Kant Hauptseite
Kontradiktion: Widerspruch; Bejahung und Verneinung ein und desselben Begriffs.
Kyrenaiker: griech.
Philosophenschule, die Anhänger des Aristipp von Kyrene. Aristippos (435-355 v. Chr.) vertrat die Position,
daß Erkenntnis allein auf Empfindungen beruht, deren Ursachen allerdings unerkennbar bleiben. Auch die
Empfindungen anderer sind uns seiner Ansicht nach unzugänglich,wir können uns nur an ihre Äußerungen halten.
Kraft Victor: Philosoph, 1880-1975. Mitglied des Wiener Kreises.
L
Leibniz, Gottfried Wilhelm: Philosoph, Physiker, Mathematiker, Historiker und Diplomat,
* 1.7.1646 Leipzig, + 14.11.1716
Lenk, Hans: * 23.3.1995 Berlin, Prof. in Karlsruhe, befaßt sich mit Fragen der Wissenschaftstheorie,
Logik und analytischen Philosophie, sowie mit philosophischen Fragen der Mathematik, der Natur, Technik u.a.
bis zur Sozialwissenschaft und Sozialphilosophie. Versucht philosophische Entwürfe und Rekonstruktionen
zu einem neukritizistischen, praxisorientierten Philosophieren zu vereinen.
Hannover: Einer der universalsten und schöpferischsten Gelehrten des 17. Jahrhunderts.
Lenzen, Dieter: geb. 1947. Dr. phil. Prof. für Philosophie der Erziehung an der Freien Universität Berlin.
Logizismus: Unter Logizismus versteht man die ausdrückliche Bevorzugung der logischen gegenüber
der psychologischen Betrachtungsart. Es umschließt die Auffassung von der Mathematik als einer logischen
Disziplin. Logizistisch meint von der Logik abhängend.
Lochner, Rudolf: 3.9.1895 in Prag. Mitbegründer der empirischen Erziehungswissenschaften. Lochner
lehnt die traditionelle, deskriptiv normative Pädagogik ab und unterscheidet streng zwischen
Erziehungswissenschaften, Philosophie der Erziehung und Erziehungslehre.
M
Mach, Ernst:
Physiker und Philosoph, 18.2.1838 Turas in Mähren, + 19.2.1916 Haar bei München. Mach sah Ursprung und
Ziel der Wissenschaft in der Befriedigung notwendiger Lebensbedürfnisse.
Malebranche, Nicolas: Franz. Philosoph, * 6.8.1638 Paris, + 13.10.1715, neben Geulincx
das Haupt der Occasionalisten.
Marx, Karl: Philosoph und Sozialist * 5.5.1818 Trier, + 14.3.1883 London. Marx ist der Schöpfer
des historischen Materialismus. Er bekämpfte den Idealismus, übernahm aber den rationalen Schematismus,
insbesondere die Methode der Dialektik.
Materialismus:
Der Materialismus ist eine philosophische Anschauung, die in der Materie den Grund und die Substanz
aller Wirklichkeit sieht, also nicht nur der stofflichen, sondern auch der seelischen und der geistigen.
Kennzeichnend für den Materialismus ist sein großer Respekt vor Naturwissenschaft und Technik und seine
Verherrlichung der instrumentellen Vernunft.
Mill, John Stuart: Englischer Philosoph, Psychologe und Soziologe * 20.5.1806 London, + 8.5.1873
Avignon. Besonders bekannt durch sein System der induktiven und deduktiven Logik. Er setzte den klassischen
Empirismus der engl. Philosophie fort, den er zum engl. Positivismus erweiterte. Mill ist neben Comte und
Ardigo der bedeutendste Positivist des 19. Jahrhunderts. Nach Mill bildet die Grundlage aller Philosophie
die Psychologie, die feststellt. Wirklich gegeben sind nur die jeweiligen Empfindungen und die Vorstellung
von übergängen oder künftig möglichen Empfindungen. Begriffe sind bloße (sprachliche) Namen. Den
aristotelischen Syllogismus verwirft Mill. Die Außenwelt ist in diesem Sinne die
beständige Möglichkeit ähnlicher Empfindungen. Einzige Erkenntnisquelle ist die Erfahrung, einzig zulässiges
Erkenntnisverfahren die Induktion.
Modalität: (Lat. modus, Art und Weise).
