentrale Inhalte aus dem Film. „Geschichte Israels in der Kunst“ bezieht sich auf den ersten Teil des Films bzw. die ersten drei Sequenzen, „Lebendiges Judentum“ auf den zweiten Teil des Films bzw. die letzten drei Sequenzen.
 
Interaktion „Quiz zum Judentum“
Das interaktive Quiz lädt dazu ein, das erworbene Wissen über das Judentum spielerisch zu erproben. In Anlehnung an eine bekannte TV-Quizshow werden den Kandidaten Fragen mit ansteigendem Schwierigkeitsgrad gestellt. Zu jeder Frage werden vier Antwortmöglichkeiten vorgegeben. Nach richtigem Beantworten der fünften bzw. der zehnten Frage erreicht man jeweils eine Sicherheitsstufe (500 Punkte bzw. 16.000 Punkte). Es ist jederzeit möglich, das Spiel vor Beantwortung der nächsten Frage zu beenden, wodurch man den aktuellen Punktestand sichert. Beantwortet man jedoch eine Frage falsch, fällt man auf die zuletzt erreichte Sicherheitsstufe (bzw. auf 0 Punkte) zurück und das Spiel ist zu Ende. Den Kandidaten stehen drei Joker zur Verfügung. Beantwortet man alle 15 Fragen richtig, erreicht der Kandidat die höchstmögliche Punktzahl (1.000.000 Punkte). Das Spiel lässt sich sowohl in der Lerngruppe als auch als Einzelübung einsetzen.
 
 
Kommentar zu den Arbeitsblättern
 
Arbeitsblatt 1: Geografie und politische Lage
Seine geografische Lage war seit jeher prägend für das Schicksal Israels. In Aufgabe 1-3 werden die Verteilung des fruchtbaren Landes, die Häufung von antiken Großmächten und die missliche Position auf dem einzigen Verbindungsweg zwischen den nördlichen Großreichen und Ägypten nachvollziehbar. Antworten können anhand des Lösungsblattes überprüft werden. Aufgabe 4 lenkt den Blick in die Gegenwart. Je nach Unterrichtsschwerpunkt kann von hier aus die aktuelle politische Situation in den Blick genommen werden (vgl. Arbeitsblatt 7 zum Nahostkonflikt). Die letzten beiden Aufgaben 5 und 6 thematisieren die Geschichten über Abrahams Herkunft und damit die identitätsstiftende Tradition des „Fremdlings“: Ein Volk mit einem solchen Selbstverständnis fühlt sich weniger „satt“ und dominant als eines, das sich seit Urzeiten im Besitz des Landes wähnt. Für die Bearbeitung kann es sich als hilfreich erweisen, zusätzlich eine große Geschichtskarte aus dem Schulfundus zu verwenden.
 
Arbeitsblatt 2: Die Erzelterngeschichten
Dass es sich auf einen Stammvater beruft, der aus seiner Heimat und seinem Eigentum herausgerufen wurde, wurde für das Judentum ebenso charakteristisch wie sein Selbstverständnis als Fremdling (vgl. Arbeitsblatt 1). Dieser Traditionsstrang der jüdischen Bibel zieht sich wie ein roter Faden durch das ganze Judentum und auch durch das Christentum – bis dahin, dass das griechische Wort für Kirche („Ekklesia“) „die Herausgerufene“ bedeutet. Immer wieder ist es der Aufbruch aus dem vertrauten und selbstverständlichen Umfeld, der beide Religionen prägt.
Aufgabe 1 lässt die Schülerinnen und Schüler das Gefühl, herausgerufenen zu werden, im eigenen Erfahrungsbereich verorten. Aufgabe 2 zielt auf eine eher philosophische Ebene ab. Statt Segen könnte man auch nach Liebe fragen: Warum drängt Liebe nach Weitergabe und findet erst darin ihre eigentliche Erfüllung? Wenn man Segen nur für sich behält wie einen Schatz, kommt er nicht zur Erfüllung (vgl. Phil 2,6). Aufgabe 3 soll einen Überblick über die verwickelten Verwandtschaftsverhältnisse der Familie Abrahams vermitteln (vgl. Lösungsblatt). Die Brüder Josefs wären hierbei eine mögliche Ergänzung, ebenso wie die weiteren Frauen Jakobs, wobei dieser Aspekt u. U. zu Diskussionen führen wird.
Die Erzelterngeschichten wurden schon zu ihrer Entstehungszeit in einem bewusst archaischen Stil geschrieben. In ihrer jetzigen Form stammen sie aus einer Zeit, in der die Menschen längst an das Stadtleben gewöhnt waren und in Monogamie lebten. Die Vielzahl an Ehefrauen und Geschwistern bildet die damalige Viel-Völker-Situation im Alten Orient ab, die in eine „graue Vorzeit“ projiziert wurde, um den eigenen Ursprung zu erklären. Bemerkenswerterweise wurden alle Völker der damaligen Zeit unter Berufung auf die Bibel als Verwandte anerkannt, auch wenn man mit ihnen im Streit lag (wie es gelegentlich unter Geschwistern vorkommt). Ismael, der erste Sohn Abrams und Hagars, gilt im Judentum als der Stammvater der arabischen Stämme. (vgl. Arbeitsblatt 7)
 
