Literaturepochen
Weimarer Klassik
Didaktische Hinweise
Die Produktion ist in erster Linie für den Einsatz im Fach Deutsch in den Klassen 11 bis 13 gedacht. Der Auseinandersetzung mit der Weimarer Klassik kommt in der Beschäftigung mit der deutschen Literaturgeschichte besondere Bedeutung zu und sie ist somit zentraler Bestandteil im Deutschunterricht der Oberstufe. Gleiches gilt für die Werke der Autoren Goethe und Schiller. Die Produktion möchte jedoch kein Werkwissen vermitteln, sondern einen knappen Überblick über die verschiedenen Aspekte der Weimarer Klassik bieten. Sie möchte Zugang zu dieser Epoche schaffen, Interesse für die Auseinandersetzung mit der Literatur der Zeit und für weiterführende philosophische Positionen wecken und zu Diskussionen anregen.
Da Literaturgeschichte immer auch als Prozess verstanden werden muss, der aus etwas erwächst und zu etwas hinführt, nicht aber losgelöst betrachtet werden kann, wird zunächst Spurensuche betrieben und der Frage nachgegangen, wie es dazu kommen konnte, dass diese Hochphase der deutschen Literatur gerade in Weimar entstanden ist, geprägt von dem „Viergestirn“ Wieland, Goethe, Herder und Schiller. Ausgehend von Goethes erster Italienischen Reise wird die Frage nach den antiken Leitbildern der Klassik formuliert. Im Mittelpunkt steht dann die Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller. Wesentliche Bedeutung kommt darüber hinaus der Formulierung des klassischen Humanitätsideals, dessen Umsetzung in der Literatur wie auch der Diskussion um seine Realisierbarkeit zu. Dabei will die Produktion vor allem einen Überblick geben und Neugierde für die intensivere Beschäftigung mit den literarischen Werken unterschiedlicher Gattung wecken. Somit stellt die Produktion eine Ergänzung zum kompetenzorientierten Literatur- und handlungsorientierten Deutschunterricht dar.
Zur Arbeit mit dem Film sowie zur Vertiefung der Inhalte bieten sich die beigefügten Arbeitsmaterialien an. Die Arbeitsblätter sind so konzipiert, dass immer wieder Anknüpfungspunkte an die Lebenswirklichkeit der Schülerinnen und Schüler aufgezeigt werden, um ihnen den Zugang zur Epoche zu erleichtern. Darüber hinaus wird Wert darauf gelegt, handlungs- und produktionsorientierte Arbeitsaufträge in den Mittelpunkt zu stellen, die ebenfalls zu einem besseren und vertieften Epochenverständnis beitragen können, und neben der rein kognitiven Auseinandersetzung einen emotionalen Zugang ermöglichen. Zudem wird darauf geachtet, immer wieder Schreibanlässe zu schaffen, bei denen die im Hinblick auf das Abitur relevanten Schreibformen vertieft werden können. Die Arbeitsblätter liegen sowohl im PDF-Format als auch im doc-Format (MS Word) vor, wodurch es der Lehrkraft möglich ist, diese zu bearbeiten und ggf. umzugestalten.
Adressaten
Allgemeinbildende Schulen (Klasse 10-13), Erwachsenenbildung
Bezug zu Lehrplänen und Bildungsstandards
Die Schülerinnen und Schüler
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bekommen einen Einblick in die Literaturgeschichte am Beispiel der Weimarer Klassik.
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lernen Goethe und Schiller als bedeutende Autoren der deutschen Literatur kennen sowie einige wichtige Lebensstationen der Dichter (z. B. Goethes erste Italienische Reise).
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verschaffen sich einen Überblick über einige bedeutende Werke von Goethe und Schiller und verstehen die Bedeutsamkeit der gemeinsamen Schaffenszeit der Dichter für die Entstehung ihrer Werke.
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werden dazu ermutigt, Bezüge zwischen literarischen Werken und der Epoche herzustellen.