1. In Kants Kategorientafel die Bezeichnung für die Begriffe Möglichkeit, Existenz, Notwendigkeit und die
entsprechenden Gegensätze Unmöglichkeit, Nicht-Existenz, Zufälligkeit. Nach Kant können die Urteile Kraft
ihrer Modalität in drei Urteilsklassen eingeteilt werden: Problematische Urteile (griech. problema, Aufgabe)
sagen, ob etwas möglicherweise der Fall ist; assertorische Urteile (Lat. assere, zusprechen) sagen, ob
etwas tatsächlich der Fall ist; apodiktische Urteile (griech. apodeixis, Beweis) sagen, ob etwas
notwendigerweise der Fall ist.
2. In der Logik heißt ein Urteil modal oder besitzt Modalität wenn es etwas über die Wahrheit eines
bestimmten anderen Urteils p aussagt. Man unterscheidet zwischen verschiedenen Formen logischer Modalität:
a) alethische Modalität (griech. aletheia, Wahrheit): Es ist logisch notwendig, daß p. Es ist
kontingent (zufällig, möglich), daß p und es ist (logisch) unmöglich, daß p.
b) temporale Modalität (Lat. tempus, Zeit): Es ist jetzt der Fall, daß p, es war früher der Fall,
daß p und es wird der Fall sein, daß p.
c) epistemische Modalität (griech. episteme, Wissen): Wir wissen, daß p und Wir wissen, daß nicht p.
d) deontische Modalität (griech. deon, Pflicht): Es ist erlaubt, daß p, es ist geboten, daß
p und es ist moralisch gleichgültig (indifferent, neutral), daß p.
Modus ponens:
(Lat. "bejahender Modus" Abtrennungsregel):
wichtige logische Schlußregel der Form:
< A
<
A
B >
B >
(lies: Gilt sowohl A als auch, wenn A, dann B, so gilt auch B).
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 392 u. 393,
Meyers Kleines Lexikon "Philosophie", S. 276.,
Aussagenlogik)
Modus tollens:
(Lat. "verneinender Modus.):
wichtige logische Schlußregel der Form:
< ¬B
< A
B >
¬A >
(lies: gilt sowohl die Negation der Aussage B als auch die Aussage, wenn A, dann B; dann gilt auch die
Negation der Aussage A).
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 392 u. 393,
Meyers Kleines Lexikon "Philosophie", S. 276.,
Aussagenlogik)
N
normativ: (lat.) bedeutet soviel wie: der heutigen Norm entsprechend
Nominalismus: Mit Nominalismus bezeichnet man heute eine philosophische Einstellung gegenüber Wahrheit
und Wirklichkeit, die die Gewißheit von Erkenntnissen nicht metaphysisch-ontologisch,
sondern empirisch-wissenschaftstheoretisch sichert. Der Nominalismus ist ohne seinen Gegensatz, den
Begriffsrealismus nicht zu verstehen, von dem her er ursprünglich als philosophisch-theologische Häresie
begriffen wurde. Die nominalistischen Lehren Roscellins wurden deshalb 1092 durch die katholische Kirche
ebenso verdammt, wie die Wilhelm von Ockhams 1340. Im Verlaufe der abendländischen Geistesgeschichte wurde
dennoch das gleiche Problem unter veränderten Bezeichnungen in den unterschiedlichsten Formen entwickelt.
Noch heute bestimmt es, allgemein gesehen, im Gegensatz einer ontologisch-phänomenologischen Wesensphilosophie
und einer antimetaphysisch-positivistischen Wissenschaftstheorie die schulphilosophische Diskussion. Der
Gegensatz reicht bis ins Altertum zurück und bildet im Mittelalter das Thema des sogenannten
Universalienstreits.
Es geht dabei um Wert und Bedeutung abstrakter Allgemeinbegriffe, der Universalien. Sind diese bloße Namen
(lateinisch nomina), subjektive Allgemeinvorstellungen, pure Worte, die allein im Denken bestehen und keine
objektive Gültigkeit unabhängig von diesem besitzen, da nur das Einzelne und Besondere, das Individuelle
für die menschliche Erfahrung wirklich sein kann? So argumentierten schon die Stoiker
gegen Platon, wenn sie Erkenntnis aus der sinnlichen Erfahrung, Begriffe aus der Abstraktion herleiten.