Arbeitsblatt 3: Der Monotheismus
Die Bibel wehrt in den meisten Schriften den Polytheismus und die Bräuche der Israel umgebenden Völker vehement ab. Dennoch wird durch die Mahnung v. a. der Propheten deutlich, dass der Monotheismus sich nur allmählich im Volksglauben durchsetzen konnte. Zugleich wurde der Gottesglaube der Bibel durch zahlreiche religiöse Elemente beeinflusst, die ihren Ursprung außerhalb Israels haben. Diese Inhalte werden zunächst dargelegt, um das spannungsvolle Verhältnis zwischen dem biblischen Glauben und den Religionen der Umwelt zu verdeutlichen. Soll eine genauere Differenzierung erfolgen, können zusätzlich die Begriffe Monolatrie/Henotheismus (Verehrung einer Gottheit, ohne dass andere geleugnet wurden) eingeführt werden.
Die Entwicklung des Gottesglaubens und die Veränderung der Rede über Gott, nach denen in Aufgabe 1 gefragt wird, werden am leichtesten verständlich, wenn die Schülerinnen und Schüler ihre eigene Glaubensentwicklung bedenken. Die Frage, ob sich Gott selbst oder nur die Vorstellung von ihm verändert, ist nicht einfach dogmatisch zu klären (z. B. mithilfe einer Formel wie „Gott ist unveränderlich“). Vielmehr soll entdeckt werden, dass ein Gott, von dem man sich eine bestimmte Vorstellung, ein bestimmtes Bild macht, oft so wirkt, wie man es erwartet. Das Gottesbild prägt also die Gotteserfahrung und umgekehrt – eine Art logischer Zirkel. Diese Erkenntnis kann das eigene Gottesverständnis verändern oder sogar erschüttern. Falls der Gedanke auftaucht, Gott sei nichts anderes als eine Projektion eigener Vorstellungen oder Erwartungen, kann der Hinweis erfolgen, dass Gott trotz unserer Erwartungen auch ganz unvorbereitet in die Realität der Menschen einbricht. Dem kann bei Bedarf mit Verweis auf Arbeitsblatt 4 weiter nachgegangen werden (Mose begegnet Gott im Dornbusch, wo Gott nicht so auftritt, wie man es erwarten würde, sondern niedrig und im wahrsten Sinne volksnah).
Der mit weiblichen Charakteristika beschriebene Gott von Hosea 11 (Aufgabe 2) bietet die Möglichkeit, eigene (festgefahrene) Gottesvorstellungen zu überdenken. Der Text ist reich an Bildern und seine sorgende, vergebende Haltung mag überraschen. Dennoch ist Gott in diesem Text nicht kraftlos oder weich. Diese Aspekte können in den zu erstellenden Bildern aufscheinen. Ein Vergleich mit der eigenen Gottesvorstellung (vgl. Aufgabe 1) bietet sich abschließend an.
 