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lernen die philosophischen Grundlagen der Weimarer Klassik kennen.
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können die Bedeutung Weimars als kulturelles und literarisches Zentrum einordnen, unter Berücksichtigung des historischen und gesellschaftlichen Hintergrunds dieser Zeit.
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setzen sich mit der Antikenrezeption und ihrer Wirkung auseinander.
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gewinnen einen Einblick in das Menschenbild und Kunstverständnis der Dichter.
Inhalt und Einsatzhinweise zur Produktion
Film „Weimarer Klassik. Goethe und Schiller“ (25 min)
Spurensuche: Der Film beginnt mit der Zeit um 1774, als Goethe mit seinem Roman „Die Leiden des jungen Werther“ über Nacht berühmt wird. Es folgt schnell der Ruf aus Weimar von Herzog Carl August, der Goethe als politischen Berater anstellen will. Der Film zeigt, wie eine kleine Residenzstadt mit einem aufgeklärten Hof zum kulturellen Zentrum und einem Ort wird, an dem Dichter wie Wieland, Goethe, Herder und Schiller wirken und eine Literaturepoche prägen werden. Inspiriert von der klassischen Antike zeigt sich nicht nur Goethe von den strengen und ausgewogenen Formen der antiken Kunstwerke fasziniert. Die Antike wird zur Inspiration und zum Vorbild für ihr künstlerisches Schaffen. Die Dichter schaffen in ihren Werken und mit ihren Figuren eine ideale Welt, weil sie die eigene Lebensrealität als unzulänglich empfingen. Sie glauben, die Menschen durch Literatur erziehen und damit etwas verändern zu können. Der Film erklärt die philosophischen Ideen und Gedanken der Dichter dieser Zeit zu ihrem Menschenbild und Kunstverständnis. Der intensive Austausch zwischen Goethe und Schiller und ihre gemeinsame, sehr produktive Schaffensphase wird zur Hochphase der Weimarer Klassik. Der Film gibt einen Überblick über Hintergründe und Entstehungszusammenhänge dieses Abschnitts der Literaturgeschichte im 18. Jahrhundert und soll Impulse und Anknüpfungspunkte bieten, um einzelne Themen zu vertiefen sowie Bezüge zwischen literarischen Werken und der Epoche erkennen zu können.
Sequenz „Der junge Goethe“ (6:20 min)
In dieser Sequenz geht es um Goethes erste Zeit in Weimar. Mit Mitte 20 ist er ein berühmter Autor, ein Dichter des Sturm und Drang, der gegen den Zeitgeist rebelliert, als der gerade 18-jährige Herzog Carl August ihn als politischen Berater nach Weimar einlädt. Goethe übernimmt politische Staatsämter und steht dem jungen Herrscher beratend und freundschaftlich zur Seite, bis er in eine Identitätskrise gerät und sich fragt, ob er nicht doch eher Künstler als Politiker ist. Über Nacht flieht er nach Italien. Die Sequenz zeigt neben Goethes erster Zeit in Weimar auch, warum diese kleine Residenzstadt im 18. Jahrhundert zum kulturellen und literarischen Zentrum aufsteigen konnte und welche Rolle der Hof und die Herzogsfamilie dabei spielen. Herzogmutter Anna Amalia pflegt das kulturelle Leben und holt bedeutende Künstler in die Stadt und an ihren Hof.
