Japanische Literatur
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EINLEITUNG |
Japanische Literatur, von Japanern sowohl
in japanischer als auch in chinesischer Sprache geschriebene Literatur. Der
vorliegende Artikel beschäftigt sich vornehmlich mit Werken in japanischer
Sprache (siehe chinesische Sprache).
Hauptformen der japanischen
Literatur sind im Wesentlichen Prosa, Lyrik, Essay und das Drama (siehe japanisches
Drama). Die Einteilung erfolgt in der Regel in die Perioden: Yamato, Heian,
Kamakura-Muromachi, Edo und die Neuzeit, wobei die ersten vier ihre Bezeichnung
von der jeweiligen Verwaltungshauptstadt der entsprechenden Periode herleiten (siehe
japanische Geschichte).
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YAMATO-PERIODE |
(Vorzeit bis spätes 8. Jh.
n. Chr.). Es gibt zwar keine schriftlich überlieferte Literatur vor dem
8. Jahrhundert, doch sind in den Jahrhunderten davor zahlreiche Balladen,
rituelle Gebete, Mythen und Legenden entstanden. Diese Werke wurden später
niedergeschrieben und in folgenden Büchern gesammelt: im Kojiki (712, Berichte
über Begebenheiten im Altertum), abgefasst in Japanisch mit chinesischen
Schriftzeichen, und im Nihon shoki (720, Japanische Annalen), das
fast ausschließlich in chinesischer Sprache geschrieben ist. Es handelt sich
hierbei um die ältesten japanischen Geschichtsbücher, in denen dargelegt wird,
woher das japanische Volk stammt, wie der japanische Staat entstand und welcher
Art die politische Ordnung war. Zwar wurzeln beide Werke mehr oder minder auf
denselben Mythen und geschichtlichen Quellen, doch ist das Kojiki
eindeutig auf die japanische Leserschaft ausgerichtet, während das vom
chinesischen Gedankengut beeinflusste Nihon shoki umfassender angelegt
ist. Aus den frühen Balladen, die in diesen beiden Werken enthalten sind,
entwickelte sich eine Dichtkunst, die sich in der ersten großen japanischen
Anthologie wiederfindet, dem Manyō-shū (Zehntausend-Blätter-Sammlung),
die der Dichter Ōtomo no Yakamochi nach 759 zusammenstellte. Dieser
Anthologie liegt eine primitive Silbentabelle zugrunde, die so genannte manyō-gana,
bei der chinesische Schriftzeichen als phonetische Symbole für Silben dienen,
nicht für Wörter. Die beiden wichtigsten Formen der Dichtkunst, die in der
Anthologie enthalten sind, heißen chōka und tanka. Das chōka
(langes Gedicht) besteht aus Verszeilen von abwechselnd fünf und sieben Silben,
denen eine siebensilbige Schlusszeile folgt, an die eine oder mehrere hanka
(Schlussstrophen) angehängt sind. Die zweite Form wird tanka (kurzes
Gedicht) oder waka genannt und besteht aus 31 Silben, die in fünf
Zeilen angeordnet sind und einem Wechsel von fünf, sieben, fünf, sieben und
sieben Silben folgen. Das tanka wurde zur maßgebenden japanischen
Versform, die bis in die Neuzeit hinein nichts von ihrer Lebendigkeit verlor,
wohingegen das chōka bald an Beliebtheit einbüßte. Herausragende
Dichterpersönlichkeit des Manyō-shū ist Kakinomoto no Hitomaro
(Glanzzeit um 680-710 n. Chr.), ein Dichter, der alle Versformen
beherrschte. Die vorherrschende Stimmung der Anthologie wird mit makoto
umschrieben, was Wahrheit oder Lauterkeit bedeutet und das völlige
Miteinbezogensein der Person einschließt.