Arbeitsblatt 4: Der Exodus und die zehn Plagen
Die reichhaltige Exodus-Tradition wird im Film eher punktuell gestreift. Relativ ausführlich werden demgegenüber die zehn Plagen dargestellt. Das Arbeitsblatt versucht, die Plagen in ihrer Bedeutung einzuordnen und sie auf unterschiedliche Weise – ökologisch, politisch und religiös – zu deuten. Die Reaktion Gottes ist dabei nicht einfach willkürlich, sondern entspricht einer eigenen Logik. Besonders die letzte Plage (Tod der Erstgeburt) ist theologisch relevant und sollte entsprechend im Unterricht besprochen werden.
Aufgabe 1 dient dazu, den Zusammenhang zwischen Jakob, Josef und dem in Ägypten weilenden Volk Israel herzustellen. Auch der Grund für die plötzliche Unterdrückung durch den Pharao soll in den Blick kommen (vgl. 2. Mose 1). Die in Aufgabe 2 genannte biblische Szene – Gott begegnet Mose im brennenden Dornbusch – ist ein sehr vielschichtiger Text. Hier wird lediglich die Erscheinungsweise Gottes thematisiert: Im Text wählt Gott gerade kein hoheitliches Gewächs wie z. B. eine Palme oder eine Zeder, sondern den niedrigen Dornbusch – denn das Volk ist selbst klein und wird verachtet. Gott hat das Leid Israels „erkannt“ (2. Mose 3,7), was darauf hinweist, dass Gott sich mit dem Leid der Menschen identifiziert. Er brennt, wie sein Volk, im Leid, verbrennt aber nicht, was als Zusage gedeutet werden kann, dass Israel nicht untergehen wird. Gott erniedrigt sich hin zu seinem Volk, er steigt herab (vgl. den christlichen Kenosis-Begriff), statt aus der Position des hoheitlichen Herrschers zu agieren.
Aufgabe 3 illustriert, dass unbedachte Entscheidungen Einzelner – gerade in verantwortlichen Positionen – Leid für Gruppen oder ganze Völker nach sich ziehen können. Es geht hier also weniger um eine fehlgeleitete Rache oder Wut Gottes, sondern um ganz alltägliche Zusammenhänge und Konsequenzen, die auch den Schülern bekannt sind und sich im Handeln Gottes widerspiegeln. Aufgabe 4 greift das gespaltene Verhältnis zu Herrschern jeglicher Art auf, das dem Volk Israel seit jeher zu eigen war. Weil Macht allzu leicht zum Schaden der Bevölkerung missbraucht wird, band ein besonderes Königsgesetz die israelitischen Könige an die Gebote Gottes, was für die damalige Zeit beispiellos war. In der Darstellung des Pharaos zeigt sich keine historische Wahrheit, sondern der Generalverdacht gegenüber jedem Herrscher.
Als Beispiel für eine mahnende „Erinnerung“, nach der in Aufgabe 5 gefragt wird, eignen sich viele Sachverhalte der Gegenwart. Sie wird dann nötig, wenn Menschen vergessen, dass das Leben in einem großen Zusammenhang steht, in dem jedes Teil von anderen Teilen abhängig ist. Ein willkürlicher Eingriff gefährdet diesen Gesamtzusammenhang. Je nach Jahrgangsstufe kann auch das „Patent auf Leben“ zur Sprache kommen.
 