Sequenz „Faszination Antike“ (6:40 min)
In der Nacht zum 3. September 1786 flieht Goethe nach Italien. Die Reise wird für ihn zur Inspiration und zum Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen. Diese Sequenz gibt Einblick in die Veränderungen, die sich in Goethes literarischem Schreiben nach seiner ersten Italienischen Reise zeigen. Sein Drama „Iphigenie auf Tauris“ schreibt er in Italien um. Dieses Beispiel zeigt, welchen Einfluss die Antikenrezeption der deutschen Dichter auf ihr Denken und literarisches Schaffen im 18. Jahrhundert hatte. Für sie sind die antiken Kunstwerke schön und mustergültig und verkörpern ein Idealbild des Menschen, das zum Vorbild stilisiert wird in einer Zeit, in der die Menschen ihre eigene Lebensrealität immer öfter als unzulänglich empfinden. Mit dem Idealbild des Menschen beschäftigt sich in dieser Zeit nicht nur Goethe. Die Übersetzungen von Christoph Martin Wieland verbreiten die antiken Werke im deutschsprachigen Raum und auch er verarbeitet in seinen Werken antike Stoffe. Johann Gottfried Herder schreibt seine „Briefe zur Beförderung der Humanität“ und auch Friedrich Schiller beschäftigt sich damit, wie die schöne Seele des Menschen entwickelt werden kann. Für ihn führt der Weg über die Literatur.
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Arbeitsblatt 4: Goethes erste Italienische Reise
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Arbeitsblatt 5: Das Menschenbild der Weimarer Klassik
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Arbeitsblatt 6: Kunstverständnis
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Arbeitsblatt 7: Das Humanitätsideal
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Arbeitsblatt 8: J. W. Goethe: Iphigenie auf Tauris
Sequenz „Zusammenarbeit Goethe - Schiller“ (6:40 min)
Den philosophischen Gedanken der Dichter zum idealen Menschen und zur Humanität steht die Realität entgegen. Die Französische Revolution verkehrt sich in ihr Gegenteil mit dem Terror der Jakobiner. Auch die Dichter beschäftigt, was in Frankreich passiert. Schiller gründet 1794 seine Zeitschrift „Die Horen“. Er lädt auch Goethe zur Mitarbeit ein. Bis zu diesem Zeitpunkt war das Verhältnis der beiden Dichter eher distanziert. Die Sequenz zeigt, wie sich in den folgenden Jahren eine intensive Zusammenarbeit zwischen den beiden Dichterkollegen entwickelt. Sie wollen beide die Menschen nach humanitären Werten durch Literatur erziehen und bilden. Es wird eine produktive Zeit, die später als die Hochphase der Weimarer Klassik bezeichnet werden wird.
Sequenz „Ausklang einer Literaturepoche” (4:20 min)
Im Mai 1805 stirbt Friedrich Schiller. Die letzten Jahre vor seinem Tod hat er an seinen großen historischen Dramen gearbeitet. Goethe verliert einen wichtigen Wegbegleiter und Kritiker. Er überlebt seinen Dichterkollegen um viele Jahre. Diese Sequenz fasst abschließend die wichtigsten Leitlinien der „Weimarer Klassik“ zusammen.
- Arbeitsblatt 11: Das Modell der Weimarer Klassik
Bildergalerie „Porträts aus der Zeit” (7 Bilder) und „Orte in Weimar“ (12 Bilder)
Die beiden Bildergalerien enthalten zum einen Porträtgemälde von Dichtern und der Herzogsfamilie, die auch im Film gezeigt werden. Ergänzend dazu bietet die zweite Bildergalerie Aufnahmen von Denkmälern und Orten aus Weimar, die besichtigt werden können. Dementsprechend können die Fotografien zur Vorbereitung einer Studienfahrt nach Weimar oder als Grundlage zur Vergabe von Fachreferaten zu einzelnen Themen eingesetzt werden.
Kommentar zu den Arbeitsblättern
Arbeitsblatt 1: Weimarer Klassik – ein erster Überblick
Dieses Arbeitsblatt kann eingesetzt werden, um vor dem ersten Anschauen des Films das Vorwissen der Schülerinnen und Schüler abzufragen und ihre Assoziationen mit der Thematik kennenzulernen. Die Leitfragen, die im Weiteren formuliert sind, bieten darüber hinaus eine Hilfestellung bei der ersten Begegnung mit dem Film. Um das aktive Zuschauen besser lenken zu können und den Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern zu fördern, bietet es sich an, die Leitfragen arbeitsteilig zu bearbeiten und sie dann in einer Kleingruppe zu einer Mind-Map zusammenzuführen. Dadurch erhalten die Schülerinnen und Schüler einen ersten Überblick über die „Weimarer Klassik“. Anschließend sollen sie drei Fragen formulieren, die sie besonders interessieren. So kann die Lehrkraft in der folgenden Unterrichtseinheit auf die Interessen der Klasse eingehen und entsprechend Schwerpunkte setzen.
