Glossar

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A

adaequatio mentis et rei: Übereinstimmung zwischen der Welt und unserem Bild von der Welt.

Adler, Alfred: Psychiater, * 7.2.1870, + 28.5.1937 Aberdeen. Begründer der Individualpsychologie, nach der das Seelenleben vom Geltungsdrang und Streben nach Überlegenheit im gesellschaftlichen Verhalten bestimmt ist. Die überwindung daraus entstehender Konflikte hängt ab von der Stärke des mitwirkenden Gemeinschaftsgefühls, bzw. von der Fähigkeit und Einsicht des einzelnen, negative Selbstwertgefühle (Minderwertigkeitskomplexe) auszukompensieren (Kompensationstheorie).

Albert, Hans: Prof. in Mannheim, * 8.2.1921 Köln, arbeitet auf dem Gebiet der Erkenntnistheorie und Wissenschaftslehre, speziell über deren Grundfragen in den Sozialwissenschaften. Sucht unter Kritik anderer Denkansätze die Bedeutung eines Modells kritischer Rationalität für die Lösung von Erkenntnisproblemen und Fragen der sozialen Praxis aufzuweisen.

Apperzeption: Kant versteht darunter die Wahrnehmung und setzt dazu die formale Einheit des Bewußtseins voraus.

a posteriori: (Lat. "vom späteren her"), heißt eine Erkenntnis, die aus der Wahrnehmung, aus der Erfahrung stammt.

a priori: (Lat. "vom früheren her"), heißt eine Erkenntnis, die rein aus dem Denken heraus gewonnen wird, bevor sie anhand der Praxis überprüft wird. Im Laufe der Geschichte und der menschlichen Entwicklung haben siche viele, a priori gewonnenen Erkenntnisse als falsch heraus gestellt, weil das Weltbild auf dem sie basierten sich inzwischen geändert hat (z.B. das kopernikanische Weltbild).

Apriorismus: Die Lehre von der Möglichkeit einer Erkenntnis a priori
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S.36)

Äquivalenz: Gleichbedeutend mit. Zwei Begriffe sind äquivalent, wenn sie dieselbe Bedeutung inne haben.

Aristoteles: Neben Platon der größte altgriechische Philosoph, * 384/383 Stageira, + 322/321 Chalkis auf Euböa; studierte bei Platon, ohne eigentlich dessen Schüler zu werden. Erzieher Alexander des Großen. In Athen gründete er 335 die sog. "Peripatetische Schule. (gen. nach einem Peripatos, d.h. Wandelgang, wo er lehrte); nach Alexanders Tod der Gottlosigkeit angeklagt, floh er 323/22 nach Chalkis. Aristoteles ist der Begründer der eigentlich wissenschaftlichen Philosophie und philosophiedurchleuchteten (Einzel-) Wissenschaft; wohl wirkungsmächtigster aller Philosophen, die bisher gelebt haben. Seine Grundlagen sind Logik und Metaphysik. Die Logik, deren Schöpfer Aristoteles ist und die er "Analytik" nennt, ist die Lehre von den logischen Grundgesetzen, von Begriff, Urteil, Schluß, von Definition, Beweis sowie setzender bzw. widerlegender Methode, niedergelegt in den sechs Schriften seines "Organon". Die Kategorienlehre (Substanz, Beziehung, Raum, Zeit, Qualität, Quantität, Tun, Leiden, Haltung, Lage) steht auf der Grenze zwischen Logik und Metaphysik.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S.41)

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Augustinus: Kirchenvater und Philosoph, * 13.11.354 Ta gaste (Numidien), + 28.8.430 Hippo Regius. Augustinus vertritt die Lehre von der Prädestination, d.h. er glaubt, daß der Mensch zur Seligkeit oder zur Verdammnis von Gott vorausbestimmt sei.

Ayer, Alfred Jules: Engl. Philosoph, * 29.10.1910 London. Ursprünglich dem logischen Empirismus innerhalb der analytischen Philosophie nahestehend. Später tritt unter dem Einfluß des linguistischen Phänomenalismus innerhalb der analytischen Philosophie in einer skeptischen Wendung stärker die Rolle des Sprachgebrauchs, die Pragmatik der Bedeutungsregeln, in den Vordergrund seines erkenntnistheoretischen Interesses.
(Vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 1, S 241)

Axiom: abgeleitet von dem griechischen Wort »axioma«, bedeutet: der Satzinhalt, dessen Annahme vom Gesprächspartner gefordert wird Man versteht darunter einen einfachen Anfangssatz, aus dem weitere Sätze in Form eines Beweises gewonnen werden können. Der Anfangssatz ist, wie sein Name besagt, selbst nicht mehr ableitbar, also auch nicht beweisbar, sondern unmittelbar gegeben. Daß er nicht beweisbar ist, bedeutet nicht, daß er willkürlich gebildet werden kann, sondern besagt, daß er bereits aus sich selbst heraus einsichtig und gewiß ist.
Es gibt auch andere Deutungen. Eine davon gestattet im Interesse des Aufbaus einer Wissenschaft eine eingeschränkte Willkür in der Bildung von Axiomen, macht aber deren Verbindlichkeit davon abhängig, daß die aus ihnen abgeleiteten Sätze eine in sich widerspruchsfreie Wissenschaft ergeben. Den Gedanken, mehrere inhaltlich zusammengehörige Axiome zusammenzufassen und aus ihnen eine in sich geschlossene Wissenschaft abzuleiten - aus bestimmten geometrischen Axiomen z. B. eine bestimmte Geometrie -, nennt man axiomatische Theorie. Entsprechend ist eine axiomatische Wissenschaft ein aus den Axiomen abgeleitetes System von Sätzen. Eine der ersten auf diese Weise aufgebauten axiomatischen Wissenschaften ist die Geometrie, wie sie der griechische Wissenschaftler Euklid* um 300 v. Chr. in seinem Lehrbuch der Geometrie aufstellte. Sie ist immer gültig. Lange Zeit hielt man sie für die einzig mögliche Form von Geometrie. In neuerer Zeit hat man auf der Basis anderer Axiome oder Axiomenkombinationen weitere Geometrien als axiomatische Wissenschaften aufgebaut. Nach dem Muster des Euklid versuchten Galilei und Newton auch die Mechanik als axiomatische Wissenschaft aufzubauen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts dehnte man diese Versuche auch auf die Logik, die Arithmetik und die analytische Geometrie aus. 
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 644)
Die Deduktion bedient sich der Axiome als Ausgangsbasis.

B

Bacon, Roger: Engl. Philosoph und Naturforscher, * um 1214 Ilchester, + 11.6.1294 Oxford. Er führte die Scheidung von Theologie und Profanwissenschaften (Philosophie) konsequent durch; Erfahrung, Experiment und Mathematik sind ihm die drei Hauptsäulen der Wissenschaft. Er rief die Wissenschaft seiner Zeit von den Autoritäten zu den Sachen, von den Meinungen zu den Quellen, von der Dialektik zur Erfahrung, von den Büchern zur Natur und ließ dabei als die wirklich großen Philosophen Aristoteles, Avicenna und Averroes gelten.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 58)

Behaviorismus: In den USA enstandene Richtung der Psychologie, die sich streng auf das Beschreiben des Verhaltens lebender Organismen, d.h. der Reaktionen auf Reize beschränkt. Als Mittel der Beschreibung wird im wesentlichen nur das Instrumentarium der Naturwissenschaft zugelassen, nicht jedoch Unterscheidungen, die der Bewußtseinssphäre angehören.
(Vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 1, Bibliographisches Institut Mannheim, 1980, S. 274)

Berkley, George: Engl. Theologe und Philosoph, * 12.3.1685 Disert Castle in Irland, + 14.1.1753 Oxford. Berkeley lehrte, daß eine vom Wahrnehmen und Denken unabhängige Außenwelt nicht existiert. Das Sein der Dinge besteht nur in ihrem Wahrgenommenwerden, und real existiert überhaupt nichts außer der Substanz des Geistes, der Seele und des Ichs. Seiner Ansicht nach sind Vorstellungen für uns die Wirklichkeit.