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HEIAN-PERIODE |
(spätes 8. Jh. bis spätes
12. Jh.). Im späten 8. Jahrhundert wurde der Regierungssitz nach
Heian (dem heutigen Kyoto) verlegt, und an den Aristokratenhöfen entstand eine
neue Art der Literatur. Die Schaffung einer japanischen Silbentabelle half
damals bei der Entwicklung von Prosa und Dichtung. Das Kokinshū
(905, Lieder aus alter und neuer Zeit) spiegelt einen deutlichen
atmosphärischen Wandel weg vom Ideal der persönlichen Lauterkeit, die für die
vorangegangene Periode kennzeichnend war, hin zu mono no aware, dem
Einfühlen in das Wesen der Dinge und der Verbundenheit von Natur und Mensch.
Der wichtigste Sammler, Ki Tsurayuki (um 945 verstorben), der in seinem Vorwort
die Grundlagen für eine japanische Poetik legte, war selbst ein bedeutender
Dichter, dessen Werke in der Anthologie enthalten sind. Die meisten davon
stammen jedoch aus früheren Perioden. Tsurayuki gilt auch als Autor des Tosa-nikki
(935, Tosa-Tagebuch), dem ersten Beispiel für eine wichtige
landestypische Gattung, dem literarischen Tagebuch. Darin beschreibt er seine
Reise von der Provinz Tosa in seine Heimat Kyoto und schildert in bewegenden
Worten den Tod seiner Tochter in Kyoto.
Die Literatur des frühen
10. Jahrhunderts bestand entweder aus Märchen wie Taketori-monogatari(Das
Märchen vom Bambussammler) oder aus epischen Gedichten wie Ise
monogatari (ca. 980, Erzählungen aus Ise). Die Höhepunkte der
Heian-Literatur entstanden im späten 10. und frühen 11. Jahrhundert, etwa Genji
monogatari (Der Roman des Prinzen Genji, ca. 1010) von der Hofdame Murasaki
Shikibu und Makura-no-sōshi (Das Kopfkissenbuch) von Sei
Shōnagon, einer weiteren Hofdame. Der Roman des Prinzen Genji, ein
genaues Panorama des höfischen Lebens in Heian, kann als erster wichtiger Roman
der Weltliteratur gelten. Das Buch enthält auch zahlreiche tanka,
verfasst von Protagonisten des Werkes in verschiedenen Situationen. In 54
langen Kapiteln zeichnet der Roman Leben und Lieben des Prinzen Genji und von
Kaoru, seinem vermeintlichen Sohn. Gegen Ende wird die Geschichte immer
tiefschürfender, was ein Hinweis dafür sein könnte, dass die Autorin die Kunst
der Prosa nun vollkommen beherrschte. Das Kopfkissenbuch, der ältere der
beiden Klassiker, bietet eine witzige und häufig brillante Sammlung von Szenen,
die mehr die weltlichen Aspekte dieser höfischen Gesellschaft schildern.
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KAMAKURA-MUROMACHI-PERIODE |
(spätes 12. bis 16. Jh.).
Der Zusammenbruch des japanischen Hofadels gipfelte in der Niederlage des
Taira-Clans gegen den Minamoto-Clan, der 1192 in Kamakura die Regierung
bildete. Vom Ende des 12. bis ins frühe 17. Jahrhundert herrschten in
Japan fast ununterbrochen Krieg und Aufruhr. Eine führende Rolle in der
japanischen Gesellschaft nahmen die Samurai ein, eine Kriegerkaste, die sich
sehr aktiv um ihre Belange kümmerte, und buddhistische Priester, die ihr Leben
im Wesentlichen der Kontemplation widmeten (siehe Buddhismus). Die beste
von einigen kaiserlichen Gedichtsammlungen, das Shinkokin-shū
(1205, Neue Sammlung aus alter und neuer Zeit), zusammengestellt von
Fujiwara no Sadaie, genannt Teika, spiegelt den Wandel im nationalen und
literarischen Empfinden hin zu Schwermut und Einsamkeit wider. In der
japanischen Fachwelt wird der Begriff yūgen (Mysterium und Tiefe)
mit definitiv religiösen Untertönen verwendet, um die gesamte Literatur dieser
Zeit zu benennen. Zu den wichtigsten Dichtern dieser Anthologie gehört denn
auch eine geistliche Persönlichkeit, nämlich der Priester Saigyō. Die
Niederlage der Taira gegen das Haus Minamoto ist Gegenstand des berühmtesten
Prosawerkes aus dieser Epoche, des Heike monogatari (ca. 1220, Die
Geschichte des Hauses Taira) aus der Feder eines anonymen Autors. Hōjōki
(1212, Aufzeichnungen aus zehn Fuß im Geviert), geschrieben von dem
Priester Kamo no Chōmei, stellt der Nichtigkeit der Welt die Tugenden
buddhistischer Meditation gegenüber. Das Izayoi nikki (1277, Tagebuch
der sechzehnten Nacht des Mondes) ist ein literarisches Tagebuch der Nonne
Abutsu und beinhaltet Prosa und Gedichte, wobei letztere von größerer Bedeutung
sind. Die Tsurezuregusa (1340, Skizzen aus Mußestunden) von
Kenkō Yoshida erinnern an das Kopfkissenbuch, sind aber
melancholischer und drücken zweifelsohne das Bedauern über die Wirrnisse der
damaligen Zeit aus. Wichtigste Prosawerke waren die Otogizōshi,
Sammlungen beliebter Kurzgeschichten unbekannter Autoren.