Oder sind die Allgemeinbegriffe selbst Dinge (lateinisch res), die eine eigene ideale Wirklichkeit besitzen,
die gleichsam ewige Urbilder der einzelnen realen Gegenstände darstellen, also zeitlich und in bezug auf
ihre Dignität "vor" ihnen stehen? So dachte sowohl Platon als auch im Mittelalter Scotus Eruigena.
Oder existieren die Universalien nur "in" den Dingen, wie Thomas von Aquin im Sinne eines gemäßigten
Realismus im Anschluß an Aristoteles lehrte? Das würde heißen, da0 sich vom realen Einzelnen, das unserer
Erfahrung als Ausgangspunkt näher steht, eine objektive Brücke zu seinem allgemeinen Wesen, das der Sache
nach den Vorrang genießt und ontologisch gesichert ist, schlagen läßt. Sagen also Allgemeinbegriffe nur
etwas über die Art unserer Erfahrung oder über das Sein der Dinge aus?
Suchte und fand menschliche Erkenntnis in ihrer naturwissenschaftlichen Ausrichtung bis zu Kepler in
einigen Bezirken bis heute eine metaphysisch-theologische Begründung, so veränderte sich mit der
Entfaltung der Naturwissenschaften die metatheoretische Begründungsinstanz. Bereits in der
Scholsatik konnte es nicht ausbleiben, daß das Schwergewicht der Deutung von
Erkenntnis sich von der ontologisch-transzendenten auf die wissenschaftlich-immanente Seite verlagerte.
Ockhams Lehren konnten sich durchsetzen, zumal auch die Theologie selbst die thomistische Harmonisierung
dialektisch in Frage stellte: Für das Verständnis der Gessisensentscheidung des einzelnen wurden in
zunehmendem Maße nominalistische Argumente aufgenommen. Der angezeigte Gegensatz konnte sich von dieser
Ausgangsposition her in Systemen differenzieren, deren verstärkt realistische oder nominalistische
Färbung bei Leibniz und den englischen Philosophen des
17. und 18. Jahrhunderts unübersehbar wird. Kant mit seiner transzendentalen
Methode nahm die Gegensätzlichkeit auf und "überwand" sie, indem er die begrifflichen Voraussetzungen
möglicher Gegenständlichkeiten durchleuchtete, seine Kritik aber zugleich einem umfassenden metaphysischen
System von eigentümlich praktischer Natur einordnete.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3638)
O
Ontologie: Die Lehre vom Seienden, seinen Eigenschaftenim allgemeinen, seinen Arten und Stufen,
dem Verhältnis zum Sein, zum Dasein, zum Wesen. Seit den Griechen wird sie als erste Philosophie, als
Prinzipienwissenschaft angesehen. Ursprünglich als Metaphysik bezeichnet, bekam sie erst im 17. Jahrhundert,
vor allem durch Christian Wolff, den Namen Ontologie. Heute ist damit zugleich das Bekenntnis zu einer
Philosophie verbunden, die mit oder ohne Beziehung zur katholischen Theologie eine sichere Seinsgrundlage
wissenschaftlicher und philosophischer Aussagen zugrunde legt, die demzufolge die prinzipielle Bedeutung der
Erkenntnislehre Kantsbestreitet.
Ohne eine ausgesprochene Polaristaion vorauszusetzen, bildet der Begriff ein diagnostisches Indiz für eine
philosophische Ausrichtung und Zuordnung. Im "Ontologismus" des 19. Jahrhunderts
wurde eine letzte, absolute Konsequenz gezogen, indem das göttliche Sein dem Erkennen in der Gottesschau
zugänglich wurde oder gar indem (im Sinne des Platonismus) die ewigen Ideen zur Wesens- und
Erkenntnisgrundlage des einzelnen Seienden und seiner Bestimmung wurden und die Formel galt: "Das Wesen
erzeugt die Existenz." Dem wurde dann theoretisch die Formel des atheistischen Existentialismus Jean Paul
Sartres entgegengestellt, nach der die Existenz der Essenz vorausgeht, der Mensch zuerst existiert und sich
danach definiert. Dieser Gegensatz macht deutlich, daß jede Deutung des Menschen und seiner Welt vor die
Frage nach ihrer Rechtfertigung, ihrer ontologisch-metaphysischen oder emprisch-wissenschaftstheoretischen
Begründung führt. Sie schließt keine besondere Bestätigung oder Infragestellung wissenschaftlicher
Aussagen und ihrer axiomatischen Geltung ein. Ihr geht es vielmehr um Sinn und
Bedeutung von Wirklichkeit und Gegenständlichket.