Brezinka, Wolfgang: * 9.6.1928 Berlin, Professor der Erziehungswissenschaft an der Universität Konstanz.
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C

Carnap, Rudolf: Philosoph, * 18.5.1891 Ronsdorf, +14.9.1970, vertrat eine positivistisch-logische Philosophie.

Clauberg, Johannes: Deutscher Philosoph * 24.2.1622 Solingen, + 31.1.1665 Duisburg. Er wurde stark beeinflußt durch den Cartesianismus und gilt als Vorläufer des Okkasionalismus.
(Vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 1, S. 403)

Comte, Auguste: Franz. Philosoph, * 19.1.1798 Montpellier, + 5.9.1857 Paris; Hauptvertreter des klassischen Positivismus.

Condillac, Etienne Bonnot de: Franz. Philosoph, * 30.9.1714, Grenoble, + 3.8.1780 Flux bei Beaugency. Condillac ist der Begründer des neueren Sensualismus. Er sucht alle psychischen Vorgänge von der Erinnerung bis zum Denken und Wollen als Umformungen von Sinneswahrnehmungen (sensations), der einzigen Erkenntnisquelle, zu begreifen.

Contradictio in adjecto: (Lat. Widerspruch im Beiwort), z.B. hölzernes Eisen.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 104)

D

D'Alembert, Jean le Rond: französischer Naturwissenschaftler, * 16.11.1717 Paris, + 29.10.1783 Paris. D'Alembert ist der erste Vertreter des Positivismus.

Deduktion: Ableitung von Erkenntnissen aus anderen, allgemeineren. Sie darf an Faktischem nichts hinzufügen, was nicht schon in der Verallgemeinerung enthalten wäre. Der Gegensatz von Deduktion ist Induktion. Beide müssen sich in einer Erfahrungswissenschaft ergänzen; denn das Allgemeine, von dem das Besondere abgeleitet wird, wird durch Induktion gewonnen. Jedes methodische Vorgehen setzt Deduktion und Induktion voraus, da sie die beiden Pole der Erkenntnis miteinander verknüpfen.
In einer deduktiven Wissenschaft hängt die Wahrheit von Aussagen von ihrer Ableitbarkeit aus den zugehörigen Axiomen ab. Rein deduktiv sind eigentlich nur die Mathematik und die Logik, weil sich hier aus den allgemeinen Erkenntnissen des Raumes und der Zahl, bzw. des Denkens alle speziellen Eigenschaften ableiten lassen. Die klassische Logik definiert Deduktion nach Aristoteles als Syllogismus.
Teilweise deduktiv sind die ethischen Disziplinen (Ethik, Rechtslehre, Pädagogik), weil ihre allgemeinen Grundsätze zur Beurteilung von Besonderem dienen können. Alle anderen Wissenschaften gewinnen nur aus der Erfahrung die Kenntnis allgemeiner Gesetze.
Jede logische Deduktion läßt sich auf wenige logische Grundoperationen zurückführen, die ihrerseits in elektronischen Rechenmaschinen simuliert werden können. Das ermöglicht es, alle in mathematischen Ableitungen vorkommenden logischen Operationen in elektronische Rechenmaschinen zu verlegen und auch den Prozeß des logischen Schließens in solchen Rechenmaschinen zu simulieren. Auch das heuristische menschliche Denken, das nicht algorithmischen Charakter hat, läßt sich maschinell und kybernetisch imitieren.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 1449)

deskriptiv: (lat.) beschreibend

E

Empirismus: Erkenntnistheoretische Richtung, welche alle Erkenntnis aus der Sinneserfahrung ableitet; methodologisch das Prinzip, alle Wissenschaft, ja alle Lebenspraxis und Sittlichkeit darauf zu gründen. Der radikale Empirismus läßt dabei allein die Sinneswahrnehmung gelten, der gemäßigte Empirismus sie jedenfalls maßgeblich beteiligt sein.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 165)

Epikur: griechischer Philosoph, * 342/41 auf Samos, + 271/70 als Haupt der von ihm 306 gegründeten Philosophenschule. Seine Naturlehre ist stark angelehnt an die des Demokrit: Aus sich selbst heraus entwickeln sich die Welten in unendlicher Zahl und Folge, indem sich die Atome, außer denen nichts als der leere Raum existiert zusammenballen und wieder auflösen. In den Zwischenräumen (Intermundien) zwischen diesen Welten wohnen die Götter ewig und selig, ohne sich um die Welt und die Menschen zu kümmern.

Evidenz: (lat. evidens, "herausscheinend"), Augenscheinlichkeit, höchste, im Bewußtsein erlebte und zur Gewißheit führende Einsichtigkeit, das was dem Denken und der Erkenntnis "einleuchtet". Evidenz kann nach Kant nie aus Begriffen in "diskursiven" Erkenntnissen entspringen, sondern nur aus "intuitiven" Grundsätzen, Axiomen im engeren Sinn. Man unterscheidet zwischen psychologischer Evidenz (Gefühl des überzeugtseins) und logischer Evidenz, die die überzeugung von der Gültigkeit eines Urteils verleibt. Für die Wesenserfassung im phänomenologischen Sinn ist die Evidenz von besonderer Wichtigkeit.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 193)

Essentialismus: (lat. essentia für griech. ousia, "Wesen", "Washeit einer Sache", die zweite ousia im Sinne von Aristoteles; noch bei Augustinus "Substanz").
Die Tatsache, daß essentia und substantia zeitweise wechselseitig verwendet wurden zeigt, daß die Bedeutung in der Ausbildungsgeschichte des Wortes noch ungefestigt war. Durch Karl Popper in die Wissenschaftstheorie eingeführt. Essentialismus ist danach der Gegenbegriff zum Nominalismus im Universalienstreit und damit soviel wie Realismus, d.h. im E. wird eine wirkliche Existenz des Allgemeinbegriffs angennommen (z.B. die Weisheit). In Anwendung auf Methodologie hält der methodoligsche Essentialismus die Beschreibung der Wesenheiten für die Hauptaufgabe der Wissenschaft, während der methodologische Nominalismus die Aufgabe der Wissenschaft in der Beschreibung des Verhaltens der Dinge sieht.
Popper lehnt den Essentialismus ab.

explikativ: (lat.) erklärend

F

falsifizierbar: Unter Falsifikation versteht man den allgemeinen Nachweis der Falschheit einer Aussage. Also die Widerlegung eines empirischen Allsatzes durch ein Gegenbeispiel. So wird z.B. die Behauptung "Alle Raben sind schwarz" durch einen nichtschwarzen Raben falsifiziert. Popper meinte, daß in den Wissenschaften nicht nur ein isoliertes Gegenbeispiel genügt, das man durch Zusatzhypothesen vielleicht erklären könnte, sondern daß eine konkurrierende These zur Verfügung stehen muß, die mit dem Gegenbeispiel verträglich ist. Falsifikation ist also die Bewährung einer Gegenhypothese. Von ihr ist die Falsifizierbarkeit, d.h. die Widerlegbarkeit, zu unterscheiden. Nach Popper sind nur falsifizierbare, nicht aber falsifizierte Sätze in den Wissenschaften zuzulassen.

