Schweizerische Literatur

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EINLEITUNG

Schweizerische Literatur, die Gesamtheit der in der Schweiz verfassten Literatur, die entsprechend der Vielsprachigkeit des Landes in deutscher, französischer, italienischer und rätoromanischer Sprache geschrieben ist.

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DEUTSCHSPRACHIGE LITERATUR

Von Anfang an führte die Vielsprachigkeit des Landes zu einer besonderen Pflege der Spracheigenheiten und Mundarten in den jeweils kulturell geschiedenen Gebieten. Vor der Gründung eines eigenen Staatengebildes in der althochdeutschen Zeit entstanden lateinisch-christliche Werke, Sprichwortsammlungen und Mysterienspiele. Die Literatur des Hochmittelalters umfasst vor allem Minnesang (siehe Minnesänger) und höfisch-epische Dichtung, die, oftmals mit religiös-didaktischem Impuls, die Heldentaten einzelner Ritter besang.

Zu den frühesten Vertretern im oberdeutschen Sprachraum gehören Hartmann von Aue (spätes 12. Jahrhundert), Ulrich von Zatzikhoven (Ende 12./Anfang 13. Jahrhundert und Konrad von Würzburg (spätes 13. Jahrhundert). Mit Erec schuf Hartmann von Aue, in der Tradition des französischen Epikers Chrétien de Troyes stehend, den ersten mittelhochdeutschen Artusroman. Weitere herausragende Werke sind die Verserzählungen Gregorius und Der arme Heinrich. Zu Konrad von Würzburgs Werken gehören die Versnovellen Herzmaere, Der Schwanritter, die dem Komponisten Richard Wagner später als Grundlage für seine Oper Lohengrin diente, und Der Welt Lohn, weiterhin der im Spätmittelalter sehr beliebte Marienpreis Die goldene Schmiede, das Epos Engelhard, der Feen- und Ritterroman Partonopier und Meliur sowie das unvollendete Werk Trojanerkrieg, ein aus über 40 000 Versen bestehendes historisches Epos. Eine bedeutende Sammlung mittelalterlicher Lyrik, die so genannte Manessische Liederhandschrift oder Codex Manesse, ging Anfang des 14. Jahrhunderts aus dem Kreis um den Züricher Patrizier Rüdiger Manesse hervor. Etwa zur selben Zeit entfaltete sich die in der Nachfolge Meister Eckharts stehende mystische Dichtung. Das geistliche Drama kam im 15. Jahrhundert zu voller Blüte. Das 16. Jahrhundert war geprägt von Humanismus und Reformation, während dieser Zeit entstanden volkstümliche patriotische Lieder und Reformationsdramen.