Arbeitsblatt 5: Geschichte des Judentums
Die beiden Zeitleisten veranschaulichen die Geschichte des Judentums von den Anfängen bis zur Gegenwart. Durch die Fokussierung auf einzelne Ereignisse erheben die Grafiken natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit und können die historische Entwicklung nur in Grundzügen wiedergeben. Dennoch lässt sich erkennen, dass das Judentum nur wenige Zeiten autonomer Eigenstaatlichkeit gekannt hat und dass es im Laufe der Jahrtausende immer wieder von fremden Mächten abhängig war. Die große stoffliche Fülle sollte didaktisch eher nicht dazu genutzt werden, historische Einzeldaten abzufragen (wenngleich dies möglich ist). Vielmehr soll sie einen Eindruck vom Selbstverständnis des Judentums vermitteln, das durch die Höhen und Tiefen seiner Geschichte geprägt ist.
Die in Aufgabe 1 zu diskutierende Verehrung der Masada-Widerstandskämpfer ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits demonstriert sie die Stärke (und gleichzeitige Verzweiflung) der jüdischen Rebellen, andererseits würde das Judentum längst nicht mehr existieren, wenn alle Juden so gehandelt hätten. Als Gefangene wären sie von den Römern getötet oder versklavt worden, wie unzählige Juden vor ihnen. Die Überlebenden hätte man zum Götzendienst gezwungen und damit die religiöse Identität des Judentums massiv bedroht. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob man als Jude Sklave sein und dennoch an die Befreiung (aus Ägypten) glauben kann. Die Geschichte zeigt, dass Gottvertrauen auf der einen Seite und das Hadern mit Gott auf der anderen Seite stets konstitutiver Bestandteil des jüdischen Glaubens waren und es bis heute sind.
In Aufgabe 2 kommt die Identität des Judentums zwischen Abgrenzung und kreativer Aufnahme fremden Kulturguts in den Blick. Auch für die Herausbildung einer eigenen Identität als Person – einer Aufgabe, mit der die Schülerinnen und Schüler ebenfalls beschäftigt sein dürften – ist diese Fragestellung relevant (Aufgabe 3).
Die in Aufgabe 4 thematisierte Sehnsucht nach dem Messias hängt nicht nur mit der Erfahrung des Auszugs aus Ägypten zusammen, sondern vor allem mit der Hoffnung auf Erlösung von der Fremdherrschaft, welche die Juden immer wieder erdulden mussten. In Zeiten besonderer Bedrückung wurde die Messiaserwartung umso dringlicher („messianische Geburtswehen“). Ob die erhöhte Duldsamkeit, die dadurch entsteht, ein Vor- oder ein Nachteil ist, kann kontrovers diskutiert werden. Bei der produktionsorientierten Aufgabe 5 sollte deutlich werden, dass die Vorstellung eines „messianischen“ Erlösungszustands mit Schwierigkeiten behaftet ist. Auch muss bedacht werden, dass gerade die Kraft des „Trotzdem“ – gegen den faktischen Istzustand – dem Judentum viel von seiner Vitalität verliehen hat.
Aufgabe 6 bietet sich für eine selbstständige und ggf. arbeitsteilige Erarbeitung durch die Schülerinnen und Schüler an. Der in Aufgabe 7 zu erstellende Überblick über die Geschichte Israels fasst die Inhalte des Arbeitsblatts abschließend zusammen.
 
Arbeitsblatt 6: Der Nahostkonflikt
Der empfohlene kurze Film, der auf YouTube abrufbar ist, dient als Einführung in den Nahostkonflikt und legt dessen Wurzeln frei. Der Film beschreibt die Hauptkonfliktpunkte und vermittelt zugleich die Gründe, die bis zum heutigen Tag (und wohl auch in näherer Zukunft) eine Lösung verhindern.
Die Aufgaben 1 und 2 sollen zu der Erkenntnis führen, dass ein simples Täter-Opfer-Schema in dieser Frage nicht weiterführt. Es mag verlockend sein, mit dem Finger auf eine Seite zu zeigen und dort den Schuldigen zu suchen, letztlich sind aber sowohl die jüdische als auch die palästinensische Seite Opfer der verfehlten Politik der Mandatsmacht England und der umliegenden arabischen Staaten. Zugleich sind beide Seiten sowohl selbst Täter (durch eine Reihe von Fehlentscheidungen) als auch Opfer der jeweils anderen Seite.
Die fünf Konfliktpunkte, nach denen in Aufgabe 3 gefragt ist, lauten:
- Grenze
- Siedlungsbau
- Jerusalem
- Rückkehrrecht der palästinensischen Flüchtlinge
- Wasser
 
