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Karl R. Popper (1/15) |
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In Popppers Buch "Die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie" stehen zwei Problemkomplexe im Zentrum: Das Induktionsproblem und das Abgrenzungsproblem. Induktionsproblem: |
| Unter Induktion versteht man das Schließen vom Besonderen, Einzelnen auf das Allgemeine. Obwohl wir nur bestimmte Ereignisse beobachten können und eine beschränkte Anzahl von Ereignissen untersuchen können, stellen Wissenschaftler allgemeine Sätze (z.B. Naturgesetze) auf. Dies sind Sätze, die für eine unbeschränkte Anzahl von Ereignissen gelten sollen. Hiermit deutet sich das Induktionsproblem an: "Als 'Induktionsproblem' wird hier die Frage nach der Geltung oder nach der Begründung der allgemeinen Sätze der empirischen Wissenschaften bezeichnet." | |
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Abgrenzungsproblem: |
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Die empirischen Wissenschaften sind ursprünglich aus der
Metaphysik hervorgegangen. Heute ist man sich nicht einig darüber, ob die Metaphysik von den
empirischen Wissenschaften ferngehalten werden muß. Popper fragt nach den Grenzen von
empirischen und metaphysischen Wissenschaften. Lassen sich strenge Unterscheidungen
treffen? Lassen sich bestimmte Grenzen ziehen? Fragen wie diese, stellt sich der
Philosoph im Hinblick auf das Abgrenzungsproblem. Sie zu stellen ist notwendig, denn: "Die Erkenntnistheorie muß ein strenges und allgemein verwendbares Kriterium aufstellen, das gestattet, Sätze der empirischen Wissenschaften von metaphysischen Behauptungen zu unterscheiden ('Abgrenzungskritierium') - 'Abgrenzungsproblem' nenne ich die Frage nach dem Abgrenzungskriterium." Auf das Abgrenzungsproblem wird an späterer Stelle ausführlich eingegangen. |
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Diese beiden Probleme, Induktionsproblem, das auf Hume zurückgeht, und Abgrenzungsproblem, das bereits von Kant behandelt wurde, sind für Popper die beiden Grundprobleme der Erkenntnistheorie. Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt erläutert, untersucht Popper diese Probleme aus rein erkenntnistheoretischer Perspektive. Erkenntnispsychologische Fragen, etwa, wie unsere Erkenntnisse zustande kommen, interessieren ihn in diesem Zusammenhang nicht. Popper fragt also nicht nach der Entstehung wissenschaftlicher Aussagen, sondern nach ihrer Begründung, nach ihrer Rechtfertigung, nach ihrer Geltung. Dadurch, daß sich die Erkenntnistheorie um Geltungsfragen zu kümmern hat, wird sie zu einer Methodenlehre der empirischen Wissenschaft (Begründungsmethodologie). |