Feyerabend, Paul Karl: östereichisch-amerikaniscber Wissenschaftstheoretiker. * 13.1.1924 Wien. Feyerabend hat sich in seinen ersten Arbeiten zur Wissenschafts- und Erkenntnistheorie K.R. Popper's Kritik am logischen Empirismus angeschlossen und dabei besonders die Bedeutung theoretischer Begriffe und metaphysischer Orientierungen in den Wissenschaften unterstrichen. Später hat Feyerabend eine sinnvolle Rolle methodischer Standards für den Wissenschaftsfortschritt überhaupt bestritten und eine anarchistische bzw. dadaistische Erkenntnistheorie gefordert, der es nur noch um die Kultivierung eines kreativen, immer neue The orien über die Welt produzierenden Denkens und den Abbau aller durch methodische Normen erzeugten Denkverbote geht.
(Vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 1, S. 642)

Fichte, Johann Gottlieb: Philosoph, * 19.5.1762 Rammenau + 27.1.1814 Berlin, Fichte ging von Kants ethischem Rigorismus und Aktivismus aus. Philosophie ist für Fichte die wissenschaftliche Selbstbeobachtung der schöpferisch- ethischen Aktivität der Persönlichkeit. Deshalb nennt er seine Philosophie "Wissenschaftslehre". In diesem Sinne stellt Fichte drei "Tathandlungen" fest.
1. Ich setzt sich.
2. Ich setzt Nicht-Ich.
3. Ich setzt im Ich dem teilbaren Ich ein teilbares Nicht-lch entgegen.
Das Ich ist für ihn der Inbegriff von Geist, Wille, Sittlichkeit, Glaube. Das Nicht-Ich der Inbegriff des gegen die Trägheit rin genden Willens der Menschen. Es gibt also ursprünglich nur eine absolute Tätigkeit, das Ich. Die dingliche Welt außer uns ist nach Fichte nur das Produkt unserer eigenen Vorstellungen. Damit haben wir seiner Ansicht nach die Gewißheit der Freiheit.

Frege, Friedrich Ludwig Gottlob: deutscher Mathematiker, Logiker und Philosoph, * 8.11.1848 Wismar, + 26.7.1925, Bad Kleinen. Frege gilt als der Begründer der modernen mathematischen Logik.
(Vgl. Enzyklopädie Philosophie und Wissenschaftstheorie, Bd. 1, S. 671)

G

Geulincx, Arnold: Philosoph, 31.1.1624 Antwerpen, + November 1669 Leiden. Gründete, von dem Dualismus Descartes ausgehend, den Occasionalismus.

Guyau, Jean Marie: Franz. Philosoph, * 28.10.1854 Laval, + 31.3.1888 Mentone, ein er der bedeutendsten Vertreter des philosophischen Evolutionismus und ekstatischen Vitalismus in Frankreich.

H

Habermas, Jürgen: Professor in Frankfurt/M., * 18.6.1929 Düsseldorf. Habermas befaßt sich mit historischen Untersuchungen zur politischen Philosophie und Soziologie sowie mit Methodologie der Sozialwissenschaften.

Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Philosoph, * 27.8.1770 Stuttgart, + 14.11.1831 Berlin.

Heidegger, Martin: Philosoph, * 26.9.1889 Meßkirch, 1928-1945 Professor in Freiburg i. Br. + 26.5.1976 Meßkirch.

Heuristik: (griech. heuriskein - finden), Erfindungskunst; die Anleitung, auf methodischem Wege Neues zu finden; als Lehrprinzip stark vertreten in der Pädagogik. Von großem heuristischen Wert sind gute Hypothesen und Modelldarstellungen als Hilfsmittel der For schung. Das heuristische Verfahren im Fachunterricht besteht in der Darstellung des Weges, auf dem die Resultate einer Wissenschaft gefunden worden sind, im Gegensatz zur systematischen Darstellung".
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 277)

Hume, David: schott. Diplomat, Historiker und Philosoph, * 7.5.1711 Edingburgh, + 25.8.1776 Edingburgh, der bedeutendste Philosoph der englischen Aufklärung. Hume hat Lockes und Berkeleys Idealismus zu einem Positivismus weitergebildet, der insofern "Skeptizismus" ist, als er die Möglichkeit metaphysischer Erkenntnis bestreitet und auch innerhalb der Wissenschaft (mit Ausnahme der Mathematik) keine apriorische, von vorneherein absolut gewisse Erkenntnis anerkennt.

I

Induktion: (Lat. das Einfahren, Zuleiten), philosophische bzw. wissenschaftliche Methode, welche vom einzelnen Besonderen auf etwas Allgemeines, Gesetzmäßiges schließt. Sie ist daher immer eine Verallgemeinerung.
Gegensatz: Deduktion
(vgl. auch Poppers
Induktions- und Abgrenzungsproblem.)

J

K

Kant, Immanuel: Philosoph, * 1724 Königsberg, + 1804 Königsberg. Kant war einer der bedeutendsten Philosophen überhaupt, der der deutschen Philosophie den Anschluß an die europäische Tradition der Aufklärung vermittelte.
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Kant Hauptseite

Kontradiktion: Widerspruch; Bejahung und Verneinung ein und desselben Begriffs.

Kyrenaiker: griech. Philosophenschule, die Anhänger des Aristipp von Kyrene. Aristippos (435-355 v. Chr.) vertrat die Position, daß Erkenntnis allein auf Empfindungen beruht, deren Ursachen allerdings unerkennbar bleiben. Auch die Empfindungen anderer sind uns seiner Ansicht nach unzugänglich,wir können uns nur an ihre Äußerungen halten.

Kraft Victor: Philosoph, 1880-1975. Mitglied des Wiener Kreises.

L

Leibniz, Gottfried Wilhelm: Philosoph, Physiker, Mathematiker, Historiker und Diplomat, * 1.7.1646 Leipzig, + 14.11.1716

Lenk, Hans: * 23.3.1995 Berlin, Prof. in Karlsruhe, befaßt sich mit Fragen der Wissenschaftstheorie, Logik und analytischen Philosophie, sowie mit philosophischen Fragen der Mathematik, der Natur, Technik u.a. bis zur Sozialwissenschaft und Sozialphilosophie. Versucht philosophische Entwürfe und Rekonstruktionen zu einem neukritizistischen, praxisorientierten Philosophieren zu vereinen.

Hannover: Einer der universalsten und schöpferischsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts.

Lenzen, Dieter: geb. 1947. Dr. phil. Prof. für Philosophie der Erziehung an der Freien Universität Berlin.

Logizismus: Unter Logizismus versteht man die ausdrückliche Bevorzugung der logischen gegenüber der psychologischen Betrachtungsart. Es umschließt die Auffassung von der Mathematik als einer logischen Disziplin. Logizistisch meint von der Logik abhängend.