Die Gegebenheit dieser Gegenständlichkeit kann ganz verschieden verstanden werden. Edmund Husserls
Phänomenologie begreift Ontologie als Wesenswissenschaft, die, indem sie die
reale, historische oder psychologische Existenz der im Bewußtsein intendierten Gegenstände einklammert,
zu deren reinem Wesen, der vermeinten Sache selbst vordringt. Auf ihrem Boden entwickelte Max Scheler
seine materiale Wertethik, eine Ontologie objektiver kultureller Werte, schließlich eine philosophische
Anthropologie, die Wesen und Stellung des Menschen im Kosmos bestimmt. Auch Martin Heideggers
Fundamentalontologie geht auf Husserls phänomenologische Methode zurück. Indem sie im bekannten Werk
"Sein und Zeit" (1928) das alltägliche Daseinsverständnis in seiner Geworfenheit, Zeitlichkeit und
Geschichtlichkeit zum Ansatz nimm, dessen apriorische Strukturen erforscht, richtet sie sich nach der
sogenannten "Kehre" auf das Sein selbst, das von sich her Vernunft in Anspruch nimt. Sein zeigt sich als
der ursprünglichere Grund, der Dasein zu sich entläßt.
Der kritische Realismus Nicolai Hartmanns ist ebenfalls eine Ontologie, die dem Erkennen eine Welt
an sich, unabhängig von diesm gegenüberstelltund sich als Hierarchie von Seinsschichten darstellt.
Auf dem Anorganischen baut sich das organische, auf diesem das Seelische und Geistige auf, ohne daß
die Seinskategorien der tragenden unteren Schicht die der oberen determinieren (bestimmen). Heideggers
Frage nach dem Sein selbst wird hier nicht gestellt, denn das Problemdenken, dem nur jeweils mögliche
Antworten erreichbar sind, weitere für erneute Bemühung offen bleiben.
Den modernen Formen von Ontologie, deren sehr unterschiedliche Seinsbegriffe eine objektive
Transzendenz (mit Ausnahme von Hartmann), eine säkularisierte Vorstellung von etwas absolut
Verbindlichem umschreiben, steht die neuscholastische alte Ontologie der
katholischen Kirche gegenüber. Auf Aristoteles und Thomas zurückgehend,
bezieht sich die Ordnung des Seienden auf den Menschen, richtet diese Ordnung ihrer Seinsfülle
entsprechend aber zuletzt auf die Vollkommenheit Gottes aus.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3706)
P
Panlogismus:
griech., All-Vernunft-Lehre, nach welcher der Logos, die Vernunft, als das absolut Wirkliche, die Welt
als Verwirklichung der Vernunft aufzufassen ist. Panlogismus ist auch die Lehre von der logischen Natur
des Weltalls. Die Philosophie Hegels wird auch Panlogismus genannt.
Pascal, Blaise:
Franz. Philosoph, Mystiker und Mathematiker, * 19.6.1623 Clermont, + 19.8.1662 Paris. Pascal gilt als
der Begründer der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Pascal sah die Grenze der Mathematik, an deren Entwicklung
er selbst hervorragend beteiligt war, und des Rationalismus überhaupt besonders darin, daß sie nicht zu
antworten vermögen auf die Fragen: Welches ist unsere Stellung in der Welt und welches ist der Weg zum
Seelenfrieden. Deshalb kehren die großen Seelen, auch wenn sie alles nur irgend mögliche Wissen erworben
haben, zur Unwissenheit zurück, zur Hingabe an die Offenbarung und die Gnade, die selbst ein Mysterium ist.
Phänomenologie: ist der Name eines von Edmund Husserl begründeten Denkansatzes der modernen Philosophie.
