Platon

Mit der Ideenlehre gelingt es Platon (427 - 347 v. Chr.) nicht nur ein System zu schaffen, das von Sokrates´ Fragestellung ausgehend große Teile der vorsokratischen Philosophie wieder sinnvoll aufnehmen konnte, sondern auch ein Gedankengebäude zu errichten, das wie kein anderes in der abendländischen Geistesgeschichte nachwirkte. So ist für A. N. Whitehead alle abendländische Philosophie "als Fußnoten zu Platon" zu verstehen.
Seine um 385 v. Chr. gegründete Schule, die Akademie, bestand nahezu 1000 Jahre. Blütezeiten des Platonismus waren der von Plotin geschaffene Neuplatonismus der Spätantike und die Zeit der italienischen Ranaissance.  Inhalt der platonischen Ideenlehre ist ein angenommenes Reich immaterieller, ewiger und unveränderlicher Wesenheiten, der Ideen (griech. éidos; idéa). Ideen im Sinne Platons sind Urbilder der Realität, nach denen die Gegenstände der sichtbaren Welt geformt sind. Diese Ideen existieren objektiv, d. h. unabhängig von unserer Kenntnisnahme oder Gedankenwelt. Sie entspringen also nicht einer Setzung unseres Bewußtseins, sondern werden durch dieses erkannt. Deshalb läßt sich Platons Position als Objektiver Idealismus beschreiben.
Daß wir trotz unterschiedlicher Gestalt von Fliege, Fisch und Pferd all diese Einzelwesen als Tiere erkennen, läßt darauf schließen, daß es ein gemeinsames Urbild "Tier" gibt, das allen Tieren gemein ist und deren Wesensform bestimmt. So ist es die Idee des Tieres, die die unterschiedlichsten Organismen erst zu Tieren macht.
(vgl. Glossar -> Platon)

Quelle: dtv-Atlas, S. 39