Lochner, Rudolf: 3.9.1895 in Prag. Mitbegründer der empirischen Erziehungswissenschaften. Lochner lehnt die traditionelle, deskriptiv normative Pädagogik ab und unterscheidet streng zwischen Erziehungswissenschaften, Philosophie der Erziehung und Erziehungslehre.

M

Mach, Ernst: Physiker und Philosoph, 18.2.1838 Turas in Mähren, + 19.2.1916 Haar bei München. Mach sah Ursprung und Ziel der Wissenschaft in der Befriedigung notwendiger Lebensbedürfnisse.

Malebranche, Nicolas: Franz. Philosoph, * 6.8.1638 Paris, + 13.10.1715, neben Geulincx das Haupt der Occasionalisten.

Marx, Karl: Philosoph und Sozialist * 5.5.1818 Trier, + 14.3.1883 London. Marx ist der Schöpfer des historischen Materialismus. Er bekämpfte den Idealismus, übernahm aber den rationalen Schematismus, insbesondere die Methode der Dialektik.

Materialismus: Der Materialismus ist eine philosophische Anschauung, die in der Materie den Grund und die Substanz aller Wirklichkeit sieht, also nicht nur der stofflichen, sondern auch der seelischen und der geistigen. Kennzeichnend für den Materialismus ist sein großer Respekt vor Naturwissenschaft und Technik und seine Verherrlichung der instrumentellen Vernunft.

Mill, John Stuart: Englischer Philosoph, Psychologe und Soziologe * 20.5.1806 London, + 8.5.1873 Avignon. Besonders bekannt durch sein System der induktiven und deduktiven Logik. Er setzte den klassischen Empirismus der engl. Philosophie fort, den er zum engl. Positivismus erweiterte. Mill ist neben Comte und Ardigo der bedeutendste Positivist des 19. Jahrhunderts. Nach Mill bildet die Grundlage aller Philosophie die Psychologie, die feststellt. Wirklich gegeben sind nur die jeweiligen Empfindungen und die Vorstellung von übergängen oder künftig möglichen Empfindungen. Begriffe sind bloße (sprachliche) Namen. Den aristotelischen Syllogismus verwirft Mill. Die Außenwelt ist in diesem Sinne die beständige Möglichkeit ähnlicher Empfindungen. Einzige Erkenntnisquelle ist die Erfahrung, einzig zulässiges Erkenntnisverfahren die Induktion.

Modalität: (Lat. modus, Art und Weise).
1. In Kants Kategorientafel die Bezeichnung für die Begriffe Möglichkeit, Existenz, Notwendigkeit und die entsprechenden Gegensätze Unmöglichkeit, Nicht-Existenz, Zufälligkeit. Nach Kant können die Urteile Kraft ihrer Modalität in drei Urteilsklassen eingeteilt werden: Problematische Urteile (griech. problema, Aufgabe) sagen, ob etwas möglicherweise der Fall ist; assertorische Urteile (Lat. assere, zusprechen) sagen, ob etwas tatsächlich der Fall ist; apodiktische Urteile (griech. apodeixis, Beweis) sagen, ob etwas notwendigerweise der Fall ist.

2. In der Logik heißt ein Urteil modal oder besitzt Modalität wenn es etwas über die Wahrheit eines bestimmten anderen Urteils p aussagt. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen logischer Modalität:
a) alethische Modalität (griech. aletheia, Wahrheit): Es ist logisch notwendig, daß p. Es ist kontingent (zufällig, möglich), daß p und es ist (logisch) unmöglich, daß p.
b) temporale Modalität (Lat. tempus, Zeit): Es ist jetzt der Fall, daß p, es war früher der Fall, daß p und es wird der Fall sein, daß p.
c) epistemische Modalität (griech. episteme, Wissen): Wir wissen, daß p und Wir wissen, daß nicht p.
d) deontische Modalität (griech. deon, Pflicht): Es ist erlaubt, daß p, es ist geboten, daß p und es ist moralisch gleichgültig (indifferent, neutral), daß p.

Modus ponens: (Lat. "bejahender Modus" Abtrennungsregel):
wichtige logische Schlußregel der Form: < A < A B > B >
(lies: Gilt sowohl A als auch, wenn A, dann B, so gilt auch B).
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 392 u. 393, Meyers Kleines Lexikon "Philosophie", S. 276., Aussagenlogik)

Modus tollens: (Lat. "verneinender Modus.):
wichtige logische Schlußregel der Form: < ¬B < A B > ¬A >
(lies: gilt sowohl die Negation der Aussage B als auch die Aussage, wenn A, dann B; dann gilt auch die Negation der Aussage A).
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 392 u. 393, Meyers Kleines Lexikon "Philosophie", S. 276., Aussagenlogik)

N

normativ: (lat.) bedeutet soviel wie: der heutigen Norm entsprechend

Nominalismus: Mit Nominalismus bezeichnet man heute eine philosophische Einstellung gegenüber Wahrheit und Wirklichkeit, die die Gewißheit von Erkenntnissen nicht metaphysisch-ontologisch, sondern empirisch-wissenschaftstheoretisch sichert. Der Nominalismus ist ohne seinen Gegensatz, den Begriffsrealismus nicht zu verstehen, von dem her er ursprünglich als philosophisch-theologische Häresie begriffen wurde. Die nominalistischen Lehren Roscellins wurden deshalb 1092 durch die katholische Kirche ebenso verdammt, wie die Wilhelm von Ockhams 1340. Im Verlaufe der abendländischen Geistesgeschichte wurde dennoch das gleiche Problem unter veränderten Bezeichnungen in den unterschiedlichsten Formen entwickelt. Noch heute bestimmt es, allgemein gesehen, im Gegensatz einer ontologisch-phänomenologischen Wesensphilosophie und einer antimetaphysisch-positivistischen Wissenschaftstheorie die schulphilosophische Diskussion. Der Gegensatz reicht bis ins Altertum zurück und bildet im Mittelalter das Thema des sogenannten Universalienstreits.
Es geht dabei um Wert und Bedeutung abstrakter Allgemeinbegriffe, der Universalien. Sind diese bloße Namen (lateinisch nomina), subjektive Allgemeinvorstellungen, pure Worte, die allein im Denken bestehen und keine objektive Gültigkeit unabhängig von diesem besitzen, da nur das Einzelne und Besondere, das Individuelle für die menschliche Erfahrung wirklich sein kann? So argumentierten schon die Stoiker gegen Platon, wenn sie Erkenntnis aus der sinnlichen Erfahrung, Begriffe aus der Abstraktion herleiten. Oder sind die Allgemeinbegriffe selbst Dinge (lateinisch res), die eine eigene ideale Wirklichkeit besitzen, die gleichsam ewige Urbilder der einzelnen realen Gegenstände darstellen, also zeitlich und in bezug auf ihre Dignität "vor" ihnen stehen? So dachte sowohl Platon als auch im Mittelalter Scotus Eruigena.
Oder existieren die Universalien nur "in" den Dingen, wie Thomas von Aquin im Sinne eines gemäßigten Realismus im Anschluß an Aristoteles lehrte? Das würde heißen, da0 sich vom realen Einzelnen, das unserer Erfahrung als Ausgangspunkt näher steht, eine objektive Brücke zu seinem allgemeinen Wesen, das der Sache nach den Vorrang genießt und ontologisch gesichert ist, schlagen läßt. Sagen also Allgemeinbegriffe nur etwas über die Art unserer Erfahrung oder über das Sein der Dinge aus?
Suchte und fand menschliche Erkenntnis in ihrer naturwissenschaftlichen Ausrichtung bis zu Kepler in einigen Bezirken bis heute eine metaphysisch-theologische Begründung, so veränderte sich mit der Entfaltung der Naturwissenschaften die metatheoretische Begründungsinstanz. Bereits in der Scholsatik konnte es nicht ausbleiben, daß das Schwergewicht der Deutung von Erkenntnis sich von der ontologisch-transzendenten auf die wissenschaftlich-immanente Seite verlagerte. Ockhams Lehren konnten sich durchsetzen, zumal auch die Theologie selbst die thomistische Harmonisierung dialektisch in Frage stellte: Für das Verständnis der Gessisensentscheidung des einzelnen wurden in zunehmendem Maße nominalistische Argumente aufgenommen. Der angezeigte Gegensatz konnte sich von dieser Ausgangsposition her in Systemen differenzieren, deren verstärkt realistische oder nominalistische Färbung bei Leibniz und den englischen Philosophen des 17. und 18. Jahrhunderts unübersehbar wird. Kant mit seiner transzendentalen Methode nahm die Gegensätzlichkeit auf und "überwand" sie, indem er die begrifflichen Voraussetzungen möglicher Gegenständlichkeiten durchleuchtete, seine Kritik aber zugleich einem umfassenden metaphysischen System von eigentümlich praktischer Natur einordnete.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3638)