Der Begriff selbst ist traditionell; bei Kant etwa bezeichnet er die Lehre von den
Erscheinungen, bei Hegel, in den Titel seines großen Frühwerks
"Phänomenologie des Geistes" eingegangen, meint er das Erscheinen des Geistes in seinen verschiedenen, auch
geschichtlichen Stufen. Bei Franz Brentano, dem Lehrer Husserls, bezeichnet "phänomenologisch" die Verfahrensweise
einer beschreibenden Psychologie geistiger Akte, Husserls selbst nun hält am Beschreiben geistiger Akte fest,
versucht aber, die Psychologie zu entfernen. Nach Husserl sind Bewußtseinsakte, solche des Erkennens etwa,
dadurch charakterisiert, daß sie sich, unabhängig von dem, der sie hat, auf einen Inhalt beziehen. Dieser
Inhalt muß nun so beschrieben werden, wie er sich von sich aus darstellt, also ohne die Voraussetzung etwa, daß
es ihn real in der Welt gibt. So werden nicht Dinge beschrieben, sondern Wesensinhalte, die, im Idealfall, in
reiner Evidenz, gleichsam "geschaut" werden. In sich bleibend erkennt das Bewußtsein schließlich, daß ein
"Sinnzusammenhang" der Welt nicht von der Realität abhängt, sondern vom Bewußtsein erst für die Realität
gestiftet wird. Setzte Max Scheler diesen Ansatz nun in der Weise ein, daß er mit ihm die ethische Welt des
lebenden Menschen zu durchdringen versuchte, so führte Martin Heidegger
die Phänomenologie weiter, indem er sie, gegenüber Husserl, gleichsam verobjektivierte; sie soll wieder zu den
Sachen selbst gehen, sie soll "das, was sich zeigt, so wie es sich von slebst her zeigt, von ihm selbst her
sehen" lassen. Nicht ein auf Inhalte weisendes Bewußtsein wird beschrieben, sondern der niemals von seiner
Welt isolierbare Mensch, der Mensch, für den die Welt, inbdem er, sich in ihr vorfindend, sich in sie hinein
entwirft, geradezu die einzige Möglichkeit seines Seins ist. Der entscheidende Fortschritt der
Phänomenologie, bei Husserl und bei Heidegger, besteht im Verwerfen trockener erkenntnistheoretischer
Diskussion, positiv bei Husserl in der Hervorhebung der Sinn-Kategorie, bei Heidegger in der Bewertung des
Zusammenhangs von lebendiger menschlicher Existenz und davon untrennbarer Welt.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 3846)
Physikalismus:
Diese philosophische Richtung hält alles für sinnlose Forschung, was nicht mit den Methoden der Physik
erfaßbar und in ihrer Sprache darstellbar ist. Der Physikalismus wird geradezu unumgänglich von jenen nur
exakt geschulten Naturwissenschaftlern vertreten, die von Wesen und Problemstellungen der Philosophie keine
gründlichen Kenntnisse besitzen, diese deshalb zugunsten der eigenen begrenzten Methodologie, die sie zur
"eigentlichen Philosophie" erheben, ablehnen müssen.
Popper Karl R.:
Nennt sich selbst einen Realisten, der mit dem Alltagsverstand die Außenwelt und die Gesetzmäßigkeiten in
ihr als real gegeben ansieht. Er lehnt dagegen die Auffassung ab, in der Wissenschaft sei irgendein Wesen
der Dinge zu erfassen. Diesen sogenannten Essentialismus macht er verantwortlich
für die Rückständigkeit der Sozial- gegenüber den Naturwissenschaften, wo methodologischer
Nominalismus herrscht. Für den Essentialismus wäre die Frage charakteristisch:
"Was ist Bewegung?". Für den Nominalismus: "Wie bewegt sich ein Planet?"
Dem entspricht die Tendenz des Essentialismus
Platon: griechischer
Philosoph, * 27.5.427 v. Chr. Athen, + 347 Athen, eigentlich: Aristoteles, Sohn des Ariston und der
Periktione. deren Vorfahren mit Solon verwandt waren. Zuerst Dichter, dann endgültig durch
Sokrates, Philosoph, in der Antike mit Aristoteles
der bedeutendste; unternahm große Reisen. Entscheidend wirksam seine Ideenlehre und seine Staatsphilosophie,
die beide erst allmählich in Platon heranreiften. Platons Gedankengang: Wahrnehmung erkennt nicht Dauerndes,
gibt also nicht Gewißheit, sondern nur täuschende Meinung (Höhlengleichnis). Nur die Begriffe sind, einmal
richtig gebildet, stets unwandelbar, nur sie geben wirkliches Wissen. Der Begriff muß ein Objekt haben,
worauf er sich bezieht. Dieses Objekt kann nicht identisch sein mit dem Objekt der sinnlichen Vorstellung.