Aufgabe 4 fragt nach der Rolle der Religionen im Nahostkonflikt. Das Beharren jüdischer Gruppen auf der biblischen Verheißung des gelobten Landes durch Gott muss kritisch hinterfragt werden, da sich auch die Palästinenser auf diese Zusage berufen könnten. Religion wird immer da zum Hemmschuh oder gar Brennstoff, wo die Interessen einer Gruppe auf Kosten der anderen religiös legitimiert werden sollen. Eine konstruktive Sicht auf den Konflikt ergibt sich demgegenüber aus einem biblisch begründe-ten Menschenbild, das die Ebenbildlichkeit aller Menschen betont (vgl. B’Tselem – Aufgabe 6). Auch das jüdische Selbstverständnis als Volk, das in Ägypten selbst Unterdrückung erlitten hat und das in Abraham als Fremdling gelebt hat, kann für eine Verständigung hilfreich sein.
Bei alledem darf jedoch nicht vergessen werden, dass die Erfahrungen der Schoah bis heute ganz real und psychologisch nachweisbar in jüdischen Familien gegenwärtig sind. Die Palästinenser leiden wiederum an dem kollektiven Trauma der Staatsgründung Israels. Aus diesem Grund sind in diesem Konflikt weder vorschnelle Schuldzuweisungen noch „pragmatische“ Lösungsvorschläge von außen möglich und werden meist von beiden Seiten als Einmischung oder gar als Missachtung der eigenen Erfahrungen verstanden.
Aufgabe 5 erfordert eine Auseinandersetzung mit aktuellen Nachrichten, Zeitungen, Magazinen, dem Internet (wo viele Printpublikationen eigene Websites anbieten) etc. Um ein adäquates Bild zu erhalten, sollten unbedingt mehrere Quellen herangezogen werden. Die Erkenntnisse aus Aufgabe 4 sind dabei zu berücksichtigen.
Aufgaben 6 und 7 sind aufwändig, aber lohnend. In der Regel sind Englischkenntnisse nötig, um auf den Internetseiten selbst lesen zu können, was die einzelnen Organisationen als ihr Ziel beschreiben und mit welchen aktuellen Problemen oder Lösungsversuchen sie sich beschäftigen.
 
Arbeitsblatt 7: Tora, TaNaCH, Sch'ma Jisrael
Aufgabe 1 enthält Fragen zum Film bzw. zur Filmsequenz „Die Tora und die Zehn Gebote“. Die Antworten können anhand des Lösungsblattes überprüft werden. Die Arbeit am Bibeltext in Aufgabe 2 kann als Wiederholung des bisher Gelernten dienen:
- Die Verehrung des einen Gottes wird in diesem Text als Grundlage der Existenz Israels und als Voraussetzung für dessen Gedeihen beschrieben.
- Israel kommt als Fremdling in ein Land, das nicht von ihm, sondern von anderen vor ihm erschlossen wurde.
- Israel lebt inmitten vieler anderer Völker.
- Das Land wurde schon Abraham, Isaak und Jakob verheißen.
- Gott ist in der „Mitte“ seines Volkes – das kann an den Dornbusch erinnern.
- Wohlstand kann dazu führen, dass die Menschen vergessen, wem sie diesen zu verdanken haben.
- Der Grund für die Einhaltung der Gebote ist das befreiende Handeln Gottes im Exodus (vgl. Arbeitsblatt 8).
 
Herz, Hand, Stirn und Türstock (Aufgabe 3) beschreiben in der Summe den ganzen Menschen, also sein Denken (Stirn), sein Wünschen und Fühlen (Herz), sein Handeln (Hand) und alles, was innerhalb und außerhalb des Hauses geschieht (Türstock). Das ganze Leben soll so geführt werden, dass deutlich wird: Das Leben vor Gott ist die dankbare Antwort auf sein bedingungslos gutes Handeln, das dem menschlichen Handeln vorangeht.
 