O

Ontologie: Die Lehre vom Seienden, seinen Eigenschaftenim allgemeinen, seinen Arten und Stufen, dem Verhältnis zum Sein, zum Dasein, zum Wesen. Seit den Griechen wird sie als erste Philosophie, als Prinzipienwissenschaft angesehen. Ursprünglich als Metaphysik bezeichnet, bekam sie erst im 17. Jahrhundert, vor allem durch Christian Wolff, den Namen Ontologie. Heute ist damit zugleich das Bekenntnis zu einer Philosophie verbunden, die mit oder ohne Beziehung zur katholischen Theologie eine sichere Seinsgrundlage wissenschaftlicher und philosophischer Aussagen zugrunde legt, die demzufolge die prinzipielle Bedeutung der Erkenntnislehre Kantsbestreitet.
Ohne eine ausgesprochene Polaristaion vorauszusetzen, bildet der Begriff ein diagnostisches Indiz für eine philosophische Ausrichtung und Zuordnung. Im "Ontologismus" des 19. Jahrhunderts wurde eine letzte, absolute Konsequenz gezogen, indem das göttliche Sein dem Erkennen in der Gottesschau zugänglich wurde oder gar indem (im Sinne des Platonismus) die ewigen Ideen zur Wesens- und Erkenntnisgrundlage des einzelnen Seienden und seiner Bestimmung wurden und die Formel galt: "Das Wesen erzeugt die Existenz." Dem wurde dann theoretisch die Formel des atheistischen Existentialismus Jean Paul Sartres entgegengestellt, nach der die Existenz der Essenz vorausgeht, der Mensch zuerst existiert und sich danach definiert. Dieser Gegensatz macht deutlich, daß jede Deutung des Menschen und seiner Welt vor die Frage nach ihrer Rechtfertigung, ihrer ontologisch-metaphysischen oder emprisch-wissenschaftstheoretischen Begründung führt. Sie schließt keine besondere Bestätigung oder Infragestellung wissenschaftlicher Aussagen und ihrer axiomatischen Geltung ein. Ihr geht es vielmehr um Sinn und Bedeutung von Wirklichkeit und Gegenständlichket.
Die Gegebenheit dieser Gegenständlichkeit kann ganz verschieden verstanden werden. Edmund Husserls Phänomenologie begreift Ontologie als Wesenswissenschaft, die, indem sie die reale, historische oder psychologische Existenz der im Bewußtsein intendierten Gegenstände einklammert, zu deren reinem Wesen, der vermeinten Sache selbst vordringt. Auf ihrem Boden entwickelte Max Scheler seine materiale Wertethik, eine Ontologie objektiver kultureller Werte, schließlich eine philosophische Anthropologie, die Wesen und Stellung des Menschen im Kosmos bestimmt. Auch Martin Heideggers Fundamentalontologie geht auf Husserls phänomenologische Methode zurück. Indem sie im bekannten Werk "Sein und Zeit" (1928) das alltägliche Daseinsverständnis in seiner Geworfenheit, Zeitlichkeit und Geschichtlichkeit zum Ansatz nimm, dessen apriorische Strukturen erforscht, richtet sie sich nach der sogenannten "Kehre" auf das Sein selbst, das von sich her Vernunft in Anspruch nimt. Sein zeigt sich als der ursprünglichere Grund, der Dasein zu sich entläßt.
Der kritische Realismus Nicolai Hartmanns ist ebenfalls eine Ontologie, die dem Erkennen eine Welt an sich, unabhängig von diesm gegenüberstelltund sich als Hierarchie von Seinsschichten darstellt. Auf dem Anorganischen baut sich das organische, auf diesem das Seelische und Geistige auf, ohne daß die Seinskategorien der tragenden unteren Schicht die der oberen determinieren (bestimmen). Heideggers Frage nach dem Sein selbst wird hier nicht gestellt, denn das Problemdenken, dem nur jeweils mögliche Antworten erreichbar sind, weitere für erneute Bemühung offen bleiben.
Den modernen Formen von Ontologie, deren sehr unterschiedliche Seinsbegriffe eine objektive Transzendenz (mit Ausnahme von Hartmann), eine säkularisierte Vorstellung von etwas absolut Verbindlichem umschreiben, steht die neuscholastische alte Ontologie der katholischen Kirche gegenüber. Auf Aristoteles und Thomas zurückgehend, bezieht sich die Ordnung des Seienden auf den Menschen, richtet diese Ordnung ihrer Seinsfülle entsprechend aber zuletzt auf die Vollkommenheit Gottes aus.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3706)

P

Panlogismus: griech., All-Vernunft-Lehre, nach welcher der Logos, die Vernunft, als das absolut Wirkliche, die Welt als Verwirklichung der Vernunft aufzufassen ist. Panlogismus ist auch die Lehre von der logischen Natur des Weltalls. Die Philosophie Hegels wird auch Panlogismus genannt.

Pascal, Blaise: Franz. Philosoph, Mystiker und Mathematiker, * 19.6.1623 Clermont, + 19.8.1662 Paris. Pascal gilt als der Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Pascal sah die Grenze der Mathematik, an deren Entwicklung er selbst hervorragend beteiligt war, und des Rationalismus überhaupt besonders darin, daß sie nicht zu antworten vermögen auf die Fragen: Welches ist unsere Stellung in der Welt und welches ist der Weg zum Seelenfrieden. Deshalb kehren die großen Seelen, auch wenn sie alles nur irgend mögliche Wissen erworben haben, zur Unwissenheit zurück, zur Hingabe an die Offenbarung und die Gnade, die selbst ein Mysterium ist.