Arbeitsblatt 2: Persönlichkeiten aus der Zeit
Nach dem ersten Anschauen des Films werden die Schülerinnen und Schüler mit einigen Personen konfrontiert, die in Weimar wirkten, die ihnen neben Goethe und Schiller aber gegebenenfalls wenig bekannt sind. Deshalb soll diese Gruppenarbeit das Verständnis der Lernenden dafür fördern, dass eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen der Weimarer Klassik der Austausch zwischen den Dichtern, ihre Ideen, aber auch der Einfluss des Weimarer Hofes mit Carl August und Anna Amalia entscheidend waren. Plakate zu den Biografien und die Soziogramme können während der Unterrichtseinheit hilfreich sein, sodass diese an geeigneter Stelle einbezogen werden können.
Arbeitsblatt 3: Die ersten Jahre Goethes in Weimar
Hier geht es in erster Linie darum, zu erarbeiten, wer Goethe bei seiner Ankunft in Weimar war, welche Chancen ihm das aufgeklärte Herrscherhaus bot und wie er gemeinsam mit dem Herzog und dessen Mutter die Geschicke Weimars bestimmte. Die Schülerinnen und Schüler versetzen sich zunächst in die Lage des jungen 18-jährigen Herzogs und überlegen sich, welche Art von persönlichem Coach sie sich wünschen würden. Mithilfe des Films werden anschließend die Fakten zur Person Goethes und zur Situation Weimars erarbeitet. Die Schülerinnen und Schüler nehmen dann die Position Goethes ein und formulieren die Erwartungen an seine Weimarer Zeit als Tagebucheintrag. Anschließend werden auf dem Arbeitsblatt die Angebote seitens des Herrscherhauses ergänzt. Optional kann abschließend nochmals aus Goethes Sicht ein Resümee über die ersten zehn Jahre in Weimar in Form eines Briefes gezogen werden. Die Arbeitsaufträge können sowohl in Partner- als auch in Einzelarbeit ausgeführt werden.
Arbeitsblatt 4: Goethes Italienische Reise
Dieses Arbeitsblatt kann dazu eingesetzt werden, Goethes erste Italienische Reise als Flucht aus dem Alltag und Wendepunkt in seinem künstlerischen Schaffen zu begreifen. Als Stundeneinstieg wird die Identifikationsmöglichkeit gewählt. Die Schülerinnen und Schüler stellen in Einzelarbeit assoziativ ihre Vorstellungen von einem „Sehnsuchtsort“ und die Reisemotive für eine Flucht aus dem Alltag zusammen. Anschließend werden mithilfe des Films Goethes Gründe für seine „Flucht“ erarbeitet und mit den eigenen Motiven verglichen. An dieser Stelle kann auch über den Wert einer solchen Reise reflektiert werden. Goethes Beweggründe können wahlweise mithilfe des Internets ergänzt werden. Um die Merkmale des Goetheschen Sehnsuchtsortes zu erarbeiten, wird die Begegnung mit der Literatur (Mignons Lied) gewählt. Optional kann hier im Sinne des integrativen Deutschunterrichts die Erschließung und Interpretation eines literarischen Textes vertieft werden. Der abschließende handlungsorientierte Arbeitsauftrag – der auch in Gruppenarbeit ausgeführt werden kann – regt dazu an, sich die Dauer und die Stationen der Reise zu vergegenwärtigen.