1648 trat die Schweizer Eidgenossenschaft im Westfälischen Frieden aus dem Reichsverband der deutschen Staaten aus und begründete damit eine eigene deutschsprachige Literaturtradition. Mit Albrecht von Hallers (1708-1777) Versuch schweizerischer Gedichten, einer Sammlung, in der sich die berühmte Dichtung Die Alpen befindet, fasste 1732 die europäische Literatur der Aufklärung in der Schweiz Fuß. Die Züricher Johann Jakob Bodmer (1698-1793) und Johann Jakob Breitinger (1701-1776) orientierten sich, entgegen der klassischen Normästhetik Johann Christoph Gottscheds, an englischen Vorbildern, vor allem an Shakespeare. Ulrich Bräker veröffentlichte 1789 seine Lebensgeschichte und natürlichen Ebentheuer des armen Mannes im Tockenburg, eine der frühesten und originellsten Bildungsbiographien der deutschsprachigen Literatur. Johann Heinrich Pestalozzi nahm in seinem pädagogischen Werk die Ideen von Jean-Jacques Rousseau pragmatisch auf. In seinen Schriften Die Abendstunden eines Einsiedlers (1782) und dem vierbändigen Roman Lienhard und Gertrud (1781-1785) legte er seine Gedanken zur Gesellschaftsreform und zur Pädagogik dar. Erst nach der Klassik und Romantik gewann die deutschschweizerische Literatur in Jeremias Gotthelf wieder eine spezifische Stimme. In seinen zahlreichen Romanen und Erzählungen – darunter Wie Uli der Knecht glücklich wird (1841) und Geld und Geist oder die Versöhnung (1843) – entfaltete er einen frühen Realismus, der meist in der bäuerlichen Welt des Berner Oberlandes angesiedelt ist. Seine Novelle Die schwarze Spinne (1842) gehört zu den deutschsprachigen Meisterwerken phantastischer Literatur. Der Züricher Stadtschreiber Gottfried Keller ist mit seinem Bildungsroman Der grüne Heinrich (1854/55) ein städtischer Nachfahre Gotthelfs, der die calvinistisch-schweizerischen Tugenden der Tüchtigkeit und Biederkeit kritisch gegen die Gesellschaft seiner Zeit wendete. Bekannt wurde auch Kellers in zwei Teilen erschienene Novellensammlung Die Leute von Seldwyla (1856; erweitert 1874), in denen der Autor mittels Parabel, Satire, Märchen und realistischer Erzählungen die gesellschaftlichen Bedingungen des Lebens in einer schweizerischen Kleinstadt schilderte. In dieser Sammlung enthalten sind auch die humorvolle Erzählung Die drei gerechten Kammacher und die tragische Geschichte von Romeo und Julia auf dem Dorfe, nach der das Libretto für die gleichnamige Oper des englischen Komponisten Frederick Delius entstand. Conrad Ferdinand Meyer schrieb künstlerisch tiefe, symbolistische Gedichte und einige der größten historischen Novellen der deutschsprachigen Literatur. Große Wirkung erzielte die Kinderbuchautorin Johanna Spyri mit ihren idyllisierenden Heidi-Romanen, deren Protagonistin vor allem durch Filmadaptionen auch international große Popularität erreichte. Mit Dinggedichten wie Der römische Brunnen und Zwei Segel gilt er heute als bedeutender Wegbereiter des Symbolismus. Am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert befindet sich Carl Spitteler, der sich mit seinen die Moderne mythisierenden Versepen dem Naturalismus entgegenstellte und 1919 den Nobelpreis für Literatur erhielt; ausschlaggebend für diese Ehrung war vor allem sein vierbändiges Versepos Olympischer Frühling (1900-1905; Neufassung: 1910) über den Aufstieg einer neuen Göttergeneration aus der Unterwelt.

Einer der bedeutendsten Schriftsteller der Schweiz im 20. Jahrhundert ist Robert Walser. Sein weit gefächertes, die frühe Kurzprosa Franz Kafkas beeinflussendes Werk hat meist das Zerbrechen sensibel-kindlicher Charaktere an der ökonomisch ausgerichteten Gesellschaft zum Thema. Zu seinen wichtigen Publikationen zählen die Romane Geschwister Tanner (1906), Der Gehülfe (1907), Jakob von Gunten (1908) sowie zahlreiche Erzählungen und Prosagedichte, die zu den erstaunlichsten Leistungen der deutschsprachigen Literatur in der Schweiz gehören. Seine während seiner letzten Lebensjahre in der Nervenheilanstalt in mikroskopisch kleiner Schrift festgehaltene „Mikrogramme” konnten erst in den siebziger und achtziger Jahren entziffert werden und liegen seit 1997 in einer sechsbändigen Gesamtausgabe vor (Aus dem Bleistiftgebiet, 1982-1997).