Es muß ein übersinnliches Objekt sein: Die Idee. In unseren Begriffen vollzieht sich also die Erkenntnis
einer übersinnlichen Welt. Die Begriffe sind Abbilder der Ideen. In der Vielheit der Begriffe spiegelt sich
die der Ideen. Die Begriffsbildung der menschlichen Seele ist ein Akt der Erinnerung an die Ideen selbst,
die die Seele schaute, bevor sie an den Leib gebunden wurde. Die höchste Idee ist die der "Schöngutheit",
oft auch von Platon als Gott aufgefaßt, der als Weltbildner zunächst die Weltseele als eine unkörperliche,
die Welt durchdringende, bewegende Kraft formte. Die Materie für sich allein existiert nicht, zur
Wirklichkeit wird sie erst durch die Ideen erweckt, die in ihr anwesend sind.
-> Platon Hauptseite
Positivismus:
Bezeichnung für eine Richtung in der Philosophie und Wissenschaft die vom "Positiven", d.h. vom Gegebenen
Tatsächlichen, Sicheren, Zweifellosen, ausgeht, ihre Forschung und Darstellung darauf beschränkt und
metaphysische Erörterungen für theoretisch unmöglich, praktisch nutzlos ansieht.
Wesentliche Befürworter des Positivismus waren Comte, D'Alembert,
Hume und Mill.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 578)
Pragmatismus:
Seit dem amerikanischen Philosophen Peirce die Bezeichnung für eine
philosophische Einstellung, die im Handeln (griech. pragma, praxis) des
Menschen sein Wesen ausgedrückt findet und Wert und Unwert auch des
Denkens in eine enge Beziehung dazu setzt. Peirce "pragmatische Maxime"
gibt zunächst eine Methode der Begriffserklärung an: "überlege,
welche Wirkungen, die denkbarerweise praktische Relevanz haben könnten,
wir dem Gegenstand unseres Begriffes in unserer Vorstellung zuschreiben.
Dann ist unser Begriff dieser Wirkungen das Ganze unseres Begriffes des
Gegenstandes". Anders als der Vulgärpragmatismus setzt Peirce Wahrheit
nicht mit faktischem Erfolg, gleich. Er bindet das Denken in einen Prozeß
von Zweifel und überzeugung innerhalb einer prinzipiell falliblen
Handlungs und Dialoggemeinschaft ein. Der Konsens über Handlungsregeln
soll eine Handlungssicherheit wiederherstellen, die sich nicht auf untrügerische
erste geistige oder sinnliche Gegebenheiten stützen läßt.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 581)
Q
quid facti? - was ist geschehen?
quid iuris? - was ist rechtens?
Quine, Willard van Orman: 25.6.1908 Ahran/ Ohio. Herausragender Logiker der sich vor allem der
Sprachforschung widmet.
R
Ramsey, Frank Plumpton: (1903-30), engl. Philosoph und Logiker an der Universität Cambridge. Trug
zur Vereinfachung des logischen Systems Russells bei und übte starken
Einfluß auf die philosophische Diskussion der Grundlage der Mathematik aus.
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 481)
Rationalismus:
Unter Rationalismus versteht man die Gesamtheit der philosophischen Richtungen, die auf verschiedene Art
die Vernunft, das Denken, den Verstand subjektiv, die Vernünftigkeit, die logische Ordnung der Dinge
objektiv in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen stellen. Der Rationalismus ist die Denkweise der Aufklärung
und teilt deren Optimismus, insofern er an eine unbegrenzte menschliche Erkenntniskraft glaubt, die sich
über kurz oder lang alles Seienden bemächtigen wird. Für den Rationalismus gibt es nur vorläufig, nicht
aber grundsätzlich unlösbare Probleme.
(Vgl. Philosophisches Wörterbuch, S. 598)
Realismus: Lat. Der Realismus behauptet, daß es eine Wirklichkeit außerhalb unseres Bewußtseins
gibt. Erkenntnistheoretisch bedeutet der Realismus im Gegensatz zum Idealismus die Annahme einer vom
erkennenden Subjekt unabhängig bestehenden Dingwelt.