Arbeitsblatt 8: Der Dekalog – Die Zehn Gebote
In Aufgabe 1 soll der Dekalog zunächst als Gesamttext wahrgenommen werden. Dabei fällt auf, dass er länger ist als die bekannten Kurzfassungen, die auswendig gelernt werden. Auch die Zählung der Gebote ist umstritten. Die Möglichkeit unterschiedlicher Zählweisen, die die Schülerinnen und Schüler anhand ihrer eigenen Lektüre entdecken sollen, kann die Selbstverständlichkeit in Frage stellen, mit denen Christen sich den Dekalog angeeignet haben.
Das „Goldene Kalb“, das Gegenstand von Aufgabe 2 ist, lässt sich als unmittelbares Gegenbild zu den zwei Steintafeln deuten. Es steht für Kraft, Macht, sexuelle Potenz, Reichtum und körperliche Attraktivität. In der Erzählung gibt das wandernde Volk seinen Schmuck hin, um sich das Götzenbild zu erschaffen. Es ist also gar nicht wirklich aus der „Knechtschaft“ Ägyptens befreit, weil es sich innerlich noch immer an Götzen und die eigene Kraft bindet. Demgegenüber befreit der Dekalog von dem Zwang, sich selbst und die eigene Kraft zu verherrlichen. Die Geschichte vom goldenen Stierbild ist höchstwahrscheinlich eine Rückprojektion von Problemen aus der Zeit der zwei Reiche in die Zeit der Wüstenwanderung. Im Nordreich waren Stierbilder nicht nur im althergebrachten Volksglauben beliebt, sondern dienten auch der Abgrenzung vom Südreich. Entsprechend wurden sie von Propheten und Priestern Jerusalems verurteilt (vgl. 1. Kön 12,28f und Ps 106,19f).
Aufgabe 3 widmet sich den einzelnen Geboten des Dekalogs und ihrer Ausrichtung auf die Bewahrung der Freiheit. Die Schülerinnen und Schüler können entdecken, dass alle Gebote letztlich schon im ersten Gebot enthalten sind, in dem es um die Befreiung aus der Knechtschaft Ägyptens geht. Die einzelnen Aspekte der Freiheit und deren Gefährdung können produktionsorientiert als Plakate oder Geschichten gestaltet werden. (Zur weiteren Lektüre empfiehlt sich: Frank Crüsemann, Bewahrung der Freiheit. Das Thema des Dekalogs in sozialgeschichtlicher Perspektive, ISBN: 3459015187).
Zu den Geboten im Einzelnen:
1. Gebot: Hier wird an das Heilshandeln Gottes bei der Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft erinnert.
2. Gebot: Das Götzenverehrungs- und Bilderverbot soll den Menschen davor bewahren, Götter (Werte, Orientierungen, Besitztümer) zu verehren, die in Unfreiheit und Zwang führen. Heutige Beispiele für Götzen sind Geld, Status, Kleidung, Bildungsabschlüsse etc.
3. Gebot: „Missbrauch“ des Gottesnamen für nichtige Zwecke meinte einst seine Verwendung zu eigennützigen, magischen Zwecken. Heute könnte man beispielsweise an die Kommerzialisierung von Religion oder an die Begründung von militärischen Aktionen mit dem „Willen Gottes’“ denken. Durch den Missbrauch des Gottesnamens wird Gott instrumentalisiert und dadurch selbst zu einem Götzen gemacht.
4. Gebot: Das Gebot soll den Menschen vor einer Selbst-Versklavung schützen. Die Unterbrechung der Arbeit und des Alltags ist ein Ausdruck von Freiheit. Ohne Pausen wird der Mensch zum Sklaven seines Berufs, seiner zu erbringenden Leistung oder (speziell heute) der dauernden Erreichbarkeit. Darüber hinaus dient der Sabbat der inneren Einkehr, der Selbstreflexion und der Gemeinschaft in Gottesdienst und Familie.
5. Gebot: Die Eltern sollen im Alter dadurch geehrt werden, dass sie versorgt werden, wenn sie selbst nicht mehr dazu in der Lage sind. Dies führt zu einer Solidarisierung innerhalb der Gesellschaft, die auch dem eigenen späteren Wohlergehen dient. Dieses Gebot ist kein Mittel zur Disziplinierung von Kindern, sondern richtet sich ausdrücklich an Erwachsene.
6. Gebot: Hier steht wörtlich „morden“ (hebr. RaZaCH), was eine böswillige Absicht voraussetzt. Es liegt auf der Hand, dass eine Gesellschaft, in der dieses Gebot nicht gilt, weniger frei ist als eine Gesellschaft, in der das Leben geschützt wird.
7. Gebot: Historisch betrachtet dient der Schutz der Ehe nicht nur den Eheleuten, sondern in besonderem Maße den Kindern, deren soziale Absicherung durch Ehebruch zerstört oder zumindest gefährdet wurde. Bis in das 20. Jahrhundert hinein wurden uneheliche Kinder gesellschaftlich benachteiligt.
8. Gebot: Das Verbot des Stehlens betraf einst speziell den Sklavenhandel. Statt „stehlen“ kann man daher auch „entführen“ oder „versklaven“ lesen – es geht um die Entwendung der Lebensgrundlage. Heute ereignet sich Diebstahl in diesem Sinne meist über wirtschaftliche Vorgänge im globalisierten Markt, in dem vielen Menschen die Lebensgrundlage vorenthalten wird.
9. Gebot: „Falsches Zeugnis“ gab und gibt man bis heute durch eine Falschaussage vor Gericht, was im Alltag der Schüler eher selten vorkommt. Es kann aber auch das Gerücht auf dem Schulhof gemeint sein, das eine Mitschülerin oder einen Mitschüler diffamiert.
10. Gebot: Das Begehren dessen, was dem Nächsten gehört, macht den Begehrenden selbst unfrei und geht mit einer Geringschätzung des eigenen Besitzes einher. Unkontrolliertes Begehren kann schließlich dazu führen, dass man sich Dinge und auch Menschen zu Unrecht aneignet.
 