Schon vor dem Dritten Reich war die Schweiz ein Land, in dem deutsche Autoren – etwa während des 1. Weltkrieges – Asyl suchten. Der Dadaismus um Hans Arp und Hugo Ball schuf sich auf Züricher Sprechbühnen ein Forum und schockierte mit seinen sinnfreien Lautgedichten im Cabaret Voltaire ein an hehren Kunstidealen geschultes Bildungsbürgertum. Hermann Hesse und Rainer Maria Rilke wurden Schweizer Staatsbürger. Die Fluchtwelle nach 1933 brachte viele kritische Geister in die Schweiz, die dort u. a. kabarettistisch tätig wurden. Ihr satirisches Wirken prägte zunächst die Bühnenkunst der schweizerischen dramatischen Literatur nach dem 2. Weltkrieg. Max Frisch (Herr Biedermann und die Brandstifter, 1958) und Friedrich Dürrenmatt (Der Besuch der alten Dame, 1956; Die Physiker, 1962) bauten auf dieser Tradition auf, Frisch mit deutlicher Affinität zum epischen Theater seines großen Vorbilds Bertolt Brecht. Während Dürrenmatt, abgesehen von zwei Kriminalromanen, der komödiantischen Weltverachtung treu blieb, die sich im Spätwerk immer mehr zu pessimistischem Sarkasmus steigerte, konzentrierte sich Frisch immer mehr auf Themen einer existentiellen Identitätsproblematik, der im Überschwang der Bilder und festgelegten Meinungen verankerten Verweigerung bzw. Sicherung einer eigenen Biographie. Seine Romane Stiller (1954), Homo Faber (1957) und Mein Name sei Gantenbein (1964) wurden internationale Erfolge, Homo Faber von Volker Schlöndorff erfolgreich verfilmt. Friedrich Glauser verfasste sozialkritische Kriminalromane um seine berühmte Figur des Kommissar Studer, denen Dürrenmatt nachfolgte (Der Richter und sein Henker, 1952). Kurt Marti schrieb politisch reflektierte Gedichte vor christlichem Hintergrund (da geht dasein, 1993). Zur Zeit vertreten Adolf Muschg (Der rote Ritter, 1993), Hugo Loetscher (Saison, 1995) und Thomas Hürlimann (Die Tessinerin, 1984, Die Satellitenstadt, 1992) die alte und die neue Generation der Literatur des Landes. Viele von Muschgs Werken, wie der Roman Albissers Grund (1974), tragen autobiographische Züge. Thematisiert wird immer wieder die Sprachlosigkeit der Figuren angesichts ihrer Entfremdung von der Gesellschaft. Auch Hugo Loetscher schickte sein Romanpersonal ein ums andere Mal als „Ethnologen des eigenen Stammes” durch die Schweiz. Peter Bichsel schuf vor allem von Erwachsenen rezipierte, sprachspielerische Werke zur Kinder- und Jugendliteratur (Ein Tisch ist ein Tisch, 1995), Franz Hohler vornehmlich skurril-groteske Erzählballaden (Die blaue Amsel, 1995). Hohler veröffentlichte Kurzgeschichten (Das verlorene Gähnen und andere nutzlose Geschichten, 1967; Die Rückeroberung, 1982), Gedichte (Vierzig vorbei, 1988) Kinderbücher (Tschipo und die Pinguine, 1985) und Theaterstücke. 1987 erschien das autobiographische Kabarett-Buch des Verfassers. 1990 setzten sich sowohl Max Frisch (Schweiz ohne Heimat?) als auch Adolf Muschg (Die Schweiz am Ende. Am Ende die Schweiz) mit ihrem Land auseinander. Ein grandioser Außenseiter der schweizerischen Literatur war Hermann Burger mit seiner komplex komponierten Sprachartistik (Brenner, 2. Band posthum 1992). Einen wichtigen Beitrag zur zeitgenössischen Literatur der Schweiz lieferten auch die Schriftsteller Franz Böni, dessen düster-phantastische Romane und Erzählungen über die Entfremdung des Individuums in der heimatlichen Industrielandschaft in der Tradition Dino Buzzatis stehen (Die Wanderarbeiter, 1981, Die Alpen, 1983, Am Ende aller Tage, 1989), und der Zürcher Flaneur Renato P. Arlati (Auf der Reise nach Rom, 1980). Mit seinem Erzähldebüt Faserland versuchte Christian Kracht 1995 einen Anschluss an die Erzähltradition von Jerome D. Salingers Ein Fänger im Roggen und Jack Kerouacs On the Road.