Reichenbach, Hans: Philosoph, * 26.9.1891 Hamburg, + 9.4.1953 Los Angeles, 1926-38 Professor
in Berlin und Istanbul, seit 1938 an der California-Universität in Los Angeles. Mitbegründer des
Wiener Kreises und einer der Hauptvertreter des Neupositivismus. Später ging er eigene Wege. Durch
seine Untersuchungen der Grundlagen der Geometrie der logischen Struktur der Physik gelang
Reichenbach zu einer Ablehnung der Apriorität von Raum und Zeit. Den Begriff der Wahrscheinlichkeit
definiert er als einen statistischen. In seiner Wahrscheinlichkeitslogik spielen die Wahrscheinlichkeiten
die Rolle von Wahrheitswerten.
Russel, Lord Bertrand: Engl. Mathematiker und Philosoph * 18.5.1872 Chepstow, + 2.2.1970 in
Penrhyndendraeth, ursprünglich Vertreter eines platonischen Realismus, später Neopositivist und
Wissenschaftstheoretiker. Logik ist ihm Universalmathematik im Sinne des Relationismus. Die Philosophie
hat ihre Probleme aus den Naturwissenschaften zu entnehmen, sie ist deren Wegbereiterin und soll deren
Prinzipien und Begriffe logisch analysieren und klären. Gegen Bradley vertritt er die Ansicht, daß die
Beziehungen zwischen den Dingen zu deren Wesen gehören und daß Subjekt und Objekt unterscheidbar sind.
Die Welt besteht aus logisch untereinander verbundenen Sinnesdaten (sensedata). Die Sinnesdaten
verschiedener Gegenstände sind der "Geist" des Beobachters, die Sinnesdaten eines von mehreren Personen
beobachteten Gegenstandes sind die Realität einer -wenn auch unbeweisbaren- Materie (Pluralismus,
Probabilismus).
S
Schelling, Friedrich Wilhelm: Philosoph, * 27.1.1775 Leonberg, + 20.8.1854 Bad Ragaz. Auf dem
Boden des Idealismus stehend, bildete er dessen übergang zur Romantik: Wegen seiner steten Wandlung der
"Proteus der Philosophie" genannt.
Schlick, Moritz:
Philosoph, * 14.4.1882 Berlin, + 22.6.1936 Wien (ermordet), Begründer des "Wiener Kreises", Vertreter
eines empirischen Realismus, von Carnap und
Wittgenstein beeinflußt, arbeitete hauptsächlich über das
Wahrheitsproblem, über Erkenntnislehre sowie über den apriorischen Charakter von Logik und Mathematik;
verwarf die Möglichkeit synthetischer Urteile a priori und
versuchte das psychophysische Problem physikalisch zu lösen. Aufgabe der Philosophie sei es, Begriffe
logisch zu erklären. Schlick selbst untersuchte die Begriffe Raum, Zeit, Materie. Kausalität,
Wahrscheinlichkeit, Organisches, Wertung, Hedonismus, freier Wille, ethisches Motiv.
Scholastiker:
So hießen zuerst die Lehrer der "sieben freien Künste", dann der Theologie und Philosophie des christlichen
Mittelalters seit dem 9. Jahrhundert, soweit sie mit den von der griechischen Philosophie gelieferten
Denkmitteln die Kirchenlehre logisch zu begründen und zu befestigen suchen. Ihre Methode ist vorwiegend
definitorisch, syllogistisch, deduktiv, ihr Denken bewegt sich meist im Begrifflichen, Abstrakten, das
vielfach vergegenständlicht wird.
(Vgl. Philosophenlexikon, S. 648)
Schopenhauer Arthur:
Deutscher Philosoph, * 1788 Danzig, + 1860 Frankfurt am Main. In seinem Hauptwerk "Die Welt als Wille und
Vorstellung" entwirft Shopenhauer eine umfassende Willensmetaphysik. Denkanstöße geben ihm
Platon, Kant und die indigenen "Upanishaden"
(Vgl. dtv-Atlas zur Philosophie, S. 161)
-> Shopenhauer Hauptseite
Schrödinger, Erwin: Physiker, * 12.8.1887 Wien, + 4.1.1961 Wien. Arbeitete über Quantenmechanik und
die Wellentheorie.
Semantik: Bedeutung einer Sprache. Worte, alleinstehend und in ihrem Zusammenhangm, haben eine
bestimmte Bedeutung.