Wichtigste lyrische Schöpfung in
der Phase nach dem frühen 14. Jahrhundert war das so genannte renga
oder Kettengedicht, eine Form, die strengen formalen Kriterien Genüge leisten
musste. Drei oder mehr Dichter taten sich zusammen, um ein langes Gedicht zu
schreiben, wobei die einzelnen Zeilen unterschiedliches Versmaß aufwiesen, etwa
mit sieben, fünf und sieben Silben, während die restlichen beiden Zeilen je
sieben Silben hatten. Die Großmeister dieser Kunst, Sōgi, Shōhaku,
und Sōchō, schufen gemeinsam im Jahr 1488 das berühmte Werk Minase
sangin (Der Dreigesang von Minase).
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EDO-PERIODE |
(17. Jh. bis 1868). Als
im Jahr 1603 unter der Regierung Tokugawa mit Sitz in Edo (dem heutigen Tokyo),
der Frieden einkehrte, blühte der Handel auf, und neue Städte entstanden. Eine
neue Schicht von Kaufleuten bildete sich heraus, die eine eigene Literatur
schuf, eine obszöne, den weltlichen Freuden zugewandte Prosa, die sich vom
literarischen Schaffen der vorherigen Periode radikal unterschied.
Hauptvertreter der neuen Richtung war Ihara Saikaku, dessen Kōshoku-ichidai-otoko
(1682, Ein Freund der Wollust) ein brillantes Prosawerk darstellt,
humorvoll und witzig, das die sinnlichen Genüsse der Kaufmannsschicht
panoramaartig schildert. Saikaku fand im 18. Jahrhundert viele Nachahmer,
doch blieb er unerreicht. Berühmtheit erlangte im 19. Jahrhundert der
Romancier Jippensha Ikku (ca. 1765-1831) mit dem Werk Tōkaidōchū-Hizakurige
(1802-1808, Auf Schusters Rappen über die Ostmeerstraße), einem
Schelmenroman in acht Bänden über das Missgeschick zweier Spitzbuben.
Das Haiku, ein Gedicht mit
17 Silben, wurde in dieser Zeit vervollkommnet. Diese womöglich größte ästhetische
Leistung der japanischen Literatur könnte als Wesenskern der Lyrik schlechthin
bezeichnet werden. Das Haiku steht unter dem Einfluss von Zen, einer Spielart
des Buddhismus, die damals in Japan vorherrschte. Drei der bedeutendsten
Dichter seien hier genannt, die diese Kunst perfekt beherrschten: zunächst der
zenbuddhistische Laienpriester Matsuo Bashō, der bei seinen Wanderungen in
abgelegenen Gegenden der jeweiligen Stimmung entsprechende Dichtungen schuf,
deren Rahmen seine Reiseberichte bilden, so dass auch seine Prosaarbeiten
durchaus von Rang sind. Er gilt wegen seiner Sensibilität und Tiefsinnigkeit
als bedeutendster japanischer Dichter. Sein berühmtestes Werk trägt den Titel Oku
no hosomichi (1694, Auf schmalen Pfaden nach dem Norden). Yosa
Buson, ein weiterer Meister des Haiku, brachte in seinen Dichtungen seine
Erfahrung als Maler zum Ausdruck. Der dritte Haiku-Meister ist Kobayashi Issa,
ein Dichter einfacher Herkunft, der seinen Stoff im Dorfleben fand. Neben der
feinsinnigen Haiku-Dichtung blühte in der Edo-Periode auch die komische
Dichtung in zahllosen Varianten.