Phänomenologie: ist der Name eines von Edmund Husserl begründeten Denkansatzes der modernen Philosophie. Der Begriff selbst ist traditionell; bei Kant etwa bezeichnet er die Lehre von den Erscheinungen, bei Hegel, in den Titel seines großen Frühwerks "Phänomenologie des Geistes" eingegangen, meint er das Erscheinen des Geistes in seinen verschiedenen, auch geschichtlichen Stufen. Bei Franz Brentano, dem Lehrer Husserls, bezeichnet "phänomenologisch" die Verfahrensweise einer beschreibenden Psychologie geistiger Akte, Husserls selbst nun hält am Beschreiben geistiger Akte fest, versucht aber, die Psychologie zu entfernen. Nach Husserl sind Bewußtseinsakte, solche des Erkennens etwa, dadurch charakterisiert, daß sie sich, unabhängig von dem, der sie hat, auf einen Inhalt beziehen. Dieser Inhalt muß nun so beschrieben werden, wie er sich von sich aus darstellt, also ohne die Voraussetzung etwa, daß es ihn real in der Welt gibt. So werden nicht Dinge beschrieben, sondern Wesensinhalte, die, im Idealfall, in reiner Evidenz, gleichsam "geschaut" werden. In sich bleibend erkennt das Bewußtsein schließlich, daß ein "Sinnzusammenhang" der Welt nicht von der Realität abhängt, sondern vom Bewußtsein erst für die Realität gestiftet wird. Setzte Max Scheler diesen Ansatz nun in der Weise ein, daß er mit ihm die ethische Welt des lebenden Menschen zu durchdringen versuchte, so führte Martin Heidegger die Phänomenologie weiter, indem er sie, gegenüber Husserl, gleichsam verobjektivierte; sie soll wieder zu den Sachen selbst gehen, sie soll "das, was sich zeigt, so wie es sich von slebst her zeigt, von ihm selbst her sehen" lassen. Nicht ein auf Inhalte weisendes Bewußtsein wird beschrieben, sondern der niemals von seiner Welt isolierbare Mensch, der Mensch, für den die Welt, inbdem er, sich in ihr vorfindend, sich in sie hinein entwirft, geradezu die einzige Möglichkeit seines Seins ist. Der entscheidende Fortschritt der Phänomenologie, bei Husserl und bei Heidegger, besteht im Verwerfen trockener erkenntnistheoretischer Diskussion, positiv bei Husserl in der Hervorhebung der Sinn-Kategorie, bei Heidegger in der Bewertung des Zusammenhangs von lebendiger menschlicher Existenz und davon untrennbarer Welt.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3846)

Physikalismus: Diese philosophische Richtung hält alles für sinnlose Forschung, was nicht mit den Methoden der Physik erfaßbar und in ihrer Sprache darstellbar ist. Der Physikalismus wird geradezu unumgänglich von jenen nur exakt geschulten Naturwissenschaftlern vertreten, die von Wesen und Problemstellungen der Philosophie keine gründlichen Kenntnisse besitzen, diese deshalb zugunsten der eigenen begrenzten Methodologie, die sie zur "eigentlichen Philosophie" erheben, ablehnen müssen.

Popper Karl R.: Nennt sich selbst einen Realisten, der mit dem Alltagsverstand die Außenwelt und die Gesetzmäßigkeiten in ihr als real gegeben ansieht. Er lehnt dagegen die Auffassung ab, in der Wissenschaft sei irgendein Wesen der Dinge zu erfassen. Diesen sogenannten Essentialismus macht er verantwortlich für die Rückständigkeit der Sozial- gegenüber den Naturwissenschaften, wo methodologischer Nominalismus herrscht. Für den Essentialismus wäre die Frage charakteristisch: "Was ist Bewegung?". Für den Nominalismus: "Wie bewegt sich ein Planet?"

Dem entspricht die Tendenz des Essentialismus

Platon: griechischer Philosoph, * 27.5.427 v. Chr. Athen, + 347 Athen, eigentlich: Aristoteles, Sohn des Ariston und der Periktione. deren Vorfahren mit Solon verwandt waren. Zuerst Dichter, dann endgültig durch Sokrates, Philosoph, in der Antike mit Aristoteles der bedeutendste; unternahm große Reisen. Entscheidend wirksam seine Ideenlehre und seine Staatsphilosophie, die beide erst allmählich in Platon heranreiften. Platons Gedankengang: Wahrnehmung erkennt nicht Dauerndes, gibt also nicht Gewißheit, sondern nur täuschende Meinung (Höhlengleichnis). Nur die Begriffe sind, einmal richtig gebildet, stets unwandelbar, nur sie geben wirkliches Wissen. Der Begriff muß ein Objekt haben, worauf er sich bezieht. Dieses Objekt kann nicht identisch sein mit dem Objekt der sinnlichen Vorstellung. Es muß ein übersinnliches Objekt sein: Die Idee. In unseren Begriffen vollzieht sich also die Erkenntnis einer übersinnlichen Welt. Die Begriffe sind Abbilder der Ideen. In der Vielheit der Begriffe spiegelt sich die der Ideen. Die Begriffsbildung der menschlichen Seele ist ein Akt der Erinnerung an die Ideen selbst, die die Seele schaute, bevor sie an den Leib gebunden wurde. Die höchste Idee ist die der "Schöngutheit", oft auch von Platon als Gott aufgefaßt, der als Weltbildner zunächst die Weltseele als eine unkörperliche, die Welt durchdringende, bewegende Kraft formte. Die Materie für sich allein existiert nicht, zur Wirklichkeit wird sie erst durch die Ideen erweckt, die in ihr anwesend sind.
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Positivismus: Bezeichnung für eine Richtung in der Philosophie und Wissenschaft die vom "Positiven", d.h. vom Gegebenen Tatsächlichen, Sicheren, Zweifellosen, ausgeht, ihre Forschung und Darstellung darauf beschränkt und metaphysische Erörterungen für theoretisch unmöglich, praktisch nutzlos ansieht. Wesentliche Befürworter des Positivismus waren Comte, D'Alembert, Hume und Mill.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 578)

Pragmatismus: Seit dem amerikanischen Philosophen Peirce die Bezeichnung für eine philosophische Einstellung, die im Handeln (griech. pragma, praxis) des Menschen sein Wesen ausgedrückt findet und Wert und Unwert auch des Denkens in eine enge Beziehung dazu setzt. Peirce "pragmatische Maxime" gibt zunächst eine Methode der Begriffserklärung an: "überlege, welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten, wir dem Gegenstand unseres Begriffes in unserer Vorstellung zuschreiben. Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen das Ganze unseres Begriffes des Gegenstandes". Anders als der Vulgärpragmatismus setzt Peirce Wahrheit nicht mit faktischem Erfolg, gleich. Er bindet das Denken in einen Prozeß von Zweifel und überzeugung innerhalb einer prinzipiell falliblen Handlungs und Dialoggemeinschaft ein. Der Konsens über Handlungsregeln soll eine Handlungssicherheit wiederherstellen, die sich nicht auf untrügerische erste geistige oder sinnliche Gegebenheiten stützen läßt.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 581)

Q

quid facti? - was ist geschehen?

quid iuris? - was ist rechtens?

Quine, Willard van Orman: 25.6.1908 Ahran/ Ohio. Herausragender Logiker der sich vor allem der Sprachforschung widmet.