Arbeitsblatt 5: Das Menschenbild der Weimarer Klassik
Das angemessene, zielgerichtete, emotional gemäßigte Verhalten in einer Konfliktsituation gilt als Ideal der Klassik. Dies sollen die Schülerinnen und Schüler mithilfe dieses Arbeitsblattes begreifen und über dessen Realisierbarkeit reflektieren. Grundlage des Bildimpulses zu Stundenbeginn ist eine zentrale Plastik des deutschen Klassizismus (August Kiß: Kämpfende Amazone mit Panther (~1840)), bei der sich die Reiterin mit einem fokussierten aber auch abgeklärten Gesichtsausdruck der Kampfsituation stellt. Der Bildimpuls zu Stundenbeginn dient zunächst dazu, sich eine Konfliktsituation bewusst zu machen. Die daran anschließende handlungsorientierte Erarbeitungsphase, bei der die Jugendlichen mit ihren Gesichtsausdrücken experimentieren und dies auch fotografisch festhalten, schult das Einfühlungsvermögen und die Selbstreflexion. Bei dem anschließenden Vergleich mit dem Original erkennt die Lerngruppe das zielgerichtete und emotional gemäßigte Verhalten der Amazone. Hinweis: Die zweite Seite des Arbeitsblattes sollte erst nach der Bearbeitung von Aufgabe 2 ausgeteilt werden. Nun erarbeiten die Schülerinnen und Schüler mithilfe einer kurzen Filmsequenz, in der es in erster Linie um Johann Joachim Winckelmann geht, die Leitbildfunktion, die die antike Kunst für das ideale Menschenbild der Klassik hatte.
Arbeitsblatt 6: Kunstverständnis
Dieses Arbeitsblatt dient der Vertiefung der bereits in Arbeitsblatt 5 reflektierten Antikenrezeption. Anhand der eigenen Beschreibung der Laokoon-Gruppe sowie den Ausführungen von Johann Joachim Winckelmann verstehen die Schülerinnen und Schüler seine Gedanken zum Kunstideal der Antike und worin dessen Vorbildcharakter begründet ist. In den Schriften von Wieland und Schiller wird deutlich, dass die Dichter vor allem der Kunst die Aufgabe zusprachen, den Menschen nach den antiken Idealbildern zu erziehen und zu bilden, um dadurch die Gesellschaft zu verändern.
Arbeitsblatt 7: Das Humanitätsideal
Nachdem in Arbeitsblatt 5 die handlungs- und produktionsorientierte Erarbeitung des Humanitätsideals der Weimarer Klassik im Vordergrund stand, erfolgt bei diesem Arbeitsblatt anhand zweier zeitgenössischer Texte in erster Linie die kognitive Auseinandersetzung damit. Im Fokus stehen hierbei zwei Auszüge aus den „Briefen zur Beförderung der Humanität“ von Johann Gottfried Herder sowie ein Auszug aus Schillers theoretischer Schrift „Über Anmut und Würde“. Zunächst wird Herders Humanitätsbegriff erarbeitet, um davon ausgehend sein Menschenbild zu erschließen. Die Lerngruppe begreift, dass der Mensch ganzheitlich als Vernunft- und Naturwesen gesehen werden muss, und er erst so ein innerlich freier, selbstverantwortlicher Bürger werden kann. Durch die Beschäftigung mit Schillers Text „Über Anmut und Würde“, erkennen die Schülerinnen und Schüler die Übereinstimmung zwischen Herders Position und Schillers Idee von der „schönen Seele“. Die Position Schillers wird durch das Anschauen der entsprechenden Filmsequenz vorentlastet. Bei diesem Unterrichtsmodul steht die Vertiefung der Texterschließungskompetenz im Vordergrund.