Arbeitsblatt 9: Orte der Gottesverehrung
Mittels Aufgabe 1 lässt sich der Innenraum einer Synagoge entdecken. Antworten können anhand des Lösungsblattes überprüft werden. Sofern die Möglichkeit besteht, empfiehlt sich darüber hinaus der Besuch einer Synagoge in der Umgebung – ein eindrucksvolles und anschauliches Erlebnis.
Die Info „Die Westmauer des Tempelbergs“ dient der inhaltlichen Ergänzung des Films.
 
Arbeitsblatt 10: Jüdische Feste und Feiertage
Das Arbeitsblatt bietet eine Vielzahl von Fragen zum Film bzw. zur Filmsequenz „Jüdische Feste und Feiertage“. Antworten können anhand des Lösungsblattes überprüft werden.
Feste verleihen jeder Religion ihren besonderen Charakter. Sie zu kennen und ihre Stimmung zumindest ansatzweise nachzuvollziehen, kann in hohem Maße zum Verständnis der jeweiligen Religion beitragen. Es ist allerdings davon abzuraten, im (christlichen) Religionsunterricht jüdische Feste nachzufeiern, wie dies manchmal geschieht. Solche Feiern sind zum einen nicht authentisch, zum anderen werden sie zu Recht als Übergriff oder Enteignung empfunden. Falls aber die Gelegenheit besteht, an einer jüdischen Feier teilzunehmen, sollte man diese Gelegenheit nutzen. Die Eindrücke, die man dort vermittelt bekommt, sind durch keine „Theorie“ zu ersetzen.
Die Aufgaben 1,2,5 und 9 dienen der Sicherung der Filminhalte. Mögliche Lösungen für Aufgabe 3 lauten:
- öffentliches Vorlesen
- Hebräisch lernen und flüssig lesen
- für Jungen evtl. Stimmbruch
- die Rolle als Erwachsener finden
- religiöse Verantwortung im Haus und in der Gemeinde übernehmen
 