Weitere deutschsprachige Vertreter der schweizerischen Literatur, die in den neunziger Jahren mit Werken an die Öffentlichkeit traten, sind Gerhard Meier (Land der Winde, 1990), Otto F. Walter (Die verlorene Geschichte, 1993), Paul Nizon (Die Innenseite des Mantels, 1995), Helen Meier (Die Novizin, 1995), Erica Pedretti (Engste Heimat), Werner Lutz (Flußtage, 1992), Urs Jaeggi (Soulthorn, 1990), Jürg Federspiel (Eine Halbtagsstelle in Pompeji, 1993), Adelheid Duvanel (Die Brieffreundin, 1995), Margit Baur (Alle Herrlichkeit, 1993), Urs Widmer (Der blaue Siphon, 1992), Gerold Späth (Das Spiel des Sommers neunundneunzig, 1993), Werner Schmidli (Der Mann aus Amsterdam, 1993), Margrit Schriber (Rauchrichter, 1993), Hanna Johansen (Zurück nach Oraibi, 1995), Felix Philipp Ingold (Ewiges Leben, 1991), Walter Bloch (Heinrich IV. Moser und seine Mutter, 1993), Christian Haller (Strandgut, 1991), Lukas Hartmann (Die Seuche, 1992; Die Wölfe sind satt, 1993), Markus Werner (Bis bald, 1992), Felix Mettler (Der Keiler, 1990), Jürg Laederach (Schattenmänner, 1995), E. Y. Meyer (Wintergeschichten, 1995), Silvio Blatter (Avenue America, 1992), Urs Faes (Alphabet des Abschieds, 1991), Rudolf Bussmann (Der Flötenspieler, 1991), Christoph Geiser (Kahn, Knaben, schnelle Fahrt, 1995), Alain Claude Sulzer (Die siamesischen Brüder, 1990), Matthias Zschokke (Der dicke Dichter, 1995), Martin R. Dean (Außer mir, 1990), Kurt Aebli (Küss mich einmal ordentlich, 1990), Petra Morsbach (Plötzlich ist es Abend, 1995), Hansjörg Schertenleib (Der Antiquar, 1991), Dante Andrea Franzetti (Das Funkhaus, 1993), Andrea Simmen (Vielleicht heißt er Paul, 1995) und Christoph Keller (Wie ist das Wetter in Boulder?, 1991). Mit Johannes Mario Simmel lebt zudem einer der populärsten deutschsprachigen Bestsellerautoren in der Schweiz.

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FRANZÖSISCHSPRACHIGE LITERATUR

Zunächst unter dem Einfluss Frankreichs und des Calvinismus stehend, entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert mit dem Journal helvétique ein eigenes nationales Literaturbewusstsein. Der Genfer Jean-Jacques Rousseau, der maßgeblichen Einfluss auf die französische Aufklärung gewinnen sollte, stellte die unverdorbene Natur und das ländliche Leben den entfremdenden Kräften der Gesellschaft gegenüber. Rousseaus Émile ou De l’éducation (1762, Émile, oder über die Erziehung) bildete den Anfang einer Reihe von pädagogisch-aufklärerischen Werken in der schweizerischen Literatur. Germaine de Staël repräsentierte die romantische Bewegung in der französischsprachigen Schweiz. Rousseau und Madame de Staël verhalfen der französischsprachigen Literatur der Schweiz gemeinsam zu europäischem Rang. Ihrem Kreis in Coppet gehörte u. a. Benjamin Constant an. Im 19. Jahrhundert verfasste Rodolphe Toepffer (1799-1846) in Genf humorvolle Romane mit calvinistischen Zügen. Weitere wichtige Autoren der Zeit waren E. Rambert (1830-1886) und A. Vinet (1797-1847) sowie – außerhalb des Landes (in Frankreich) – V. Cherbuliez (1829-1899), E. Rod (1857-1910), B. Valloton und F. Amiel. Im 20. Jahrhundert ragt Charles Ferdinand Ramuz (1878-1947) als der bedeutendste Romancier hervor, der dem regionalistischen Schweizer Roman zu weltweitem Renommee verhalf. Mit großem Realismus schilderte er vor allem das Schicksal wallisischer Bergbauern – und stieß in C. F. Landry und M. Zermatten auf würdige Nachfolger. Die Tradition des Volksstücks pflegte R. Morax, während die Werke von H. Spiess (1876-1940) stilistisches Raffinement kultivierten. Im Bereich der Lyrik der französischsprachigen Schweiz dieser Zeit ragten G. Roud (1897-1976) und C. Bille (1912-1979), in der Prosa Blaise Cendrars, M. Saint-Hélier und G. de Pourtalès heraus. Das kosmopolitische Flair der Stadt Genf verhalf dem Autorenkreis um J. Chenevière (1886-1976) und R. de Traz zur Blüte. Die zeitgenössische französischsprachige Literatur vertreten Philippe Monnier, Yves Velan und Robert Pinget, der Lyriker und Romancier J. Chessex, die Dramatiker H. Beblue (*1924) und L. Gaulis (*1932) sowie die Lyriker A. Voissard und Philippe Jaccottet.