Arbeitsblatt 8: J. W. Goethe: Iphigenie auf Tauris
In diesem Arbeitsblatt geht es darum, wie die Ideen der Dichter über den idealen Menschen in der Literatur – am Beispiel „Iphigenie auf Tauris“ – umgesetzt wurden. Um die Idee der „schönen Seele“ und von Anmut und Würde anschaulich zu machen, wird wieder mit einem Bild gearbeitet. Anhand einer Iphigenie-Darstellung von Anselm Feuerbach nehmen die Schülerinnen und Schüler die Zuschreibung von Charaktereigenschaften vor und erkennen, welche Eigenschaften eine „schöne Seele“ ausmachen. Anschließend überlegen die Schülerinnen und Schüler, wie sich solch eine ideale Figur in einer Konfliktsituation verhalten würde und entwerfen das Grundgerüst eines Dramas. Daran anschließend wird die Filmsequenz zu „Iphigenie auf Tauris“ angeschaut. Hierbei wird auch auf die Merkmale der geschlossenen klassischen Dramenform eingegangen. Nun wird das Humanitätsideal Goethes an der Tafel festgehalten. Vertiefend wird nochmals an die Lebenswelt der Lerngruppe angeknüpft. Die Schülerinnen und Schüler spielen eine Konfliktsituation aus dem Alltag nach und versuchen, sich dem klassischen Humanitätsideal entsprechend zu verhalten. Abschließend kann über die Realisierbarkeit dieser Idealvorstellung diskutiert werden.
Arbeitsblatt 9: Goethe, Schiller und die Französische Revolution
Bei diesem Arbeitsblatt vertiefen die Schülerinnen und Schüler in erster Linie ihre Recherchekompetenz sowie ihre Fähigkeit, Informationen für Dritte aufzubereiten und zu präsentieren. Der Anfang der Filmsequenz „Zusammenarbeit Goethe - Schiller“ dient als Einstieg. Darauf folgend werden der Verlauf der Französischen Revolution sowie die Positionen, die Goethe und Schiller dazu eingenommen haben, erarbeitet. Bei den Recherchearbeiten lernen die Jugendlichen das Internet nicht nur als Informationsquelle kennen, das Sekundärtexte zur Verfügung stellt, sondern auch als Medium, in dem auf Primärtexte zugegriffen werden kann. Die Visualisierung der Ergebnisse erfolgt einmal kreativ mithilfe einer Wandzeitung und einmal rein informativ mithilfe einer Tabelle. Im Sinne der Kompetenzorientierung empfiehlt es sich, dass zusätzlich eine Metadiskussion über die Recherchepraktiken und die unterschiedlichen Möglichkeiten der Ergebnisdarbietung geführt wird.
Arbeitsblatt 10: Die Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller
Hier steht die kreative Auseinandersetzung mit der Zusammenarbeit zwischen Goethe und Schiller im Vordergrund, um damit ein besseres Verständnis der besonderen Beziehung der beiden Dichter zueinander zu erhalten. Dadurch, dass die Schülerinnen und Schüler ein Gespräch der beiden Dichter über den gemeinsamen Schaffensprozess szenisch darstellen sollen, wird das Einfühlen in die Personen Goethe und Schiller vorausgesetzt und die Empathie gefördert. Zu dieser Emotionalisierung kommt der produktive Umgang mit Sprache durch die Formulierung der Dialoge und die Anpassung der Sprechweise an die heutige Zeit. Die aufgeführten Arbeitsaufträge sind als Anregungen zu verstehen, die selbstverständlich ergänzt und abgeändert werden können. So bietet es sich z. B. an, dass zusätzlich mit Ausschnitten aus dem Briefwechsel und den Werken (v. a. aus den Xenien) sowie mit einschlägigen Zitatsammlungen gearbeitet wird. Durch die vorbereitenden Rechercheaufträge werden die Lernenden zudem für die Rezeption von Sachbüchern sensibilisiert und zur Auseinandersetzung mit (populärwissenschaftlicher) Sekundärliteratur angeregt.