Der jüdische Gottesdienst (Aufgabe 4) ist weniger eine Veranstaltung des Priesters für die Gemeinde als eine gemeinsame priesterliche Aktion der Gemeinde selbst (vgl. 2. Mose 19,5f). Dadurch wird eine bloße Konsumhaltung auf Seiten der Gottesdienstbesucher verhindert. Die Partizipation aller Erwachsenen am Gottesdienst macht deutlich, dass jedes Gemeindeglied (einschließlich des Rabbiners) vor Gott die gleiche Stellung hat. Zugleich erschwert dies ein allgemeines Schimpfen über „die Gemeinde“ (analog im Christentum: „die Kirche“), da man diese selbst verkörpert. Möglichkeiten der Partizipation gibt es aber auch in christlichen Gottesdiensten. Diese können, über die eigentliche Aufgabe hinausgehend, gesucht und benannt werden.
Vergebung, das Thema von Aufgabe 6 und 7, ist für das menschliche Zusammenleben und damit auch für jede Gemeinschaft unerlässlich. Welche Schritte zur Vergebung notwendig sind (und dass Vergebung beim Schuldigen selbst beginnen muss), können die Schülerinnen und Schüler lebensnah erarbeiten. Da man Vergebung mit schlechtem Gewissen oder nachtragendem Herzen nur schwer annehmen kann, ist die zwischenmenschliche Vergebung der göttlichen Vergebung vorgeschaltet. Hier kann noch einmal auf Hos 11 (vgl. Arbeitsblatt 3) zurückgegriffen werden.
Das Dreidel-Spiel (Aufgabe 8) ist ein vergnüglicher Zeitvertreib, den man mit der ganzen Klasse oder in Gruppen spielen kann. Die dafür nötigen Würfelkreisel lassen sich preiswert im Internet erwerben und sollten rechtzeitig bestellt werden. Die Geschichte vom Öl-Wunder ist nicht biblisch, kann aber bei diesem Anlass erzählt werden.
Aufgabe 10 hat eine Arbeit am Bibeltext (2. Mose 12) zum Gegenstand. An dieser Stelle bietet sich ein Rückgriff auf Arbeitsblatt 4 an. Aufgabe 11 beschäftigt sich abschließend mit dem Sabbat. Es gibt viele Texte, welche die besondere Stimmung des Sabbats beschreiben. Dessen „königlicher“ Charakter knüpft an Exodus und Dekalog an und führt die innere Freiheit, die das Judentum prägt, einmal mehr vor Augen. Schwierig wird die „Pflicht zur Freizeit“ da, wo sie nicht mehr als Freiheit und Befreiung gefeiert wird, sondern zur Leistung erstarrt. Diese Erstarrung ist jedoch nichts, was dem Judentum in polemischer Absicht pauschal unterstellt werden dürfte. In ihr zeigt sich vielmehr die allgemeinmenschliche Tendenz, an sich gute Regeln durch Rigorismus und Erstarrung zu einem Gefängnis werden zu lassen.
 
 
 
 
Produktionsangaben
 
Judentum
 
Produktion
FWU Institut für Film und Bild, 2013
 
Konzept
Sebastian Freisleder
 
Arbeitsmaterial und Fachberatung
Hans Christian Kley
 
Worksheets
Ulrike Bieker
 
Interaktion
Christina Kokkalis
 
Bildnachweis
explainity
iStockphoto
Espresso Education Limited
flickr: hoyasmeg ,siegertmarc
Fotolia
Thinkstock
Stockbyte
Wikimedia Commons
www.zeno.org
 
Pädagogischer Referent im FWU
Sebastian Freisleder
 
 
Produktionsangaben zum Film
 
Judentum – „Höre, Israel...“
 
Produktion
Espresso Education Limited (trading as Channel 4 Learning), 2011
 
Produzent
Sigurður Ásgeirsson
 
Kamera
Eva Sigurðardóttir
 
Schnitt und Grafiken
Mike McKenzie
 
Ton
Eysteinn Guðnasson
 
 
 
Bearbeitete Fassung
FWU Institut für Film und Bild
 
Produktion
TV Werk GmbH
 
Moderation und Sprecher
Andreas Karg
 
Redaktion FWU
Sebastian Freisleder
 
 
 
Nur Bildstellen/Medienzentren:
öV zulässig
 
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