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ITALIENISCHSPRACHIGE LITERATUR

Die italienischsprachige Literatur in der Schweiz beschränkte sich lange Zeit auf humanistische, reformatorische und pädagogische Traktate sowie später auf wissenschaftlich-essayistische Literatur. Ein eigenes dichterisches Selbstverständnis indes prägte sich erst nach 1803 aus, als das Tessin zum selbständigen Kanton aufstieg. Als wichtigste Dialektdichterin trat A. Borioli (1887-1965) hervor. Die Autobiographie Cip (1934) des in Mailand lebenden Angelo Nessi (1873-1932) wurde über die Schweiz hinaus bekannt. Ebenso erlangte der Lyriker, Erzähler und Essayist Francesco Chiesa (1871-1973), der eigentliche Begründer der Tessiner Literatur, internationale Anerkennung. Ihm folgten G. Zoppi und G. Galgari (1905-1969) stilistisch nach. Neuere Werke lehnen sich oft an literarische Entwicklungen in Italien an, so orientieren sich beispielsweise die Erzähler Felice Filippini und Carlo Castelli an Elio Vittorini, die Lyriker R. Fasani (*1922) und Giorgio Orelli (*1936) an Eugenio Montale. Weitere wichtige Vertreter der italienischsprachigen Gegenwartsliteratur der Schweiz sind die Romanciers P. Scanziani (*1908), M. Agliati (*1922), P. Martini (*1923) und Giovanni Orelli (*1928), die in ihrer Prosa ein realistisches Bild ihrer Heimat entwerfen.

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RÄTOROMANISCHE LITERATUR

Das Rätoromanische, das sich nach der römischen Eroberung Rätiens im Jahr 15 v. Chr. entwickelte, wird nur im Engadin und in der Surselva (Gebiet des Vorderrheins) gesprochen – sowie außerhalb der Schweiz in Friaul. 1938 wurde es als vierte Landessprache der Schweiz anerkannt. Eine oberengadinische Schriftsprache wurde von J. Bifun (1506-1572) mit seiner Übersetzung des Neuen Testaments (1560) ausgebildet; die unterengadinische Schriftsprache verdankt sich der Psalmenübersetzung von D. Chiambel (1562). Die wichtigsten Vertreter der rätoromanischen Literatur sind: Gian Travers (1483-1563) mit dem Epos Chianzun dalla guerra dagl chiastè da Müs (1527); Joan Gritti, der 1640 das Neue Testament übersetzte; Gian Fadri Caderas (1830-1891), ein Lyriker, in dessen Werk sich Naturverbundenheit und Todesmelancholie vereinten; Peider Lansel (1863-1943), der große Lyriker des Unterengadins sowie der von Jeremias Gotthelf und Gottfried Keller beeinflusste Lyriker und Erzähler Gian Fontana (1897-1935).

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