Arbeitsblatt 11: Das Modell der Weimarer Klassik
Dieses Arbeitsblatt stellt den zusammenfassenden Abschluss der Unterrichtseinheit dar. Ausgehend von der Filmsequenz „Ausklang einer Literaturepoche“ erarbeitet die Lerngruppe die Leitlinien des Modells „Weimarer Klassik“. Wahlweise kann auch nochmals der gesamte Hauptfilm angeschaut werden. Die Ergebnisse können im Plenum zusammengetragen und an der Tafel festgehalten werden. Hierfür bietet sich wiederum eine Mind-Map an, die bspw. folgende Kategorien berücksichtigt: Beziehung zwischen Goethe und Schiller, Leitbild Antike und Renaissance, politischer Kontext – Französische Revolution, Humanitätsideal, Formen, Themen und Funktion der Literatur, Voraussetzungen in Weimar. Dieses Tafelbild kann mit der eingangs erstellten Mind-Map (s. Arbeitsblatt 1, Aufgabe 4) verglichen werden. Zur Vertiefung folgt nun nochmals eine kreative Auseinandersetzung mit den wesentlichen Aspekten der Weimarer Klassik. Dabei geht es nicht um ein wahlloses Sammeln, sondern um das Sich-Vergegenwärtigen wesentlicher Aspekte und die begründete Schwerpunktsetzung. Die Schülerinnen und Schüler setzen individuell Schwerpunkte und tauschen sich im Dialog aus. Die gewonnenen Erkenntnisse setzen sie dann durch die Visualisierung auf einem Plakat um. Wichtig ist, dass dies kein textlastiges Lernplakat sein soll, sondern eine wohldurchdachte optisch ansprechende Umsetzung. Die Plakate mit den zugrunde liegenden grafischen Konzepten und Überlegungen werden vor der Klasse präsentiert und erläutert.
Im Sinne der Schreiberziehung – auch im Hinblick auf das Abitur – steht abschließend abermals das informierende Schreiben im Vordergrund. Die Schülerinnen und Schüler verfassen einen Artikel für ein Literaturlexikon, das sich an Jugendliche richtet, und überarbeiten diesen ggf. in einer Schreibkonferenz. So kann das Gelernte nochmals umgesetzt und vertieft werden.
Außerschulische Lernorte der "Klassik Stiftung Weimar":
Die Stadt Weimar bietet als Lernort ganz besondere Möglichkeiten für ein projektorientiertes, entdeckendes und selbstgesteuertes Lernen und Erleben. Die verschiedenen Museen, Dichterhäuser, historische Parkanlagen, Archiv und Bibliothek bieten zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Interessen und Lebenswelten der Schülerinnen und Schüler. Die "Klassik Stiftung Weimar" bietet ein vielfältiges Bildungsangebot für alle Schularten mit begleitendem didaktischen Unterrichtsmaterial an.
Produktionsangaben
Literaturepochen: Weimarer Klassik (DVD)
Produktion
FWU Institut für Film und Bild, 2013
Konzept
Melanie Ziegler
Arbeitsmaterial
Barbara Moser
Bilder
Klassik Stiftung Weimar, Thinkstock, Fotolia, Wikimedia Commons
Pädagogische Referentin im FWU
Melanie Ziegler
Produktionsangaben zum Film
„Weimarer Klassik. Goethe und Schiller“
Produktion
Filmproduktion - Renate Teucher
Im Auftrag des
FWU Institut für Film und Bild
Buch, Montage, Regie
Renate Teucher
Kamera
Renate Teucher
Postproduktion und Effekte
Kevin Kepler
Sprecherin
Sabine Roth
Fachberatung
Barbara Moser
Redaktion
Melanie Ziegler
Vielen Dank
Klassik Stiftung Weimar
Schillerhaus Rudolstadt
Schillers Gartenhaus der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Heckl Entertainment & Media Productions
Nationaltheater Mannheim
Schauspielhaus Zürich
Theater Dortmund
Nur Bildstellen/Medienzentren:
öV zulässig
© 2013
FWU Institut für Film und Bild
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