R

Ramsey, Frank Plumpton: (1903-30), engl. Philosoph und Logiker an der Universität Cambridge. Trug zur Vereinfachung des logischen Systems Russells bei und übte starken Einfluß auf die philosophische Diskussion der Grundlage der Mathematik aus.
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 481)

Rationalismus: Unter Rationalismus versteht man die Gesamtheit der philosophischen Richtungen, die auf verschiedene Art die Vernunft, das Denken, den Verstand subjektiv, die Vernünftigkeit, die logische Ordnung der Dinge objektiv in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellen. Der Rationalismus ist die Denkweise der Aufklärung und teilt deren Optimismus, insofern er an eine unbegrenzte menschliche Erkenntniskraft glaubt, die sich über kurz oder lang alles Seienden bemächtigen wird. Für den Rationalismus gibt es nur vorläufig, nicht aber grundsätzlich unlösbare Probleme.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 598)

Realismus: Lat. Der Realismus behauptet, daß es eine Wirklichkeit außerhalb unseres Bewußtseins gibt. Erkenntnistheoretisch bedeutet der Realismus im Gegensatz zum Idealismus die Annahme einer vom erkennenden Subjekt unabhängig bestehenden Dingwelt.

Reichenbach, Hans: Philosoph, * 26.9.1891 Hamburg, + 9.4.1953 Los Angeles, 1926-38 Professor in Berlin und Istanbul, seit 1938 an der California-Universität in Los Angeles. Mitbegründer des Wiener Kreises und einer der Hauptvertreter des Neupositivismus. Später ging er eigene Wege. Durch seine Untersuchungen der Grundlagen der Geometrie der logischen Struktur der Physik gelang Reichenbach zu einer Ablehnung der Apriorität von Raum und Zeit. Den Begriff der Wahrscheinlichkeit definiert er als einen statistischen. In seiner Wahrscheinlichkeitslogik spielen die Wahrscheinlichkeiten die Rolle von Wahrheitswerten.

Russel, Lord Bertrand: Engl. Mathematiker und Philosoph * 18.5.1872 Chepstow, + 2.2.1970 in Penrhyndendraeth, ursprünglich Vertreter eines platonischen Realismus, später Neopositivist und Wissenschaftstheoretiker. Logik ist ihm Universalmathematik im Sinne des Relationismus. Die Philosophie hat ihre Probleme aus den Naturwissenschaften zu entnehmen, sie ist deren Wegbereiterin und soll deren Prinzipien und Begriffe logisch analysieren und klären. Gegen Bradley vertritt er die Ansicht, daß die Beziehungen zwischen den Dingen zu deren Wesen gehören und daß Subjekt und Objekt unterscheidbar sind. Die Welt besteht aus logisch untereinander verbundenen Sinnesdaten (sensedata). Die Sinnesdaten verschiedener Gegenstände sind der "Geist" des Beobachters, die Sinnesdaten eines von mehreren Personen beobachteten Gegenstandes sind die Realität einer -wenn auch unbeweisbaren- Materie (Pluralismus, Probabilismus).

S

Schelling, Friedrich Wilhelm: Philosoph, * 27.1.1775 Leonberg, + 20.8.1854 Bad Ragaz. Auf dem Boden des Idealismus stehend, bildete er dessen übergang zur Romantik: Wegen seiner steten Wandlung der "Proteus der Philosophie" genannt.

Schlick, Moritz: Philosoph, * 14.4.1882 Berlin, + 22.6.1936 Wien (ermordet), Begründer des "Wiener Kreises", Vertreter eines empirischen Realismus, von Carnap und Wittgenstein beeinflußt, arbeitete hauptsächlich über das Wahrheitsproblem, über Erkenntnislehre sowie über den apriorischen Charakter von Logik und Mathematik; verwarf die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori und versuchte das psychophysische Problem physikalisch zu lösen. Aufgabe der Philosophie sei es, Begriffe logisch zu erklären. Schlick selbst untersuchte die Begriffe Raum, Zeit, Materie. Kausalität, Wahrscheinlichkeit, Organisches, Wertung, Hedonismus, freier Wille, ethisches Motiv.

Scholastiker: So hießen zuerst die Lehrer der "sieben freien Künste", dann der Theologie und Philosophie des christlichen Mittelalters seit dem 9. Jahrhundert, soweit sie mit den von der griechischen Philosophie gelieferten Denkmitteln die Kirchenlehre logisch zu begründen und zu befestigen suchen. Ihre Methode ist vorwiegend definitorisch, syllogistisch, deduktiv, ihr Denken bewegt sich meist im Begrifflichen, Abstrakten, das vielfach vergegenständlicht wird.
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 648)

Schopenhauer Arthur: Deutscher Philosoph, * 1788 Danzig, + 1860 Frankfurt am Main. In seinem Hauptwerk "Die Welt als Wille und Vorstellung" entwirft Shopenhauer eine umfassende Willensmetaphysik. Denkanstöße geben ihm Platon, Kant und die indigenen "Upanishaden"
(Vgl. dtv-Atlas zur Philosophie, S. 161)
-> Shopenhauer Hauptseite

Schrödinger, Erwin: Physiker, * 12.8.1887 Wien, + 4.1.1961 Wien. Arbeitete über Quantenmechanik und die Wellentheorie.

Semantik: Bedeutung einer Sprache. Worte, alleinstehend und in ihrem Zusammenhangm, haben eine bestimmte Bedeutung.

Sensualistisch: Alle Erkenntnis wird aus den Sinnesempfindungen abgeleitet.

Sophisten: (griechisch sophistes, Meister, Künstler) war in der griechischen Antike seit etwa dem 5. Jahrhundert v. Chr. zunächst die Bezeichnung für die meist herumziehenden Weisen und Gelehrten. Aber auch hochgeachtete Staatsmänner, die sich vornehmlich durch rhetorisches Geschick auszeichneten (wie etwa Solon) wurden noch Sophisten genannt; eine durchaus ehrende Bezeichnung also. Zu jener Zeit setzte aber auch bald eine Reaktion ein, die sich dem aufklärerischen Geist, den die Sophisten in die städtische Bevölkerung trugen, widersetzte. Wortführer war hier besonders Platon, der in vielen seiner Dialoge den Sokrates als Spötter und Verächtlichmacher der Protagoras, Gorgias und Hippias auftreten ließ. Da deren Interesse nicht auf die Ausformulierung theoretischer Wahrheiten ging, die als die ontologisch prägenden Größen des gesamten Seins ausgegeben wurden, sondern auf die Hebung der Einsichtsfähigkeit der Bürger Attikas, waren die Sophisten konservativen Adligen wie Platon ein Dorn im Auge. Die Taktik, den Rhetoriklehrern Geldschneiderei, Großsprecherei und Demagogie nachzusagen, hatte ebenso Erfolg wie die, ihre Wahrheitsliebe anzuzweifeln. Auch wenn der tatsächliche, nicht der platonisch verklärte Sokrates sehr stark in der Tradition der Sophisten stand, siegte im Ringen zwischen Aufklärung und Metaphysik die weitgehend das abendländische Denken bis heute bestimmende Lehre Platons.
Erst in der römischen Kaiserzeit konnte sich wieder eine Einschätzung der Sophisten behaupten, die positiv war: Griechische Bildung der Schriftsteller und Dichter brachte ihnen die bewundernde Bezeichnung "Sophist" ein. Aristides, Aelius und Aelian zeichneten sich zu dieser Zeit durch ebensolchen Kenntnisreichtum und den Versuch logischer Schärfe in Ansatz und Durchführung ihrer Problemstellungen aus wie ihre platonischen Vorgänger. Gerade diese intellektuellen Qualitäten bilden aber auch heute noch die Grundlage für die Diffamierung, jemand sei ein "Sophist", wenn er versucht die rein im Erfahrungswissen verhafteten Zeitgenossen über die tatsächlichen Wurzeln ihrer Vorurteile aufzuklären.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 4492)

Spinoza, Benedictus de: Philosoph, * 24.11.1632 Amsterdam, + 21.2.1677 in Haag. Nach Spinoza führt nur die mathematische Denkweise zur Wahrheit.