Sensualistisch: Alle Erkenntnis wird aus den Sinnesempfindungen abgeleitet.
Sophisten: (griechisch
sophistes, Meister, Künstler) war in der griechischen Antike seit etwa
dem 5. Jahrhundert v. Chr. zunächst die Bezeichnung für die meist herumziehenden
Weisen und Gelehrten. Aber auch hochgeachtete Staatsmänner, die sich
vornehmlich durch rhetorisches Geschick auszeichneten (wie etwa Solon)
wurden noch Sophisten genannt; eine durchaus ehrende Bezeichnung also.
Zu jener Zeit setzte aber auch bald eine Reaktion ein, die sich dem
aufklärerischen Geist, den die Sophisten in die städtische Bevölkerung
trugen, widersetzte. Wortführer war hier besonders Platon,
der in vielen seiner Dialoge den Sokrates als
Spötter und Verächtlichmacher der Protagoras, Gorgias und Hippias auftreten
ließ. Da deren Interesse nicht auf die Ausformulierung theoretischer
Wahrheiten ging, die als die ontologisch prägenden
Größen des gesamten Seins ausgegeben wurden, sondern auf die Hebung
der Einsichtsfähigkeit der Bürger Attikas, waren die Sophisten konservativen
Adligen wie Platon ein Dorn im Auge. Die Taktik, den Rhetoriklehrern
Geldschneiderei, Großsprecherei und Demagogie nachzusagen, hatte ebenso
Erfolg wie die, ihre Wahrheitsliebe anzuzweifeln. Auch wenn der tatsächliche,
nicht der platonisch verklärte Sokrates sehr stark in der Tradition
der Sophisten stand, siegte im Ringen zwischen Aufklärung und Metaphysik
die weitgehend das abendländische Denken bis heute bestimmende Lehre
Platons.
Erst in der römischen Kaiserzeit konnte sich wieder eine Einschätzung der Sophisten behaupten, die positiv
war: Griechische Bildung der Schriftsteller und Dichter brachte ihnen die bewundernde Bezeichnung "Sophist"
ein. Aristides, Aelius und Aelian zeichneten sich zu dieser Zeit durch ebensolchen Kenntnisreichtum und den
Versuch logischer Schärfe in Ansatz und Durchführung ihrer Problemstellungen aus wie ihre platonischen
Vorgänger. Gerade diese intellektuellen Qualitäten bilden aber auch heute noch die Grundlage für die
Diffamierung, jemand sei ein "Sophist", wenn er versucht die rein im Erfahrungswissen verhafteten Zeitgenossen
über die tatsächlichen Wurzeln ihrer Vorurteile aufzuklären.
(Quelle: Enzyklopädie 2000, S. 4492)
Spinoza, Benedictus de: Philosoph, * 24.11.1632 Amsterdam, + 21.2.1677 in Haag. Nach Spinoza führt
nur die mathematische Denkweise zur Wahrheit.
Stegmüller, Wolfgang: Prof. in München, * 3.6. 1923 Natters, Tirol. Versteht die Philosophie als
eine Wissenschaft, die rational über intersubjektiv nachprüfbare Aussagen zu argumentieren hat, deren
Anzahl sich begrenzt nachweisen läßt.
Stoiker: Weitverbreitete Strömung der griechischen Philosophie. die um 300 vor Christus von Zenon
aus Kition begründet wurde. In der Kaiserzeit war die Stoa eine Art ethischer Religion des römischen Volkes
geworden. Gott und Natur waren der Stoa, die nach Art des Elektizismus bzw. Synkretismus die verschiedensten
Lehren in sich aufnahm.
Syllogismus: (griechisch syllogismos, Zusammenrechnung). Ein Syllogismus ist ein logisches
Schlußverfahren, dessen Theorie zuerst Aristoteles entwickelte. Es beruht auf dem Grundprinzip, daß,
sagt man a von allen b, b von allen c aus, a von allen c ausgesagt ist, also a, b und c identisch sind.
Es handelt sich hier also nicht um eine unmittelbare Folgerung, sondern um einen mittelbaren Schluß, der
durch einen Mittelbegriff M zwischen einem weiteren Prädikatsbegriff P und einem engeren Subjektsbegriff
S gestiftet wird.
Dies geschieht mit Hilfe zweier Sätze, den Prämissen, die zum Schluß, der Konklusion, führen.