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DIE MODERNE |
(1868 bis zur Gegenwart). Die
ganze jüngste Vergangenheit hindurch waren japanische Schriftsteller
ausländischen Einflüssen, insbesondere westlichen Strömungen, unterworfen.
Dabei wurden zahlreiche fremde literarische Gattungen und Techniken im Bereich
Prosa und Dichtung auf japanische Bedürfnisse abgeändert.
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19. Jahrhundert |
Der Humorist Kanagaki Robun bemühte
sich als Vertreter einer Übergangsphase vergeblich darum, mit der neuen Zeit
Schritt zu halten und pflegte im Wesentlichen den Komik-Stil der Edo-Zeit
weiter. Übersetzungen westlicher Literatur, zunächst vornehmlich Werke
britischer Autoren, förderten die Herausbildung des politischen Romans, einer
interessanten, literarisch anspruchsvollen Gattung, die in den achtziger Jahren
des 19. Jahrhunderts weit verbreitet war. Kajin no kigū von
Tōkai Sanshi ist ein extravagantes und unfreiwillig komisches Werk, das
die Reisen und das Schicksal eines jungen japanischen Politikers nachzeichnet.
Die literaturtheoretische Schrift Shōsetsu shinzui (1885, Vom
Wesen des Romans) von Tsubouchi Shōyō tritt für eine Prosakunst
auf der Grundlage des Realismus westlicher Prägung ein. Der nächste Schritt in
Richtung Anpassung an den Westen war der Roman Ukigumo (1887, Ziehende
Wolken) von Futabatei Shimei, der erste ernsthafte Roman, der in
Umgangssprache geschrieben war.
Die Ken’yūsha (Freunde des
Tuschsteines), ein literarischer Studentenzirkel, gegründet von dem Romancier
und Dichter Ozaki Kōyō, spielte im literarischen Leben Japans nach
1890 eine wichtige Rolle. Die Vereinigung sorgte maßgeblich für neue Strömungen
in der Literatur, die traditionelle ästhetische Werte hochhielt und
gleichzeitig westliche Techniken in die hiesige Literatur einband. Eine junge
Vertreterin dieser Richtung, Higuchi Ichiyō, schildert in zahlreichen
Kurzgeschichten sehr geschickt die seelischen Befindlichkeiten von Kindern und
jungen Liebenden. Ihr Buch Takekurabe (1896, Die Liebe der jungen
Midori) gilt allgemein als ihr Meisterwerk.
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6.2 |
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20. Jahrhundert |
Gefallen am französischen
Naturalismus fanden junge japanische Autoren, die sehr bald einen
eigenständigen Naturalismus entwickelten, der weniger gesellschaftsbetont war,
dafür mehr das Subjektive in den Vordergrund stellte. Führender Kopf dieser
literarischen Richtung ist Shimazaki Tōson mit seinem Buch Hakai
(1906, Ausgestoßen), der die Lebenssituation eines jugendlichen
Außenseiters zum Inhalt hat. Zwei sehr bedeutende Autoren, Mori Ōgai und
Natsume Sōseki, blieben diesem französischen Einfluss gegenüber sehr
distanziert. Ōgai orientierte sich in erster Linie an der deutschen
Literatur. Er schrieb Gedichte, Dramen, Romane und historische Biographien.