Stegmüller, Wolfgang: Prof. in München, * 3.6. 1923 Natters, Tirol. Versteht die Philosophie als eine Wissenschaft, die rational über intersubjektiv nachprüfbare Aussagen zu argumentieren hat, deren Anzahl sich begrenzt nachweisen läßt.

Stoiker: Weitverbreitete Strömung der griechischen Philosophie. die um 300 vor Christus von Zenon aus Kition begründet wurde. In der Kaiserzeit war die Stoa eine Art ethischer Religion des römischen Volkes geworden. Gott und Natur waren der Stoa, die nach Art des Elektizismus bzw. Synkretismus die verschiedensten Lehren in sich aufnahm.

Syllogismus: (griechisch syllogismos, Zusammenrechnung). Ein Syllogismus ist ein logisches Schlußverfahren, dessen Theorie zuerst Aristoteles entwickelte. Es beruht auf dem Grundprinzip, daß, sagt man a von allen b, b von allen c aus, a von allen c ausgesagt ist, also a, b und c identisch sind. Es handelt sich hier also nicht um eine unmittelbare Folgerung, sondern um einen mittelbaren Schluß, der durch einen Mittelbegriff M zwischen einem weiteren Prädikatsbegriff P und einem engeren Subjektsbegriff S gestiftet wird.
Dies geschieht mit Hilfe zweier Sätze, den Prämissen, die zum Schluß, der Konklusion, führen.

Allgemein ist das die Schlußform: 



Alle M sind P
Alle S sind M
=======
Alle S sind P

Klassisches Beispiel: Alle Menschen sind sterblich. Sokrates ist ein Mensch. Also ist Sokrates sterblich.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 4698)

Synonym: gleichbedeutend, äquivalent. Ein Synonym ist ein anderer Begriff für dieselbe Bedeutung.

Syntax: Regelsystem zur Erzeugung von Sätzen. Die Syntax legt dabei die Struktur der zugehörigen Sprache fest. Für jeden Satz dieser Sprache kann eine Reihenfolge der Syntax-Regeln angegeben werden, die ihn ergeben. Alle anderen Sätze sind syntaktisch falsch und somit nicht Element dieser Sprachmenge.

T

Tautologie: (Griech. tautologein - "dasselbe sagen") überflüssige, mitunter jedoch auch notwendige Verdopplung einer Aussage. überflüssige Tautologien, z.B. "bereits schon", "kleines Kerlchen". Auch die Zirkeldefinition -Diallele- ist eine überflüssige Tautologie. Notwendige Tautologie ist jede Wortklärung (Nominaldefinition), z.B. "Rotation ist Bewegung um eine Achse". Die neuere Logik faßt auch logische Axiome und analytische Urteile als Tautologien auf, sofern sie durch Inhaltserläuterungen zur Eindeutigkeit des Gemeinten beitragen.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 685) .

Topitsch, Ernst: Prof. für Philosophie in Graz, * 20.3.1919 Wien, befaßt sich mit Fragen der Sozialtheorie, Wissenschaftslogik und Weltanschauungsanalyse, bzw. mit der Analyse der für die traditionelle Auffassung der Welt, der Seele und der Erkenntnis grundlegenden Denkformen vom Standpunkt der modernen Wissenschaftslehre und Ideologiekritik.

Transzendentalismus: Nach Kant im Sinne des Kritizismus rein System aller Verstandesbegriffe und Grundsätze. Aber nur insofern sie auf Gegenstände gehen, welche den Sinnen gegeben und also durch Erfahrung belegt werden können."
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S 732)

Turgot, Anne Robert Jaquese: (1727-1781) Staatsmann und Minister. Turgot ist ein Vorläufer des Comteschen Positivismus. Seiner Lehre nach schreitet der menschliche Geist naturgemäß fort. Die Erkenntnis der Natur schreitet von mythologischen zu metaphysischen-abstrakten und von diesen zu quantitativ-exakten Erklärungen vor.
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 770)

U

V

verifizierbar: (Lat. verificare "die Wahrheit erweisen"), Bewahrheitung. Eine Annahme, Hypothese kann sowohl durch Erfahrung als auch - sofern es sich um mathematisierbare Strukturmodelle handelt, formal durch bündigen logischen Beweis verifiziert werden.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 754)

W

Weber, Max: Nationalökonom, Soziologe und Politiker, * 21.4.1864 Erfurt, + 14.6.1920, München. Weber suchte scharf zu trennen: Erfahrungswissen und wertende Beurteilung, einseitige partikulare Erkenntnis und Ergreifen des Totalen, empirische Wirklichkeit und Wesen des Seins.

"Wiener Kreis": bestehend aus einigen Schülern von Moritz Schlick, vertraten den Neupositivismus. Hauptvertreter des Neupositivismus waren Schlick, Carnap und Reichenbach. Das Insgesamt des Neupositivismus hat sich weniger als Philosophie hauptsächlich als Wissenschaftslogik und Grundlagenforschung weiterentwickelt.

Wittgenstein, Ludwig: Philosoph * 26.4.1889 in Wien, + 29.4.1951 Cambridge. Wittgenstein lehrte im "Tractatus", der einzigen zu seinen Lebzeiten (1921) publizierten Schrift, daß die Erkenntnis ein Abbild von (voneinander unabhängigen) Tatsachen ist. Urteile sind "Wahrheitsfunktionen" einzelner Aussagen, d.h. logische Ableitungen von Tatsachen. Die Logik hat einen rein tautologischen Charakter, sie besagt nichts über die Wirklichkeit. Es sei daher ein Fehler der Wissenschaft, mit einer Sprachlogik zu rechnen. Das dem Denken und dem Sein gemeinsame könne nicht ausgesagt, sondern nur geschaut und mittels Symbolen gezeigt werden. In seiner späteren Arbeit "Philosophische Untersuchungen" hat W. bekanntlich die meisten dieser Ansichten aus dem "Tractatus" widerrufen und behielt nur das ursprüngliche Ziel einer Destruktion der Philosophie bei. Seine Position ist die, daß die Konzeption einer idealen Sprache fallengelassen wird und eine Vielzahl von Sprachspielen der "natürlichen" Sprache untersucht wird.

Wolff, Christian: Philosoph und Mathematiker, * 24.1.1679 Breslau, + 9.4.1754 Halle. Seit 1707 war Wolff Professor in Halle. Er schuf das System des deutschen Rationalismus, unter Verwendung aristotelischer, stoischer, auch scholastischer Gedanken.

X

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