Sein bestes Buch dürfte der Roman Gan (1911-1913, Die Wildgans)
sein, in dem mit außergewöhnlicher Feinfühligkeit die Empfindungen eines
Mädchens geschildert werden, das gezwungen ist, als Geliebte eines Wucherers zu
leben. Sōseki hatte englische Literatur studiert, bevor er sich seinen
schriftstellerischen Aktivitäten zuwandte. Seine außergewöhnlichen Leistungen
auf dem Gebiet des psychologischen Romans stellen ihn zweifelsohne in die Reihe
der bedeutendsten Schriftsteller der japanischen Moderne. In seinen zwischen
1905 und seinem Tod im Jahr 1916 verfassten Werken schuf er eine fiktive Welt,
in der der moderne Egoismus rücksichtslos angeprangert wird. Sein unvollendet
gebliebener letzter Roman Meian (Licht und Dunkel) dürfte der
einzige moderne japanische Roman sein, der hinsichtlich Umfang und Tiefe an die
Leistungen der russischen Meister anknüpfen kann.
Zwischen 1910 und 1930 schuf
Akutagawa Ryūnosuke, ein Schüler von Sōseki, eine durchkomponierte,
elegante Form der Kurzgeschichte, die in Übersetzung auf der ganzen Welt
Bewunderer gefunden hat. Die Novelle Rashōmon (1915), die 1950
verfilmt wurde, liegt in dem Band Rashōmon. Erzählungen auch in deutscher
Sprache vor (1955).
Der japanische Militarismus der
dreißiger Jahre war dem literarischen Schaffen nicht zuträglich, trotzdem
näherten sich einige Schriftsteller einem ausgesprochenen Ästhetizismus an.
Kawabata Yasunari, ein Vertreter der Sensualisten, der 1968 mit dem
Literaturnobelpreis ausgezeichnet wurde, und Tanizaki Junichirō sind
führende Vertreter jener Autoren, die nach dem 2. Weltkrieg ihr Handwerk
weiter vervollkommneten. Bekannt sind sowohl Kawabatas Yukiguni
(1935-1947, erschienen 1948, Schneeland) und Tanizakis Shunkinshō
(1933, Biographie der Frühlingsharfe). Ein weiterer wichtiger
japanischer Autor der Nachkriegszeit, Yukio Mishima, schrieb Romane, No-Stücke
und Kurzgeschichten, in denen er seiner Verzweiflung über die Verwestlichung
Japans und seinem Wunsch nach Rückkehr in ein edleres Japan der alten Zeiten
Ausdruck verleiht. Zu seinen bedrückenden Werken gehört sein erster Roman mit
zum Teil autobiographischen Zügen Kamen no kokuhaku (1948, Geständnis
einer Maske) und Kinkakuji (1956, Der Tempelbrand), ein
Roman, der vom Gedankengut des europäischen Existentialismus geprägt ist. Der
vom Tod faszinierte Mishima beging 1970 rituellen Selbstmord durch Harakiri.
Mag auch die Dichtkunst in der
jüngsten Vergangenheit Japans eine untergeordnete Rolle gespielt haben, so darf
der Name Masaoka Shiki nicht unerwähnt bleiben, hat er doch am Ende des
19. Jahrhunderts die modernen Formen des tanka und des haiku
geschaffen. Seit dieser Zeit gibt es eine einflussreiche Bewegung zur Förderung
der Dichtkunst nach westlichem Vorbild. Auch auf diesem Gebiet hat Japan einige
ausgezeichnete Dichter wie Kitahara Hakushū und Hagiwara Sakutarō
aufzuweisen; beide gelten als Exponenten des Symbolismus in der japanischen
Lyrik.
In der Zeit um den 2. Weltkrieg
verstummten die Schriftsteller Japans. Eine literarische Résistance konnte sich
nicht etablieren. In den ersten Jahren nach 1945 versuchten die Schriftsteller,
die Erfahrungen des Krieges in ihren Werken aufzuarbeiten, die so genannte
„Atombombenliteratur”entstand. Zu erwähnen ist noch Kenzaburō Ōe, der
mit seinen gesellschaftskritischen Werken zum Sprecher seiner Generation wurde.
Ōe erhielt 1994 den Nobelpreis für Literatur.
Nach dem 2. Weltkrieg hat die
japanische Literatur insbesondere in den USA sorgfältige und wohlwollende
Würdigung durch die Fachwelt erfahren. Kritische Betrachtungen und
Übersetzungen haben dazu beigetragen, die japanische Literatur als wichtigen
Bestandteil der Weltliteratur zu begreifen.
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